Katalonien - Massendemonstration in Barcelona In der katalanischen Hauptstadt haben Tausende Demonstranten die Freilassung von inhaftierten katalanischen Politikern gefordert. Insgesamt sitzen neun Separatistenführer in Untersuchungshaft. © Foto: Lluis Gene/AFP/Getty Images

In Barcelona haben Hunderttausende Menschen erneut für die Freilassung von katalanischen Politikern demonstriert. Die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl auf 315.000. Zahlreiche Demonstranten schwenkten gelb-rot gestreifte katalanische Fahnen. Auf Plakaten stand "Freiheit!" oder "Keine Geiseln mehr!".

Der Protest fand knapp sechs Monate nach der Inhaftierung der Separatistenführer Jordi Sànchez und Jordi Cuixart statt. Inzwischen sitzen insgesamt neun Separatisten in Untersuchungshaft. Sieben weitere ranghohe katalanische Politiker, die entweder angeklagt oder beschuldigt wurden, sind ins Exil nach Belgien, Schottland oder in die Schweiz gegangen. Darunter ist auch der ehemalige Regionalpräsident Kataloniens, Carles Puigdemont, der sich derzeit in Deutschland aufhält.

Sànchez ist der designierte Nachfolger von Puigdemont. Das katalanische Regionalparlament kann ihn aber nicht zum Regierungschef wählen, solange er in Haft ist. Ihm wird Rebellion gegen den spanischen Staat vorgeworfen.

Organisiert worden war der Protest von der Aktivistengruppe Katalanische Nationalversammlung und der Kulturorganisation Òmnium, deren Vorsitzende unter den neun Inhaftierten sind. Die Regionalverbände der beiden führenden spanischen Gewerkschaften und andere Organisationen unterstützten die Demonstration, obwohl manche ihrer Mitglieder gegen eine Abspaltung Kataloniens sind.

"Die Mehrheit der Katalanen ist sich unabhängig von ihrer politischen Position einig darüber, dass Untersuchungshaft nicht gerechtfertigt ist", sagte der Vorsitzende des katalanischen Verbandes der Gewerkschaft UGT, Camil Ros. Die Gewerkschaften forderten, dass miteinander gesprochen werde.

Die politische Krise in Spanien hält seit Monaten an. Im Oktober 2017 hatte die Regionalregierung Kataloniens zunächst ein für verfassungswidrig erklärtes Unabhängigkeitsreferendum abhalten lassen, kurz darauf hatte die Mehrheit des regionalen Parlaments eine Unabhängigkeitserklärung gebilligt. Daraufhin griffen die spanischen Zentralbehörden in der Region ein: Die katalanische Regierung wurde abgesetzt, es kam zu Neuwahlen. Bei der Wahl im Dezember erreichten die Unabhängigkeitsbefürworter allerdings erneut eine knappe Mehrheit.