Der ehemalige FBI-Chef James Comey hat Donald Trump in einem Interview als moralisch unfähig für das Präsidentenamt bezeichnet. Er sagte auch, es gebe sicherlich Hinweise dafür, dass der US-Präsident die Justiz behindert habe. Außerdem halte er es für möglich, dass Russland im Besitz von kompromittierendem Material über Trump sei.

Der Ex-FBI-Chef erklärte, er glaube nicht an Spekulationen, wonach Trump geistig nicht fit sei oder Demenz im Anfangsstadium habe. "Er scheint mir eine Person von überdurchschnittlicher Intelligenz zu sein, die Gespräche verfolgt und weiß, was vor sich geht", sagte der 57-Jährige. "Ich glaube nicht, dass er medizinisch nicht dazu in der Lage ist, Präsident zu sein. Ich denke, er ist moralisch nicht dazu geeignet, Präsident zu sein." Trump sei ein Mensch, der Frauen wie ein Stück Fleisch behandele, der ständig lüge und darauf bestehe, dass das amerikanische Volk es glaube.

Im Mai des vergangenen Jahres hatte Trump Comey entlassen und den Schritt mit den FBI-Untersuchungen in der E-Mail-Affäre um Hillary Clinton begründet. Später hatte der Präsident angedeutet, der Grund seien die Untersuchungen in der Russland-Affäre gewesen. Comey hat nun eine Autobiographie veröffentlicht, in dem es in weiten Teilen um sein Verhältnis zu Trump geht.

Der Ex-FBI Chef sagte nun in dem Interview, es gebe Hinweise, dass Trump die Justiz bei den Russland-Ermittlungen behindert habe. Er verwies aber darauf, dass er in dem Fall nicht der Ermittler oder Staatsanwalt sei, sondern nur ein Zeuge.

Bei der Frage der Justizbehinderung geht es unter anderem um ein Gespräch zwischen dem Präsidenten und dem FBI-Chef im Februar 2017. Bei diesem äußerte Trump nach Comeys Darstellung den Wunsch, dass die Ermittlungen des FBI gegen den damaligen Nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn eingestellt werden. Trump bestreitet das. Manche Beobachter sehen darin einen Versuch der Justizbehinderung.

Eine Folge von Comeys Entlassung war die Einsetzung von Sonderermittler Robert Mueller, der nun die Vorwürfe um eine russische Einmischung in die Präsidentschaftswahl 2016 untersucht und dabei auch eine Verstrickung des Trump-Lagers prüft.

Comey wurde in dem Interview am Sonntag gefragt, ob er glaube, dass Russland etwas gegen Trump in der Hand habe. Er antwortete, dass er dies für möglich halte. "Es ist überwältigend, und ich wünschte, ich würde es nicht sagen, aber es ist die Wahrheit", erklärte er. "Ich habe es immer für unwahrscheinlich gehalten und ich halte es immer noch für unwahrscheinlich, und ich wäre bei jedem anderen Präsidenten, mit dem ich zu tun hatte, in der Lage gewesen, es mit fester Überzeugung zu sagen, aber ich kann es nicht. Es ist möglich."