Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton bei einer Wahlkampfveranstaltung in New Jersey © Jessica Kourkounis/Getty Images

Mit weniger als einem halben Prozent Vorsprung konnte Hillary Clinton am Dienstag die US-Vorwahl in Kentucky für sich entscheiden. Ihr Kontrahent Bernie Sanders verlor dort zwar das Kopf-an-Kopf-Rennen, erhielt aber in Oregon die meisten Stimmen. Die 55 Delegierten, die es in Kentucky zu holen gab, werden zwischen beiden Kandidaten aufgeteilt. Clinton fehlen damit nur noch wenige Stimmen, um die für die Nominierung zur offiziellen Präsidentschaftskandidatin nötigen 2.383 Delegierten zu erreichen. Sanders konnte in den vergangenen Wochen mehrere Vorwahlsiege erzielen, zuletzt in West Virginia. Um Clinton einzuholen, müsste er allerdings 67 Prozent aller noch ausstehenden Delegierten für sich gewinnen. Eine Chance, diesem Ziel näher zu kommen, böte sich besonders am 7. Juni in Kalifornien. Im bevölkerungsreichsten Bundesstaat der USA werden insgesamt 546 demokratische Delegiertenstimmen vergeben.

Donald Trump hatte bei der Vorwahl der Republikaner in Oregon keinen Gegenkandidaten mehr. Nach seinem deutlichem Sieg bei den Vorwahlen in Indiana am 3. Mai beendete zuerst Ted Cruz und wenig später auch John Kasich seinen Wahlkampf. Trump ist somit der einzige verbleibende Anwärter auf die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner. Die Nominierung ist ihm deshalb zwar sicher, formell muss sie aber noch auf dem Parteitag der Republikaner bestätigt werden.


Rückzug nach den ersten Vorwahlen

Über die Vorwahlen werden in den USA Staat für Staat die Delegierten bestimmt, die anschließend den Präsidentschaftskandidaten ihrer Partei wählen. Sie beginnen traditionell mit einem Caucus in Iowa, gefolgt von einer Primary in New Hampshire. Während die Delegierten bei Primaries mit geheimen Wahlen auf Staatsebene direkt bestimmt werden, findet ein Caucus auf kommunaler Ebene statt. Die Vorwahlen finden immer zwischen Jahresbeginn und Juni des Wahljahres statt. Iowa und New Hampshire kommt dabei stets eine besondere Bedeutung zu: Die Ergebnisse der ersten beiden Staaten gelten als einflussreiches Stimmungsbarometer der Wähler und somit als mögliches Sprungbrett für Präsidentschaftsbewerber.

So zogen auch dieses Jahr einige Bewerber bereits nach den ersten Vorwahlen ihre Kandidatur zurück, darunter die Republikaner Rand Paul, Senator aus Kentucky, der ehemalige Senator von Pennsylvania, Rick Santorum, Chris Christie, Gouverneur von New Jersey, und Carly Fiorina, die einzige weibliche Bewerberin der Partei. Nach den Vorwahlen in South Carolina erklärte außerdem Jeb Bush, der Bruder von George W. Bush und früherer Gouverneur von Florida, seinen Rückzug aus dem Präsidentschaftsrennen der Republikaner. Ihm folgte Ben Carson, der nach dem Super Tuesday seinen Ausstieg bekannt gab sowie Ted Cruz und John Kasich, die sich nach den Vorwahlergebnissen von Indiana zurückzogen. Bei den Demokraten gab Martin O'Malley, der frühere Gouverneur von Maryland, seinen Rückzug bekannt. Somit ist Donald Trump (noch inoffizieller) Präsidentschaftskandidat der Republikaner. Für die Demokraten sind weiterhin Hillary Clinton und Bernie Sanders im Rennen.

Polarisieren im Wahlkampf

70.000 Unterstützer von Bernie Sanders gaben in einer Umfrage an, unter keinen Umständen für Hillary Clinton zu stimmen. "Bernie oder gar nicht" heißt es im sogenannten Bernie-or-Bust-Eid. Sollte Sanders nicht als Präsidentschaftskandidat für die Demokraten kandidieren, wollen sie für Jill Stein stimmen, die nahezu unbekannte Kandidatin der grünen Partei. Real Clear Politics zufolge liegt Clinton in den landesweiten Umfragen aktuell mit 50,3 Prozent der Stimmen der Demokraten vor Bernie Sanders mit 44,5 Prozent.

Den demokratischen Kandidaten ging es beim landesweiten Wahlkampf lange vor allem darum, sich vom aggressiven Verhalten der Republikaner zu distanzieren. Inzwischen liefern jedoch auch sie sich scharfe Wortgefechte. Sanders bezeichnete Clinton auf einer Wahlkampfveranstaltung in Pennsylvania als "nicht qualifiziert". Damit kritisierte er ihre Aussage, niemand habe so viel Erfahrung wie sie.

Bei den Republikanern polarisiert Präsidentschaftskandidat Donald Trump mit populistischen Äußerungen. Er hatte sich nach den Anschlägen in Paris mehrfach rechtspopulistisch gegenüber den Einwanderern in den USA geäußert. Zudem verteidigt er weiterhin seine Forderung nach einem Einreiseverbot für Muslime. Nach dem Ausstieg seiner letzten parteiinternen Konkurrenten, liegen Trumps Umfragewerte bei 46,5 Prozent der Stimmen. Die Vorwahlen enden für die Republikaner am 7. Juni. Sechs Staaten wählen an diesem Tag ihren Präsidentschaftskandidaten. Für die Demokraten enden die Vorwahlen eine Woche später in Washington D.C. Am 26. September stellen sich die beiden gewählten Präsidentschaftskandidaten dem ersten TV-Duell. Der offizielle Wahltag, an dem die US-Bürger für ihre Wahlmänner und Wahlfrauen stimmen, ist der 8. November. Sie wählen anschließend den neuen US-Präsidenten.