Seit 2011 terrorisiert die Islamistengruppe Boko Haram den Norden Nigerias und Teile der angrenzenden Länder. Ihr Ziel ist es, einen eigenständigen islamischen Staat zu gründen. International bekannt wurde die Gruppe, als sie 2014 fast 300 Schulmädchen entführte. 2015 schwor sie dem IS die Treue. Immer wieder verübt Boko Haram Anschläge auf die Zivilgesellschaft. Lesen Sie hier die aktuelle Entwicklung und Hintergründe.

2016: Hunderte Geiseln werden befreit

  • Im Zuge eines Gefangenenaustausches wurden Mitte Oktober 21 der 276 Schulmädchen freigelassen, die Boko Haram im April 2014 aus Chibok verschleppt hatte. Die Mädchen seien laut Präsidentensprecher Mallam Garba Shehu in Banki im Nordosten Nigerias gegen vier Boko-Haram-Häftlinge ausgetauscht worden. 57 Mädchen gelang schon 2014, wenige Stunden nach der Entführung, die Flucht. Mehr als 200 galten weiterhin als vermisst. Mitte Mai wurde eines der Mädchen nahe der Grenze zu Kamerun aufgefunden. Einige Tage später soll es dem nigerianischen Militär gelungen sein, in der gleichen Region 100 weitere Geiseln, darunter eines der vermissten Mädchen, zu befreien.
  • Nach Angaben des Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef) sind im August etwa 1,4 Millionen Kinder im Nordosten Nigerias und den Nachbarstaaten Tschad, Niger und Kamerun auf der Flucht. Kinder werden in dieser Region regelmäßig Opfer der Gewalt Boko Harams.
  • Das Welternährungsprogramm (WFP) hat im August gemeldet, dass sich die Zahl der auf Nahrungsmittelhilfe angewiesenen Menschen im Nordosten Nigeriasinnerhalb von wenigen Monaten auf 4,5 Millionen verdoppelt hat. Zu weiten Teilen der von Boko Haram beherrschten Gebiete haben Helfer keinen Zugang.
  • In der Nähe der Stadt Chibok hat die Terrormiliz Boko Haram Ende August ein Dorf überfallen und mindestens zehn Menschen getötet, 13 weitere wurden verletzt. Das Dorf hatte die Gruppe bereits vor zwei Jahr angegriffen.
  • Mitte August hat sich Boko Haram mit einer Videobotschaft an die Öffentlichkeit gewandt. Darin sind angeblich die vor zwei Jahren entführten Schulmädchen aus Chibok zu sehen, Beobachter bewerten es als authentisch. Ein bewaffneter Kämpfer richtet sich darin an die nigerianische Regierung. Es ist das erste Mal, dass die Organisation Bedingungen zur Freilassung der Mädchen formuliert.
  • Im Nordosten Nigerias sind bei einem Angriff auf einen Hilfskonvoi der Vereinten Nationen Ende Juli vier Menschen verletzt worden. Wie die nigerianische Armee und das UN-Kinderhilfswerk Unicef mitteilten, wurden die Helfer im Bundesstaat Borno von mutmaßlichen Boko-Haram-Kämpfern attackiert.
  • Bei Kämpfen zwischen Soldaten und Boko Haram sind Anfang Juni mehr als 50 Menschen in Niger und Nigeria getötet worden. 19 von ihnen sollen Islamisten gewesen sein. Rund 32 Soldaten starben bei einem Angriff der Terrorgruppe auf die Grenzstadt Bosso.
  • Bei einer Befreiungsaktion in der Region Kala Balge im Nordosten Nigerias konnten Ende März 829 Geiseln befreit werden. Dabei seien 25 Kämpfer der Terrorgruppe erschossen worden, teilten Sprecher des nigerianischen Militärs mit. Einige Wochen zuvor, sprengten sich zwei Frauen in der Nähe der Stadt Maiduguri in die Luft und töteten so mindestens 24 Menschen.
  • Bei mehreren Befreiungsaktionen von Spezialeinheiten des nigerianischen und kamerunischen Militärs konnten im Februar Hunderte Menschen aus der Gewalt von Boko Haram befreit werden. Im Nordosten Nigerias wurde die Stadt Goshi von kamerunischen Kräften zurückerobert. Dabei wurden über 160 Fundamentalisten getötet, sowie ein "Ausbildungszentrum" für Boko-Haram-Kämpfer zerstört. Auch bei Einsätzen nigerianischer Streitkräfte wurden zahlreiche Terroristen getötet. Vermehrt kam es jedoch auch wieder zu Selbstmordanschlägen mit dutzenden Toten. Anfang Februar zündeten mehrere Frauen an verschiedenen Orten in Nigeria Sprengsätze, unter anderem in einem Flüchtlingslager der Opfer von Boko Haram. Ende Februar berichten nigerianische Gesundheitsbehörden, dass fast 6.500 Kinder, die vor Boko Haram in Flüchtlingscamps geflüchtet sind, stark unterernährt sind.
  • Bei Selbstmordanschlägen in Bodo im Norden Kamerunssind laut Behörden mindestens 32 Menschen getötet worden, mindestens 80 Menschen wurden verletzt. Nach Angaben des Kommunikationministers des Landes sind Boko Haram in Kamerun seit 2013 fast 1.200 Menschen zum Opfer gefallen.
  • Aus Angst vor Angriffen sind im Niger 99 Schulen in sicherere Gebiete verlegt worden. Laut dem UN-Koordinierungsbüro Ocha konnte so 6.000 Schülern der Schulbesuch wieder ermöglicht werden. Über 2.000 Schulen in Nigeria, Kamerun, im Niger und im Tschad müssen aufgrund wiederholter Angriffe von Boko Haram dauerhaft geschlossen bleiben.

