Nach den militärischen Angriffen mit westlichen Verbündeten in Syrien hat Staatspräsident Emmanuel Macron eine neue diplomatische Initiative angekündigt. Die Aufgabe Frankreichs sei es, "mit allen zu sprechen", sagte Macron den Sendern BFMTV und RMC sowie der investigativen Internetzeitung Mediapart. Auch Russland, Iran und die Türkei sollten mit eingebunden werden. Er bot sich zudem als Vermittler zwischen den USA und Russland an. Nur so könne eine dauerhafte Lösung für den Konflikt gefunden werden, der bereist sieben Jahre andauert.

Am heutigen EU-Außenministertreffen will Frankreich die Initiative zur Entschärfung des Konfliktes vorstellen. Ziel ist nach Angaben von Diplomaten die Annahme einer umfassenden Resolution im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UN). Sie soll unter anderem eine landesweite Waffenruhe und einen gesicherten Zugang für humanitäre Helfer in Syrien ermöglichen. Auf dieser Grundlage könnte dann an einer langfristigen politischen Lösung des Konflikts gearbeitet werden.

Treffen mit Putin, Erdoğan und Ruhani platzte

Macron sagte, er habe ursprünglich geplant, in die Türkei zu reisen und sich dort mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan und dem iranischen Präsidenten Hassan Ruhani zu treffen. Der Chemiewaffeneinsatz in Syrien und das Vorgehen im Rebellengebiet Ostghuta bei Damaskus habe diesen Plan aber durchkreuzt.

Die Luftangriffe seines Landes sowie der USA und Großbritanniens auf Ziele in Syrien bezeichnete er als Erfolg. "Die Operation, zu der wir uns entschlossen haben, wurde perfekt ausgeführt", sagte Macron. Alle Raketen hätten ihr Ziel erreicht. Das syrische Regime und Russland "behaupten, sie hätten auf ihrer Seite keine Opfer", sagte Macron. "Das ist exakt das, was wir tun wollten."

Die Situation in Syrien

Quelle: IHS Conflict Monitor, New York Times. Stand: 13. April 2018. Grafik: Matthias Holz/ZEIT ONLINE

Die Verbündeten seien international vollständig legitimiert gewesen, um internationales humanitäres Recht durchzusetzen. Wegen der starren Haltung Russlands im Weltsicherheitsrat seien sie zum Handeln ohne explizites UN-Mandat gezwungen gewesen, sagte der Präsident. "Wir waren an einem Punkt angelangt, da diese Angriffe unumgänglich geworden waren."

Frankreich - Emmanuel Macron rechtfertigt Luftschlag auf Syrien Der französische Präsident hat den Angriff auf mehrere Ziele in Syrien als legitim bezeichnet. In einem Interview erklärte er außerdem, dass er den US-Präsidenten Donald Trump überzeugt habe, Truppen in Syrien zu belassen. © Foto: Francois Guillot/Getty Images

Die USA, Frankreich und Großbritannien hatten als Vergeltung für einen mutmaßlichen Chemiewaffenangriff in Duma bei Damaskus mit mindestens 40 Toten am frühen Samstagmorgen mehrere Ziele in Syrien angegriffen. Die syrische Regierung bestreitet, Chemiewaffen eingesetzt zu haben.