Die Grünen Endlich ein klares Feindbild

Die Grünen haben das beste Ergebnis der Parteigeschichte erzielt. Doch für eine Regierungsbeteiligung reicht es nicht. Die Spitzenkandidaten treiben den Wahlkampf weiter.

Jubelgesänge und Molltöne klingen bei den Grünen an diesem Wahlabend durcheinander. Zwar hat die Partei 2,4 Prozentpunkte hinzugewonnen; die 10,5 Prozent dieses Sonntags sind das beste Ergebnis bei einer Bundestagswahl in der Parteigeschichte. Doch Politik gestalten kann die Partei weiterhin nur eingeschränkt.

Von einem weinenden Auge spricht die Parteivorsitzende Claudia Roth, weil es mit der Regierungsbeteiligung wieder nicht geklappt hat: „Wir haben nicht geschafft, Schwarz-Gelb zu verhindern, das ist bitter.“ Ihr Partner an der Parteispitze, Cem Özdemir, spricht von vier harten Jahren, die vor den Grünen liegen.

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Das schlechte Ergebnis der SPD hat den Grünen die Feierlaune verhagelt. Zwar freuen sich die Anhänger über ein zweistelliges Ergebnis im Bund, das beste Abschneiden bei Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und den Einzug in den Landtag von Brandenburg. Dennoch hatten viele gehofft, Schwarz-Gelb verhindern zu können.

Der lauteste Beifall während der Wahlparty ist in der ehemaligen Gleishalle im Berliner Postbahnhof zu hören, als die erste Umfrage um kurz nach 18 Uhr über die Leinwände flattert: Die CDU liegt unter 35 Prozent. Doch die triumphierenden Schreie ersticken abrupt, als das Ergebnis der Sozialdemokraten zu sehen ist. Schweigen beim Wahltriumph der FDP, Schweigen beim zweistelligen Ergebnis der Linkspartei. Beim eigenen Ergebnis dann ratloser Applaus. Wieder sind die Grünen die kleinste Fraktion im Reichstagsgebäude. 

Trotzig kündigen die Führenden der Partei an, dass der Wahlkampf weiter geht. „Wir werden dafür kämpfen, dass es keine Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke gibt“, sagte Spitzenkandidat Jürgen Trittin: „Ab heute geht es gegen Schwarz-Gelb, gegen die Radioaktiven. Wir werden die vor uns her treiben.“

„Wir haben 25 Prozent Zuwachs, da sage niemand, das sei kein Erfolg“, sagt die Parteivorsitzende Claudia Roth. Sie meint die Verbesserung bei der Sitzverteilung im Bundestag. „Wir haben nichts geschenkt bekommen, wir waren kein Anhängsel“, ruft sie dann in die Gleishalle des Postbahnhofs hinein. „Wir haben nie gesagt, Opposition ist Mist. Diese Opposition wird knallgrün!“

Die Anhänger klatschen kräftig, aber richtige Partystimmung kommt einfach nicht auf. Der größte Jubel erschallt, als die Ergebnisse aus Brandenburg kommen: Grölender Beifall, als deutlich wird, dass die DVU nicht wieder in den Landtag kommt – die Grünen aber die Fünf-Prozent-Hürde übersprungen haben.

„Vom ersten Tag beginnt der Wahlkampf für die Bundestagswahl 2013“, verspricht der Bundesvorsitzende Cem Özdemir. „Wir haben zugelegt, aber das reicht uns nicht. Wir müssen wir in die Exekutive.“ Özdemir kündigt an, dass die Grünen breite gesellschaftliche Bündnisse schmieden wollen: Mit Studenten gegen die Studiengebühren, mit der Anti-Atom-Bewegung gegen die Laufzeitverlängerungen, mit den Bauern für bessere Bedingungen.

Leser-Kommentare
  1. Knallgrüne Opposition bei grad mal 20% Stimmanteil an der Opposition? Merkwürdige Farbenlehre.

  2. Die Grünen sind die überflüssigste Partei Deutschlands. Sie sind nicht mehr als eine Marginalie der deutschen Parteiengeschichte. Diesmal haben sie noch vom Niedergang der SPD profitiert, aber welcher ernstzunehmende Wähler wollte wirklich sogenannte Politiker wie Claudia Roth in Regierungsverantwortung??? Also: Lebt wohl, Grüne.

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    • Laird
    • 28.09.2009 um 0:29 Uhr

    Seit den 80ern hört man immer wieder solche Stimmen: Grün ist überflüssig, eine Marginalie, eine vorübergehende Erscheinung.

    Zugegeben: Ohne Frau Roth gewänne die Partei schlagartig an Attraktivität. Aber von Personalien abgesehen: Welche Partei vertritt denn aktuell die Bürgerrechte - nicht nur gegen staatliche Eingriffe, sondern auch gegen die immer dreister werdenden Angriffe aus Wirtschaft und Finanzen? Welche Partei setzt sich für einen nachhaltigen und sozial verträglichen Umbau der Gesellschaft ein?

    In den Uni-Städten dieses Landes, in denen die Bildungseliten dieses Landes heranwachsen, überflügeln die Grünen auch in dieser Wahl die hohlschwätzenden Eigennutz-Wähler der FDP und begegnen der CDU in der Stimmauszählung auf Augenhöhe.

    Denken Sie mal darüber nach, warum das wohl so ist.

    ...die Grünen waren eine sehr wichtige Partei. Sie haben vollkommen richtig erkannt, das Raubbau an der Natur, fossile Brennstoffe und gedankenlose Atomenergie letztlich nicht zielführend sind. Insofern waren sie immer die besseren Konservativen.

