Jubiläum

Sechs Jahrzehnte Kanzler-Republik

Konrad Adenauer, CDU Parteitag, Bonn 1966  |  © Konrad Rufus Müller

Konrad Adenauer (1949 - 1963)

Es begann am 15. September 1949 mit einer Unverfrorenheit: Adenauer tat das, was jedem redlichen Klassensprecher peinlich ist: Er wählte sich selbst. Und das war bitter nötig: Von den 402 Abgeordneten stimmten – mit ihm – 202 für Adenauer. Ohne seine eigene Stimme wäre der damals 73-Jährige nicht Kanzler geworden.

Bis kurz vor seiner Wahl zum ersten deutschen Kanzler hatte er die Wackelkandidaten bearbeitet. Und davon gab es einige. Seine Koalition bestand aus vier Parteien. Vor allem bei FDP und DP gab es Abgeordnete, die mit dem Alten aus Rhöndorf so ihre Probleme hatten. Der erste Kanzler war keiner, der schmeichelte, um sich Mehrheiten zu sichern, sondern ein mit allen Wassern gewaschener Machtpolitiker, der durchaus Druck auf seine Mitstreiter ausübte.

Dennoch begründete Adenauer mit seiner äußerst knappen Mehrheit eine erfolgreiche Kanzlerschaft. Bis heute gilt er als einer der "größten Deutschen", wie das ZDF jüngst ermittelte. Und Adenauers auf Druck basierende Wahl war die Geburtsstunde für eine Regierungsform, die bis heute von einer breiten Mehrheit akzeptiert wird.

Leser-Kommentare
  1. Die Aussage "Als Professor hatte er sich Reputation außerhalb des sich gerade konstituierenden Politikbetriebes erworben" sollte relativiert werden. Erhard leitete ein privates Wirtschaftsforschungsinstitut; die Würde des Professors erhielt er erst 1947, da war er schon längst Politiker (nämlich 1945 in die Bayerische Staatsregierung berufen, wo er 1946 wieder gehen musste). Zitat: "Jetzt bemühte er sich um eine Erneuerung des Lehrauftrags, während die Staatswissenschaftliche Fakultät im Februar 1947 um seine Ernennung zum Honorarprofessor nachsuchte - nicht wegen seiner wissenschaftlichen Verdienste, sondern weil er über 'ungewöhnliche praktische Erfahrungen auf allen Gebieten der bayerischen Wirtschaft' verfüge." (Görtemaker: Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, S. 145).
    Das Konzept der Sozialen Marktwirtschaft stammt auch von anderen. Wenn man mal schaut, was Erhard selber geschrieben hat, ist das nicht viel. Er war eher der große Verkünder und mutige Vollstrecker einer Idee. Manchmal hat man ihn einfach nicht verstanden. Das hat wohl imponiert.
    Ein interessanter, eigenständiger Kopf.

  2. Willy Brandt hatte (zu) viele Nachfolger im "schoensten Amt nach dem Papst" (Franz Muentefering ueber den SPD-Vorsitz) - genau gesagt 8, ohne Muente doppelt und 1993-kommissarische Zeit von Johannes Rau. Aber Helmut Schmidt war keiner von Ihnen. Bekanntlich hat er das spaeter als politischen Fehler gewertet, und riet Gerhard Schroeder, dem Weglaufer Lafontaine nachzufolgen (hat ihm aber politisch auch nicht viel gebracht).
    Dabei kommt mir die Frage in den Sinn: Haette Muente das Papst-Amt wohl auch einfach so hingeschmissen (das ist nach Willy Brandt auch so eine schlechte Angewohnheit geworden) - und ist schon mal ein Papst wiedergewaehlt worden. DAS waere doch mal was ;-)

    • Sonate
    • 16.09.2009 um 13:37 Uhr

    Adenauer war ein Mann ohne Gewissen, ohne Bildung, eiskalt, wenn es um Machterhalt ging, dem Vatican hörig, ihm war die deutsche Einheit kein Pfifferling weg, er hätte am liebsten aus dem Rheinland einen eigenen Staat gemacht. Die andere Rheinseite war für ihn sozialistisches Land, Berlin hat er nie gemocht,und auf dieser Welle schwimmt auch Merkel, . Der einzige ehrliche CDU Kanzler war Erhardt, und an dessen Demontage hatte Adanauer großen Anteil.

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    • lpzig
    • 16.10.2009 um 18:12 Uhr

    Deshalb war Adenauer ein ausgezeichnet guter Kanzler (im Vergleich mit Ihrem Schroeder oder Brandt, aber auch Kiesinger usw).

    • lpzig
    • 16.10.2009 um 18:12 Uhr

    Deshalb war Adenauer ein ausgezeichnet guter Kanzler (im Vergleich mit Ihrem Schroeder oder Brandt, aber auch Kiesinger usw).

    • lpzig
    • 16.10.2009 um 18:12 Uhr

    Deshalb war Adenauer ein ausgezeichnet guter Kanzler (im Vergleich mit Ihrem Schroeder oder Brandt, aber auch Kiesinger usw).

    Antwort auf "Ohne Gewissen."
  3. Kleine Korrektur im Artikel über H. G. Kiesinger:

    Sein Minister für Wirtschaft und Finanzen wurden Plisch (nicht Plitsch) und Plum genannt, nach der gleichnamigen Bildergeschichte von Wilhelm Busch, in der Plisch und Plum, zwei junge Hunde, allerlei Streiche miteinander begehen, vor allem aber gut "miteinander können".

    Ein dazu passende Karikatur ist auch im Haus der Geschichte in Bonn zu sehen, siehe:
    http://www.hdg.de/lemo/ob...

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