Die syrische Armee hat sich zum Sieger in der seit Jahren umkämpften Damaszener Vorortregion Ostghuta erklärt. Die Armeeführung teilte am Samstagabend mit, ihre Truppen hätten eine Reihe von Städten und Orten in dem Gebiet nahe der Hauptstadt Damaskus zurückerobert. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte, die Armee kontrolliere nun rund 94 Prozent von Ostghuta.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Sana verließen zuletzt mehr als 1.700 Rebellen und ihre Angehörigen eine von zwei Zonen, die noch von Regierungsgegnern beherrscht wurden. Mit Bussen wurden sie in die Provinz Idlib gebracht, die von Oppositionskräften gehalten wird. Wie das Militär mitteilte, gebe es aktuell noch Gefechte am Stadtrand von Duma, wo die islamistische Gruppe Dschaisch al-Islam herrscht. Die größte Stadt der Region ist seit Wochen eingekesselt, internationale Hilfslieferungen gelangten kaum zu den Zehntausenden Zivilisten, die dort noch ausharren.

Die Menschen in der gesamten Region Ostghuta erlebten in den vergangenen Wochen die heftigste Angriffswelle der Regierung seit Beginn des Bürgerkriegs vor mehr als sieben Jahren. Nach Angaben von Aktivisten kamen dabei mehr als 1.600 Menschen ums Leben. Große Teile der Enklave sind zerstört. Mehr als 130.000 Menschen sind bislang geflohen, die meisten von ihnen in Richtung Idlib. Die Provinz ist deshalb zu einer der am dichtesten bevölkerten Regionen Syriens geworden. "Idlib kann nicht mehr Menschen aufnehmen", warnte jüngst der höchste UN-Repräsentant in Syrien, Ali al-Satari.

Durch die Rückeroberung der meisten Gebiete von Ostghuta haben die Regierungstruppen nun Zugang zu einem großen Straßen- und Autobahnnetz, das Damaskus mit anderen Teilen des Landes verbindet.