Wenn es zum Krieg kommt, dann ist die Europäsche Union aus dem Spiel – das war 2003 im Irakkrieg so, das war 2011 im Libyenkrieg so, und das ist heute wieder so, nachdem die USA, Frankreich und Großbritannien Syrien in der vergangenen Nacht mit Raketen angegriffen haben. Die EU hat zwar im Juni 2016 mit großer Geste ihre Globale Strategie für eine Außen- und Sicherheitspolitik veröffentlicht, und vor wenigen Tagen vermeldete die Union (wieder einmal) stolz, dass sie auf globaler Ebene der größte Geber von Hilfsgeldern ist. Wenn aber Raketen fliegen, wird es mucksmäuschenstill um die EU.

Militärische Machtprojektion ist nicht Sache der Union. Das kann sie nicht. Kriege sind Momente der eindeutigen Entscheidungen. Bombardiert man oder nicht? Schickt man Soldaten oder nicht? In solchen Fragen gibt es wenig Lavieren, doch das Lavieren gehört zum Existenzmodus der EU. Anders ließe sich eine Union mit noch 28 Nationalstaaten in der jetzigen Konstruktion auch gar nicht zusammenhalten. Für die Eindeutigkeit eines Krieges ist die EU daher nicht gebaut.

Das aber wird sich ändern müssen. Denn an Europas Nachbarschaft herrscht Krieg – und es wird der Union nicht gut bekommen, wenn sie nicht wehrhafter wird. Das hier ist kein Plädoyer für eine Krieg führende, eine Kriegstreiberin EU. Es ist ein Plädoyer für eine EU, die global Interessen vertreten und auch durchsetzen kann. Das wird sie nur können, wenn sie als Union militärisch glaubwürdig auftritt.

Wie umgehen mit Russland?

Das ist innerhalb der EU inzwischen auch Konsens. Wenn es einen Bereich gibt, in dem es in den vergangenen eineinhalb Jahren – seit der Brexit-Entscheidung – Fortschritte gegeben hat, dann ist das der Verteidigungsbereich. Noch steckt die gemeinsame europäische Verteidigung in den Anfängen. Aber der Bewusstseinswandel hat stattgefunden. Auf den Konflikt in Syrien hat das freilich noch keine unmittelbaren Auswirkungen.

Luftangriffe in Syrien

Quelle: Conflict Monitor, New York Times. Stand: 14. April 2018. Grafik: ZEIT ONLINE

Die EU braucht eine Strategie für den Nahen Osten. Das ist richtig. Es fehlen ihr außerdem die Mittel, es fehlt ihr auch der innere Zusammenhalt. Die EU ist kein entscheidender Player in Syrien – und wird es in naher Zukunft auch nicht sein können.

Auch die USA sind es übrigens nicht mehr wirklich. Die entscheidende Macht in Syrien ist Russland. Die Frage für die EU mit Blick auf Syrien ist deshalb: Wie umgehen mit Russland? Nach Damaskus kommt man über die Bande Moskau.

Es geht also um das Verhältnis der EU zu Wladimir Putins Russland. Das ist entscheidend. Es geht um europäische Strategie gegenüber dem Kreml. Eine solche aber ist im Augenblick nicht zu erkennen. Im Gegenteil, die EU ist tief gespalten. Das zeigt sich im Streit um die Gaspipeline Nord Stream 2 durch die Ostsee. Und das zeigt sich auch daran, dass sich nur 14 Länder der EU wegen des Giftanschlages auf Sergej Skripal den Sanktionen Großbritanniens gegen Russland angeschlossen haben.