FDP Liberale im Glücksrausch
Guido Westerwelle wird von seinen Anhängern triumphal gefeiert. Die Basis diskutiert über Ministerposten. Doch der Parteichef schweigt sich aus - und gibt sich demütig.
© Andreas Gebert dpa/lby

Jubel bei der FDP: Nach elf Jahren kehren die Liberalen an den Kabinettstisch zurück
"So sehen Sieger aus! Schalalala. So sehen Sieger aus! Schalalala." Dutzende Kehlen schmettern das Lied, immer wieder. Es klingt wie im Fußballstadion, mit einem Unterschied: Die Gröhler tragen Anzug und Krawatte, die Damen: Kostüm und Seidenschal. Eine gießt vor lauter Begeisterung den Inhalt ihres Sektglases über ihren Begleiter.
Der Grund für den Freudenrausch ist Guido Westerwelle. Er hat soeben die Bühne der FDP-Wahlparty betreten. Er ist nicht alleine. Neben ihn stehen seine Stellvertreter, sein Generalsekretär und viele andere Funktionsträger. Im Pulk haben sie sich den Weg zur Bühne gebahnt. Aber der Jubel gilt vor allem ihm: "Guido! Guido! Guido!"
Westerwelle genießt und dämpft den Applaus gleichzeitig. Er winkt strahlend von der Bühne, aber er verkneift sich Triumphgesten. Stattdessen bedankt er sich bei den Wählern, den Mitarbeitern, den Wahlkämpfern und betont, man habe den heutigen Erfolg gemeinsam errungen. Er weiß, was nun, nach elf Jahren Opposition, auf ihn und seine Partei zukommt: "Verantwortung". Mindestens viermal gebraucht er dieses Wort in seiner Ansprache; sogar zweimal in einem Satz: Er werde "verantwortungsvoll umgehen, mit der Verantwortung", die man heute vom Wähler übertragen bekommen hat.
Westerwelle hat lange auf diesen Tag gewartet. Jetzt will er sich nicht zu unüberlegten Forderungen hinreißen lassen. Ein historischer Satz kommt ihm an diesem für ihn so historischen Tag nicht über die Lippen. Dreierlei deutet er an, worauf er in der künftigen Regierung pochen werde: Ein "faires Steuersystem", "bessere Bildungschancen" und eine Stärkung der "Bürgerrechte". Konkreter wird er nicht. Nach vier Minuten ist seine Ansprache vorbei. "Wer einen Sieg feiern kann, kann sich kurz fassen."
Frank-Walter Steinmeier hat eben versucht, das schlechteste Ergebnis der SPD in der Nachkriegsgeschichte zu begründen. Westerwelle, der das beste Ergebnis seiner Partei seit 1949 erreicht hat, sagt dazu: "Wer Verluste verkraften muss, muss diese länger erklären." Fühlt er mit Steinmeier, dessen Außenministeramt er vermutlich demnächst übernehmen wird?
Steinmeiers langer Monolog ist Schuld daran, dass Westerwelle erst so spät vor seine Anhänger getreten ist. Die Grünen-Führung hat schon eine schlappe Stunde vor ihm gesprochen. Der Hintergrund: Die künftigen Regierungsparteien wollten warten, bis die SPD ihre Niederlage eingestanden hat. Und Westerwelle, der designierte künftige Chefdiplomat, ließ seiner künftigen Regierungschefin den Vortritt.
Fast anderthalb Stunden hat die FDP-Basis also zuvor allein gefeiert, während die Präsidiumsmitglieder im Separee Sprachregelungen abstimmten und mit der Union konferierten. Genug Zeit, um, ohne die Chefs, schon mal ein bisschen vor der künftigen Macht zu träumen. Vom Jubel über die erste Hochrechnung bis zur lautstarken Debatte einiger Anhänger, ob man nun vier oder fünf Minister in der künftigen Regierung fordern könne, dauerte es nicht einmal 90 Minuten.
- Datum 28.09.2009 - 10:08 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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... mit Westerwelle als Aussenminister. Es geht
im Westen leichter.
...ihr seit im erheblichen Maße dafür gewählt worden, den sicherheits- und präventionspolitischen Amoklauf der CDU zu bremsen.
Die Piraten haben 2.0% bekommen, es könnte nächstesmal eine Alternative zu euch geben, wenn ihr den Bürgerrechten nicht kraftvoll auf die Beine helft.
Erinnerte sich eigentlich niemand mehr ans Guidomobil und das Projekt 18?
Wie kann bloß irgendwer Guido Westerwelle 'Verantwortung' zutrauen?
Der ist mir jetzt schon als Außenminister peinlich.
Den Bürgerrechten wird die FDP wohl kaum auf die Beine helfen oder habe ich ein Wahlversprechen z.B. zur Rücknahme der Vorratsdatenspeicherung verpaßt?
Es folgen vier Jahre hemmungslose Selbstbedienung auf Kosten der Zukunft, auf Kosten derjenigen, die nicht nach Guido W.s Definition zu den "Leistungswilligen" gehören. Die FDP wird ihren Finanziers etwas bieten für's Geld.
Das Schlimmste daran wird der Unfrieden im Land. In Hamburg und Berlin werden bereits regelmäßig Autos angezündet, und das ist nur der Anfang.
die gelbe Gefahr, und sie machte nicht mal den Umweg über Fernost!
Ich bitte doch darum, daß sich die Schwarzmaler und FDP verteufler mal daran erinnern, wer uns die Sache mit den Finanzinvesoren (vulgo Heuschrecken) eingebrockt hat! Das war der rote Gerd zusammen mit dem grünen Fischerlein, der 1999 den Verkauf von Firmenanteilen STEUERFREI gestellt hat. Es ist nichts dagegen zu sagen, wenn man nach einer Wahl versucht damit umzugehen, daß man die Macht verloren hat! Es gibt mir als bekennendem FDP-Mitglied, Wähler und Stadtrat aber zu denken, wenn wir für die Fehler anderer (vor allem Rot-Grün) immer wieder herhalten müssen. Die FDP war 11 Jahre nicht an der (bundespolitischen-) Macht!!! Und in den Ländern mit FDP-Beteiligung sehen die Haushalte besser aus, sind die Bildungseinrichtungen besser und erfolgreicher als insbesondere in Rot-Rot regierten Ländern.
Darüberhinaus ist die Diskussion um das Atommüllendlager genauso scheinheilig, da weder unter Trittin (Mr.Dosenpfand) noch unter Gabriel eine Lösung auch nur VERSUCHT wurde. So kann man leicht polemisieren.
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