Nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff im syrischen Duma hat US-Präsident Donald Trump eine geplante mehrtägige Reise nach Peru und Kolumbien abgesagt. Trump bleibe in den Vereinigten Staaten, um sich um die Reaktion der USA auf den mutmaßlichen Giftgasangriff in Syrien zu kümmern, teilte seine Sprecherin Sarah Sanders mit. Auch sein Verteidigungsminister James Mattis sagte geplante Termine für das Wochenende ab. Die US-Regierung hatte zuvor militärische Schritte gegen die syrische Regierung nicht ausgeschlossen. Eine Entscheidung werde noch in den nächsten 48 Stunden fallen, sagte Trump am Montag. Der US-Lenkwaffenzerstörer USS Donald Cook kam nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP in einem Gebiet an, von dem aus er Syrien erreichen könnte.

Trump stimmte sich zudem mit Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron und der britischen Premierministerin Theresa May über eine gemeinsame Reaktion ab. Alle drei hätten inzwischen telefonisch miteinander gesprochen, teilten die jeweiligen Pressestellen mit. Macron und Trump hätten ihren Wunsch nach einer entschlossenen Reaktion der internationalen Gemeinschaft bekräftigt. May und Trump seien sich einig gewesen, keine weiteren Chemiewaffeneinsätze in Syrien zuzulassen.  

Im Falle eines Militärschlags gegen Syrien wären nach Angaben der französischen Regierung die Chemiewaffen der syrischen Regierung das Ziel. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sagte nach einem Treffen mit dem saudi-arabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman in Paris, auf keinen Fall würden die Verbündeten der syrischen Regierung, russische oder iranische Einheiten, angegriffen. Frankreich wolle "keine Eskalation". Im März hatte Macron den Einsatz von Chemiewaffen bereits als "rote Linie" bezeichnet und mit "gezielten Schlägen" gedroht, falls Beweise für einen solchen Fall vorliegen.

Erdoğan droht mit Konsequenzen

Nach den Drohungen befinden sich die syrischen Regierungstruppen und ihre Verbündeten in Alarmbereitschaft, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. "Die syrische Armee ist in voller Bereitschaft an allen Militärflughäfen, großen Stützpunkten in Damaskus und Außenbezirken, in Homs sowie in den Küstenregionen von Latakia und Tartus, aus Angst vor möglichen Angriffen der USA und anderer Staaten", sagte Rami Abdel Rahman, Leiter der Beobachtungsstelle, der Nachrichtenagentur dpa. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig prüfen.

Neben Trump und Macron hat auch der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan mit Konsequenzen gedroht. "Ich verfluche jene, die die Massaker in Ostghuta und Duma verübt haben. Wer auch immer dafür verantwortlich ist, wird definitiv schwer dafür büßen", sagte Erdoğan vor der AKP, seiner islamisch-konservativen Fraktion.

Russland und Syrien fordern OPCW-Untersuchung

Bei dem gemeldeten Giftgaseinsatz in Duma am Samstag sollen nach neuen, korrigierten Angaben der Hilfsorganisation Weißhelme mindestens 42 Menschen getötet worden sein. Mehr als 500 Personen seien in Krankenhäusern behandelt worden. In einer inzwischen gelöschten Mitteilung auf Twitter hatte die Hilfsorganisation am Sonntag von mehr als 150 Toten gesprochen. Diese Information sei missverständlich gewesen und gelöscht worden, teilte der Leiter der Weißhelme, Raed Salah, mit.

Die USA machen die Regierung des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad für den angeblichen Angriff verantwortlich. Russland erklärte hingegen, die Rebellen hätten den Angriff nur inszeniert. Russland und Syrien luden die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) zu einer offiziellen Untersuchung des Angriffs ein; Russland garantiere für die Sicherheit. Am Dienstagabend teilte die OPCW mit, Chemiewaffeninspekteure nach Duma schicken zu wollen. Das Team bereite sich auf eine baldige Abreise vor.

UN-Mitarbeiter in Syrien konnten Berichte über den Angriff nicht bestätigen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden in den vergangenen Tagen in der Region Menschen mit Atembeschwerden behandelt.

Im UN-Sicherheitsrat legte Russland erwartungsgemäß sein Veto gegen einen von den USA vorgelegten Resolutionsentwurf ein. In dem Entwurf wurde ein neuer "unabhängiger Mechanismus" zur Untersuchung der Giftgasvorwürfe in Syrien vorgeschlagen. Ein anschließend zur Abstimmung vorgelegter russischer Resolutionsentwurf über eine Untersuchung von Chemiewaffen in Syrien wurde ebenfalls abgelehnt. Neun Mitglieder des Sicherheitsrats stimmten dagegen. China und vier weitere Mitglieder unterstützten Russland, zwei Staaten enthielten sich.