Bei der Präsidentenwahl in Aserbaidschan ist der autoritär regierende Ilcham Alijew mit großer Mehrheit wiedergewählt worden. Ersten Hochrechnungen zufolge erhielt der 56-jährige Amtsinhaber mehr als 80 Prozent der Stimmen – lokale Medien in der Hauptstadt Baku berichteten gar von knapp 90 Prozent.

Rund 5,3 Millionen Aserbaidschaner waren zur Abstimmung aufgerufen; die Wahlbeteiligung lag Medienberichten zufolge bei rund 69 Prozent. Neben Alijew standen zwar sieben weitere Kandidaten zur Wahl, von denen jedoch keiner mehr als fünf Prozent der Wählerstimmen erhielt. Oppositionsführer sprachen vorab von Scheinkandidaten, um die Wahl legitimieren zu können.

Alijew regiert die ehemalige Sowjetrepublik seit 15 Jahren und steht nun vor seiner vierten Amtszeit – nach einer Verfassungsänderung 2016 wird diese sieben statt der bisherigen fünf Jahre andauern. Die Wahl war ursprünglich für den Herbst geplant, wurde aber auf April vorgezogen. Die Regierung begründete die Entscheidung damit, dass es im Herbst wichtige Veranstaltungen gebe. Die Opposition reagierte darauf mit einem Aufruf zum Wahlboykott.

Opposition vermutet Wahlbetrug

Kritiker sehen das Land als Familiendynastie – vor Alijew war sein Vater Geidar Präsident, zudem machte Alijew seine Frau Mehriban Alijewa zur Vizepräsidentin. "Alle bisherigen Wahlen in Aserbaidschan wurden gefälscht und unter eklatanten Verletzungen des Wahlrechts abgehalten", sagte Natig Schafarli von der oppositionellen Republikanischen Alternativen Bewegung. "Diese Wahlen werden keine Ausnahme sein." Der Leiter der Wahlkommission, Masahir Panachow, beteuerte dagegen, es seien alle Bedingungen für "demokratische und transparente Wahlen" gegeben.

Offizielle Ergebnisse der Wahl sollen in den kommenden Tagen bekannt gegeben werden. Auch die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) will dann eine erste Einschätzung zur Rechtmäßigkeit der Wahl abgeben. Die OSZE hatte rund 280 Wahlbeobachter in das Land geschickt.