Interview: Bodo Ramelow "Eine Stimme mehr reicht mir nicht"

Thüringens Linken-Spitzenkandidat Bodo Ramelow umwirbt die Grünen – und kritisiert die eigene Partei.

Frage: Herr Ramelow, wollen Sie in Thüringen um jeden Preis regieren?

Bodo Ramelow: Es geht nicht um Regieren als Selbstzweck, sondern um einen Politikwechsel. Mehr Politik und mehr Demokratie zu wagen, sind für mich genügend Gründe, in eine Regierung mit SPD und Grünen einzutreten. In Thüringen bietet sich jetzt die Chance, die sollten wir auch nutzen.

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Frage: Warum geht die Linke ohne Vorbedingungen in Gespräche, obwohl sie stärkster Partner in so einem Bündnis wäre?

Ramelow: Das Ausloten für den Politikwechsel ist uns wichtiger als Personaldebatten. Das hat unser Landesvorstand einhellig entschieden. Ich übersetze die Prozentzahlen bei den Landtagswahlen nicht automatisch in Personalvorschläge. Wir müssen erst einmal über politische Inhalte reden.

Frage: Sind Sie bereit, auf das Amt des Ministerpräsidenten zu verzichten?

Ramelow: Es wäre anmaßend, wenn ich den Verzicht auf ein Amt erkläre, das ich nicht innehabe. Ich will, dass Rot-Rot-Grün gelingt. An uns wird es nicht scheitern. Im Gegenteil.

Frage: In der Bundespartei sieht man Ihre Kompromissbereitschaft mit Skepsis. Dort heißt es, die Linke würde sich zur Partei zweiter Klasse degradieren, wenn sie nicht den Ministerpräsidenten stellen will.

Ramelow: Ich bin der Wahlsieger. Mit 27,4 Prozent hat die Linke ein hervorragendes Ergebnis erzielt, ich habe in Erfurt mein Direktmandat gewonnen. Aber wir haben nicht die absolute Mehrheit. Die Linke muss aufpassen, dass sie durch ihre Größe SPD und Grüne nicht herabsetzt oder befehligt. Ich meine es ernst, dass es mir um gleiche Augenhöhe geht. Nur wenn die drei Parteien gleichberechtigt sind, können wir den Aufbruch in einen Politikwechsel hinbekommen. Für die Bundespartei wäre es außerdem von Vorteil, wenn wir in Thüringen regieren.

Leser-Kommentare
  1. 1. gut

    ein sehr ausgewogenes statement von Ramelow. Gefällt mir irgendwie obwohl ich sonst nicht zum linken Klientel zähle.
    Der Mann sollte seine Chance erhalten in Thüringen eine Regierung zu bilden. Wenn einer bei der Linken dann hat er das Format dazu. Auf kurz oder lang wird es eh so kommen. Warum nicht gleich.

  2. ... dass die Fragen diesmal nicht das Wort "Lafontaine" enthalten haben. Ich hatte schon erwartet, dass nun wieder Ramelow gegen die Berliner Parteiführung ausgespielt werden soll.

    Insgesamt scheint es ihm um die Sache zu gehen. Oder aber er hat solche Angst vorm Zerbrechen seiner eigenen Fraktion, wenns ans politisch Eingemachte geht, dass er dringend auf die Grünen oft. Oder er hat gar nicht genügend gute Leute, um Ministerien zu besetzen ...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ich denke auch, dass es für sein politisches Gespür spricht, eine möglichst Große Koalition zu bilden. Es liegt auf der Hand, dass eine solche Koalition nicht ohne Schwierigkeiten ablaufen wird. Insofern ist ein großes Polster sicher vernünftig. Ebenfalls mit Rücksicht auf die naturgemäß geringe Regierungserfahrung der Linken. Des Weiteren ist es die realistischste Option für den Bund und ebenso wie rot-grün in Hessen und Niedersachsen braucht es einen erfolgreichen Test um Vertrauen zu bilden.

    ich denke auch, dass es für sein politisches Gespür spricht, eine möglichst Große Koalition zu bilden. Es liegt auf der Hand, dass eine solche Koalition nicht ohne Schwierigkeiten ablaufen wird. Insofern ist ein großes Polster sicher vernünftig. Ebenfalls mit Rücksicht auf die naturgemäß geringe Regierungserfahrung der Linken. Des Weiteren ist es die realistischste Option für den Bund und ebenso wie rot-grün in Hessen und Niedersachsen braucht es einen erfolgreichen Test um Vertrauen zu bilden.

  3. ich denke auch, dass es für sein politisches Gespür spricht, eine möglichst Große Koalition zu bilden. Es liegt auf der Hand, dass eine solche Koalition nicht ohne Schwierigkeiten ablaufen wird. Insofern ist ein großes Polster sicher vernünftig. Ebenfalls mit Rücksicht auf die naturgemäß geringe Regierungserfahrung der Linken. Des Weiteren ist es die realistischste Option für den Bund und ebenso wie rot-grün in Hessen und Niedersachsen braucht es einen erfolgreichen Test um Vertrauen zu bilden.

    Antwort auf "Erstaunlich ..."
    • useuro
    • 15.09.2009 um 0:33 Uhr

    Ich weiß nicht, ob die SPD es nötig hat, den Freier einer sich prostituierenden Linken darzustellen, die sich, ach, so bescheiden gibt: Wozu Ministerpräsident werden? Hauptsache, man hat erst mal den Fuß in der Tür! Ramelow würde seine eigene Großmutter verkaufen, um in der Ex-DDR im 21. Jahrhundert wenigstens einmal Vize-Ministerpräsident eines Bundeslandes werden zu dürfen. Was heißt das für die sogenannte Linke? Arschbacken zusammenkneifen und kleine Brötchen backen! Wenn man erst einmal in der Regierung ist, tut's nicht mehr weh. Au, Backe!

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