Vergewaltigung, sexuelle Gewalt und Demütigung sind in Syrien laut einem Bericht der UN-Untersuchungskommission an der Tagesordnung. Demnach missbrauchten vor allem Regierungstruppen und mit ihnen verbündete Milizen Tausende Mädchen und Frauen. Die sexuelle Gewalt gegen Frauen sei Teil eines "umfassenden Angriffs" auf die Zivilbevölkerung gewesen und als Verbrechen gegen die Menschlichkeit einzustufen, heißt es in dem Bericht der UN-Untersuchungskommission. Sie dokumentierte auch Fälle, bei denen Jungen und Männer mit Stöcken und Flaschen misshandelt wurden. Oppositionelle Milizen begingen dem Bericht zufolge ebenfalls Verbrechen dieser Art, wenn auch deutlich weniger.

Mit den Misshandlungen sollten Geständnisse oder Informationen über Aufständische erpresst werden oder vermeintliche Einsätze für Oppositionskräfte bestraft werden, hieß es. Vergewaltigungen fänden bei Kampfeinsätzen, Hausdurchsuchungen, an Kontrollpunkten und in Gefängnissen statt. Die Untersuchungskommission, die im August 2011 eingerichtet wurde, sprach mit 454 Menschen, unter ihnen Überlebende, Anwälte und Mediziner. Die Ergebnisse beziehen sich auf den Zeitraum zwischen März 2011 und Dezember vergangenen Jahres.

"Der Aufseher nahm zwei Mädchen, drückte ihr Gesicht auf den Tisch und vergewaltigte sie", zitiert die Kommission einen Mann, der 2014 in Damaskus in Gewahrsam war. "Er sagte: Du siehst, was ich tue, das mache ich auch mit deiner Frau und deiner Tochter." Ältere Frauen berichteten, dass sie an Kontrollpunkten durchsucht wurden und Kämpfer sie dabei bewusst an Brust und Genitalien berührten. Andere berichteten von Folter mit Elektroden an Brüsten und Genitalien. Viele hätten dabei das Bewusstsein verloren.

Steinigungen und Zwangsheiraten unter IS-Herrschaft

In einem anderen Fall in Homs seien 2012 mit der Regierung verbündete Milizen in ein Haus gestürmt, hätten fünf Männer getötet und einen sechsten gezwungen zuzusehen, wie sie seine Frau und zwei Töchter vergewaltigten. Anschließend sei der Mann vor den Augen seiner Familie ebenfalls vergewaltigt worden. Andere Männer seien zu Oralsex an Gefangenen gezwungen worden.   

Die UN-Kommission berichtet auch über Gräueltaten, die von der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) verübt wurden. Unter der Herrschaft des IS seien zahlreiche Frauen gesteinigt worden. Andere Frauen und Mädchen hätten IS-Kämpfer heiraten müssen. Zudem habe es Fälle gegeben, in denen "Angehörige einer sexuellen Minderheit" von Gebäuden gestoßen wurden. Andere, die sich der vorgeschriebenen Kleiderordnung widersetzten, seien ausgepeitscht worden, heißt es in dem Bericht.