Zur Vermeidung einer Eskalation im Syrien-Konflikt haben die USA, Frankreich und Großbritannien Russland vor den Luftangriffen gewarnt. "Wir suchen nicht die Konfrontation und weisen jede Logik militärischer Eskalation zurück", sagte die französische Verteidigungsministerin Florence Parly. "Deshalb haben wir mit unseren Verbündeten darauf geachtet, dass die Russen vorher gewarnt werden."

Das russische Verteidigungsministerium wiederum erklärte, keine der abgefeuerten Raketen sei in Gebieten niedergegangen, die von Russland überwacht werden. Der Vorsitzende des russischen Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten nannte die Angriffe dennoch eine empörende Verletzung internationalen Rechts und eine grundlose Attacke auf eine souveräne Regierung. Russland will den UN-Sicherheitsrat zu einer Krisensitzung zusammenkommen lassen. Das ließ der russische Präsident Wladimir Putin mitteilen.

Die Angriffe galten nach Darstellung der französischen Verteidigungsministerin drei Zielen, die zum "verborgenen Chemieprogramm Syriens" gehören. "Das Hauptforschungszentrum dieses Programms und zwei wichtige Produktionsstätten wurden angegriffen", erläuterte sie. Damit sei die Fähigkeit Syriens getroffen worden, chemische Waffen zu entwickeln und herzustellen.

Die französische Armee setzte nach Parlys Angaben Fregatten und Kampfflugzeuge ein, um Marschflugkörper abzuschießen. Die Flugzeuge seien von verschiedenen Stützpunkten unter anderem in Frankreich gestartet. Eine präzise Bilanz der Angriffe werde noch veröffentlicht.

Einsatz gegen chemische Waffen

Die Bundesregierung hat sich derweil hinter die westlichen Angriffe auf Syrien gestellt. "Der Militäreinsatz war erforderlich und angemessen, um die Wirksamkeit der internationalen Ächtung des Chemiewaffeneinsatzes zu wahren und das syrische Regime vor weiteren Verstößen zu warnen", erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Wir unterstützen es, dass unsere amerikanischen, britischen und französischen Verbündeten als ständige Mitglieder des UN-Sicherheitsrats in dieser Weise Verantwortung übernommen haben."

Luftangriffe in Syrien

Quelle: Conflict Monitor, New York Times. Stand: 14. April 2018. Grafik: ZEIT ONLINE

Die britische Regierung hat den Vergeltungsschlag in Syrien auch in Zusammenhang mit dem Attentat auf den ehemaligen Doppelagenten Sergej Skripal gebracht. "Wir können nicht erlauben, dass der Gebrauch chemischer Waffen normal wird: innerhalb Syriens, auf den Straßen Großbritanniens oder irgendwo sonst in unserer Welt", teilte Premierministerin Theresa May in London mit. "Wir hätten einen anderen Weg bevorzugt, aber bei diesem Anlass gibt es keinen."

London hatte in der Nacht zum Samstag den Militärschlag auf die syrische Regierung gemeinsam mit den USA und Frankreich ausgeübt. Vier britische Kampfflugzeuge beschossen dabei eine Armee-Einrichtung nahe der Stadt Homs mit Marschflugkörpern. Es soll sich um ein Lager für Chemiewaffen handeln. "Die Welt ist vereint in ihrer Empörung über den Gebrauch von chemischen Waffen, vor allem gegen Zivilisten", sagte der britische Außenminister Boris Johnson.

Konsequenzen für die Region

Als Reaktion auf die Raketenangriffe hat die syrische Führung eine "barbarische und brutale Aggression" angeprangert. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana zitierte am Samstagmorgen eine Quelle im Außenministerium in Damaskus, die dem Westen vorwarf, mit den Angriffen die für Samstag geplante Untersuchungsmission der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) zu verhindern. Auf diese Weise wolle der Westen "seine Lügen" hinsichtlich eines angeblichen Chemiewaffenangriffs in der Stadt Duma kaschieren.

Bei dem Angriff sind nach Angaben der syrischen Armee rund 110 Raketen abgefeuert worden. Viele von ihnen seien abgefangen worden, teilte ein Sprecher der Armeeführung in Damaskus mit. Der Angriff begann demnach um 3.55 Uhr Ortszeit (2.55 MESZ) und richtete sich gegen Ziele in der Hauptstadt Damaskus und anderenorts.

Auch das iranische Außenministerium verurteilte die Angriffe als Akt der Aggression gegen Syrien, wie der Fernsehsender Al-Manar berichtete, der der libanesischen Hisbollah-Miliz nahesteht. Demnach warnte das Ministerium zugleich vor Konsequenzen in der Region.

Währenddessen betrachtet Israel die von den USA angeführten Angriffe als Reaktion auf die Chemiewaffenangriffe des syrischen Machthabers Baschar al-Assad, der damit eine rote Linie überschritten habe. Ein israelischer Regierungsvertreter sagte, US-Präsident Donald Trump habe Assad zuvor deutlich gemacht, dass dieser mit dem Gebrauch von Chemiewaffen alle ethischen Standards verletze. Auch das türkische Außenministerium begrüßte die US-geführten Angriffe als "angemessene Antwort".