Zehn Tage nach einem mutmaßlichen Giftgasangriff in der syrischen Stadt Duma ist ein internationales Untersuchungsteam in der Stadt eingetroffen. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldet, erreichten die Inspekteure der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) die einstige Rebellenbastion in Ostghuta an diesem Nachmittag. Zuvor war ihnen die Weiterreise von Damaskus nach Duma mit Verweis auf "dringende Sicherheitsaspekte" verwehrt worden.

"Wahrscheinlich, dass Beweise verschwinden"

Der Westen beschuldigt die syrische Staatsführung, in Duma international geächtete Chemiewaffen gegen die Bevölkerung eingesetzt zu haben. Bei dem Angriff wurden nach Angaben örtlicher Helfer mindestens 40 Menschen getötet. In der Nacht zum Samstag bombardierten daraufhin die USA, Frankreich und Großbritannien mehrere Standorte der syrischen Chemiewaffenproduktion. Die syrische Regierung und ihre Verbündeten Russland und Iran werfen dem Westen dagegen vor, ohne eine unabhängige Bestätigung der Vorwürfe gehandelt zu haben. Sie bezeichnen den Giftgasangriff als "Inszenierung des Westens".

Bei den Mitgliedern der westlichen Militärkoalition wächst indes die Sorge, dass bereits alle Spuren des Giftgasangriffs beseitigt sind. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass Beweise und wesentliche Elemente verschwinden", warnte nun auch die französische Regierung, nachdem bereits der britische Botschafter bei der OPCW sowie sein US-Kollege Syrien und Russland vorgeworfen hatten, die Arbeit der OPCW zu blockieren und den Ort des Anschlags zu manipulieren. Der russische Außenminister Sergej Lawrow wies diese Vorwürfe zurück.

Giftgasangriff - »Es gibt keine Beweise« Laut dem russischen Außenminister Lawrow kam im syrischen Duma kein Giftgas zum Einsatz. Frankreichs Regierung geht davon aus, dass die Beweise dafür vernichtet wurden. © Foto: Pavel Golovkin/AP/dpa

Duma war lange Zeit die letzte Bastion der Rebellen in der Region Ostghuta. Einen Tag nach dem Giftgasangriff sagten auch die noch verbliebenen Milizionäre der Rebellengruppe Dschaisch al-Islam zu, ihre Kämpfer aus der Stadt abzuziehen. Nach Angaben der Nachrichtenredaktion Sana wollen die Rebellen nun auch die Stadt Dumair rund 50 Kilometer östlich von Damaskus räumen. Demnach sollen rund Tausend Kämpfer von dort in die nordsyrische Stadt Dscharablus abziehen. In Dumair galt seit 2016 ein sogenanntes Versöhnungsabkommen, das eine Waffenruhe zwischen Regierung und Rebellen umfasste.

Putin beschwert sich bei Merkel

Derweil beriet Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Telefon mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin über die Entwicklungen in Syrien. Wie die Bundesregierung anschließend mitteilte, waren sich Merkel und Putin einig, den politischen Prozess zur Beilegung des jahrelangen Konflikts "in den Mittelpunkt aller Bemühungen zu stellen". Aus dem Kreml in Moskau hieß es hingegen, Putin habe Merkel gesagt, dass der Angriff auf Syrien gegen das Völkerrecht verstoße und den Friedensprozess belaste.

Luftangriffe in Syrien

Quelle: Conflict Monitor, New York Times. Stand: 14. April 2018. Grafik: ZEIT ONLINE