2015: Muhammadu Buhari wird Präsident

  • Die kamerunische Armee hat etwa 900 Geiseln aus der Gewalt von Boko Haram befreit. Nahe der Grenze zu Nigeria im Sambisa-Wald seien bei dreitägigen Gefechten zudem etwa hundert Extremisten getötet worden, teilte Kameruns Verteidigungsminister Joseph Beti Assomo Anfang Dezember 2015 mit.
  • Mitte November sind im Nordosten Nigerias bei zwei Terrorattacken mindestens 49 Menschen gestorben. Facebook schaltete nach den Angriffen für Nigeria die "Safety Check"-Funktion frei, mit der man feststellen kann, ob Angehörige in Sicherheit sind. Vorher war Facebook kritisiert worden, dass die Sicherheitsfunktion nur bei den Anschlägen in Paris und nicht auch bei den Angriffen in Beirut aktiviert war.
  • US-Präsident Barack Obama hat 300 Soldaten nach Kamerun entsandt, um den Kampf gegen Boko Haram zu unterstützen. Die Einheiten seien nur für die Selbstverteidigung bewaffnet.
  • Mitte Juli hat Boko Haram Anschläge auf Fotokol und auf die tschadische Hauptstadt N'Djamena verübt. Wenige Tage später griff Boko Haram zwei Dörfer in Niger an, mindestens 38 Menschen kamen ums Leben. Die Nachbarländer Nigerias hatten sich dem Kampf gegen Boko Haram angeschlossen und unterstützen das nigerianische Militär.
  • Einem Bericht von Amnesty International zufolge, ist die Zahl der Menschen auf der Flucht vor der Gewalt Boko Harams auf mehr als 2 Millionen gestiegen. Darunter befänden sich auch 800.000 minderjährige Flüchtlinge.
  • Am 31. März steht der Sieger der Präsidentschaftswahl in Nigeria fest: Der Muslim Muhammadu Buhari hat die Wahl mit 51,7 Prozent der Stimmen gewonnen. Der bisherige Präsident Goodluck Jonathan erkannte den Wahlsieg seines Herausforderers an. Der 72-jährige Buhari aus dem Norden des Landes führte Nigeria bereits nach einem Militärputsch von 1983 bis 1985.
  • In einer Audiobotschaft hat der Boko-Haram-Anführer Abubakar Shekau dem IS die Treue geschworen. Die Botschaft wurde am 7. März 2015 über den Twitter-Kanal von Boko Haram verbreitet und Shekau zugeschrieben. Sechs Tage später hat der IS den Schwur offiziell angenommen und Kämpfer aus aller Welt aufgerufen, sich Boko Haram anzuschließen. Als Reaktion auf den Treueschwur Boko Harams zum "Islamischen Staat" starteten Nigerias Nachbarländer Tschad und Niger am 8. März eine Militäroffensive auf nigerianischem Boden.

2014: Boko Haram entführt Hunderte Schuldmädchen aus Chibok