Donald Trump - Raketenangriff auf Syrien nur eine von mehreren Optionen Die Sprecherin von US-Präsident Donald Trump hat dessen Aussagen zum Syrien-Krieg relativiert. Trump hatte einen Raketenangriff als Reaktion auf einen mutmaßlichen Giftgasangriff angekündigt. © Foto: Reuters

Das Weiße Haus hat der Drohung von US-Präsident Donald Trump mit einem Militärschlag in Syrien die Brisanz genommen. "Es ist sicher eine Option, aber das heißt nicht, dass es die alleinige Option ist oder das einzige, was der Präsident tun könnte oder auch nicht", sagte die Sprecherin des Präsidialamtes, Sarah Sanders. Es gebe derzeit Gespräche mit den Verbündeten Israel, Saudi-Arabien, Frankreich und Großbritannien. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen. Auch einen Zeitplan gebe es nicht. Der Präsident wäge derzeit ab, wie er reagieren soll.

Auf Twitter hatte Trump dem syrischen Regime und seinem russischen Verbündeten Vergeltung für den mutmaßlichen Giftgaseinsatz im syrischen Duma angedroht und die Beziehung seines Landes zu Russland als "schlechter denn je" bezeichnet. Russland dürfe sich nicht mit einem "Tier" verbünden, das sein Volk mit Gas tötet und das genießt, schrieb Trump. "Mach dich bereit, Russland", heißt es in einem Tweet. Die Geschosse "werden kommen, hübsch und neu und schlau".

Giftgasangriff in Duma - Trump kündigt Raketenangriff auf Syrien an Auf Twitter kündigt US-Präsident Trump einen Angriff des US-amerikanischen Militärs in Syrien an. Das russische Außenministerium reagierte und mahnte zur Vorsicht. © Foto: Evan Vucci/AP/dpa

UN-Chef António Guterres äußerte sich einmal mehr besorgt über die Lage sowie über die Blockade des Weltsicherheitsrats. Er warnte die Mitglieder des höchsten UN-Gremiums davor, die Lage in Syrien außer Kontrolle geraten zu lassen. Zudem äußerte Guterres Bedauern darüber, dass der UN-Sicherheitsrat keine Einigkeit beim Umgang mit dem Einsatz von Chemiewaffen in Syrien erzielt hat. Die UN-Botschafter der fünf ständigen Ratsmitglieder mit Vetorecht – USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich – habe er daher angerufen, um ihnen "meine tiefe Sorge über die Risiken der aktuellen Sackgasse" klarzumachen, berichtete Guterres.

Britische U-Boote in Stellung

Russische Politiker hatten die USA zur Vorsicht gemahnt und zugleich vor einer direkten militärischen Konfrontation der beiden Atommächte gewarnt. Ein US-Luftangriff auf Syrien würde als Kriegsverbrechen betrachtet, hieß es. Etwaige Raketen würden abgefangen und zudem die Abschussvorrichtungen, beispielsweise die in der Region stationierten US-Kriegsschiffe, ins Visier genommen. Russlands Präsident Wladimir Putin ging bei einem Auftritt vor Diplomaten im Kreml nicht direkt auf die Drohgebärden aus Washington ein und rief stattdessen zur Vernunft auf. "Die weltweite Lage wird immer chaotischer", sagte er in Moskau. "Wir hoffen, dass letztlich der gesunde Menschenverstand die Oberhand gewinnt und die internationalen Beziehungen in eine konstruktive Richtung gehen."

Unterdessen berief Großbritanniens Premierministerin Theresa May für diesen Donnerstag eine Dringlichkeitssitzung ihres Kabinetts zu Syrien ein. Medienberichten zufolge wurden bereits britische U-Boote für einen Angriff mit "Tomahawk"-Marschflugkörper in Position gebracht. Demnach könnte der Angriff Donnerstagnacht beginnen. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es bisher nicht. Am Mittwoch hatte May erklärt, dass "alle Hinweise" auf eine Täterschaft der syrischen Regierungskräfte bei dem mutmaßlichen Chemiewaffenangriff von Duma hindeuteten. Die "andauernde Verwendung von Chemiewaffen kann nicht unangefochten bleiben", erklärte sie.

Begonnen hatte die Eskalation mit einem am Samstag gemeldeten Giftgasangriff auf die von Rebellen kontrollierte Stadt Duma in Ostghuta. Bei diesem sollen der Hilfsorganisation Weißhelme zufolge mindestens 42 Menschen getötet worden sein. Mehr als 500 Personen wurden demnach in Krankenhäusern behandelt. Die USA sprechen von mindestens 85 Toten. Die Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen (OPCW) hatte angekündigt, ein zehnköpfiges Expertenteam für eine Untersuchung nach Duma schicken zu wollen.