    Es ist der ihrem linken Erbe inhärente Dirigismus und ihr Hang zum Sektierertum, der ihnen den Aufstieg zur Mittelpartei verstellt.

    nach wie vor die FDP. Begründet habe ich es - vor langer Zeit in meinem Blog. Diesmal kein Verweis.

    IHK-Zwangsmitgliedschaft heute noch.
    CMA-Zwangsmitgliedschaft abgeschafft. Das war ein einzelner Kläger, der absolut nix mit der FDP zu tun hat.

    Das kann ich weiter fortsetzen.

    • Laird
    • 28.09.2009 um 0:29 Uhr

    Seit den 80ern hört man immer wieder solche Stimmen: Grün ist überflüssig, eine Marginalie, eine vorübergehende Erscheinung.

    Zugegeben: Ohne Frau Roth gewänne die Partei schlagartig an Attraktivität. Aber von Personalien abgesehen: Welche Partei vertritt denn aktuell die Bürgerrechte - nicht nur gegen staatliche Eingriffe, sondern auch gegen die immer dreister werdenden Angriffe aus Wirtschaft und Finanzen? Welche Partei setzt sich für einen nachhaltigen und sozial verträglichen Umbau der Gesellschaft ein?

    In den Uni-Städten dieses Landes, in denen die Bildungseliten dieses Landes heranwachsen, überflügeln die Grünen auch in dieser Wahl die hohlschwätzenden Eigennutz-Wähler der FDP und begegnen der CDU in der Stimmauszählung auf Augenhöhe.

    Denken Sie mal darüber nach, warum das wohl so ist.

    ...die Grünen waren eine sehr wichtige Partei. Sie haben vollkommen richtig erkannt, das Raubbau an der Natur, fossile Brennstoffe und gedankenlose Atomenergie letztlich nicht zielführend sind. Insofern waren sie immer die besseren Konservativen.

    Es ist der ihrem linken Erbe inhärente Dirigismus und ihr Hang zum Sektierertum, der ihnen den Aufstieg zur Mittelpartei verstellt.

    nach wie vor die FDP. Begründet habe ich es - vor langer Zeit in meinem Blog. Diesmal kein Verweis.

    IHK-Zwangsmitgliedschaft heute noch.
    CMA-Zwangsmitgliedschaft abgeschafft. Das war ein einzelner Kläger, der absolut nix mit der FDP zu tun hat.

    Das kann ich weiter fortsetzen.

    • PJN
    • 27.09.2009 um 22:45 Uhr

    die Grünen haben jetzt die Chance die Mitte zwischen SPD&Linken sowie der Regierung einzunehmen. Zudem sollten sie sich auch personell in Teilen neu aufstellen. Wenn sie das tun, gehen sie gestärkt aus der Opposition hervor. Ich sage nur: anreizgeleitete ökologisch verträgliche Zukunftspolitik!

    • Laird
    • 28.09.2009 um 0:29 Uhr

    Seit den 80ern hört man immer wieder solche Stimmen: Grün ist überflüssig, eine Marginalie, eine vorübergehende Erscheinung.

    Zugegeben: Ohne Frau Roth gewänne die Partei schlagartig an Attraktivität. Aber von Personalien abgesehen: Welche Partei vertritt denn aktuell die Bürgerrechte - nicht nur gegen staatliche Eingriffe, sondern auch gegen die immer dreister werdenden Angriffe aus Wirtschaft und Finanzen? Welche Partei setzt sich für einen nachhaltigen und sozial verträglichen Umbau der Gesellschaft ein?

    In den Uni-Städten dieses Landes, in denen die Bildungseliten dieses Landes heranwachsen, überflügeln die Grünen auch in dieser Wahl die hohlschwätzenden Eigennutz-Wähler der FDP und begegnen der CDU in der Stimmauszählung auf Augenhöhe.

    Denken Sie mal darüber nach, warum das wohl so ist.

    Antwort auf "Marginalie"
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    • mrate
    • 28.09.2009 um 10:19 Uhr

    die Studenten dann Karriere gemacht haben, bzw. in "Lohn und Brot" sind, kommt der Verstand und Wahlergebnisse wie das gestrige. Es ist eben nicht so, dass sich das Wahlverhalten der Studenten von heute nahtlos auf morgen überträgt. Das war nie so und wird vermutlich auch nie so sein.

    ...klar doch.

    Wie haben die Grünen/die FDP noch beim Zensurgesetz abgestimmt ?

    Eben.

    Wie alle ab links angehaucht bis beinhart können auch die Grünen der Zensur nicht widerstehen, wenn sie ihnen ideologisch in den Kram passt.

    Wie alle ab links angehaucht bis beinhart können es auch die Grünen nicht lassen besser zu wissen was man mit dem Geld der Bürger anfangen kann als der Bürger selbst.

    • mrate
    • 28.09.2009 um 10:19 Uhr

    die Studenten dann Karriere gemacht haben, bzw. in "Lohn und Brot" sind, kommt der Verstand und Wahlergebnisse wie das gestrige. Es ist eben nicht so, dass sich das Wahlverhalten der Studenten von heute nahtlos auf morgen überträgt. Das war nie so und wird vermutlich auch nie so sein.

    ...klar doch.

    Wie haben die Grünen/die FDP noch beim Zensurgesetz abgestimmt ?

    Eben.

    Wie alle ab links angehaucht bis beinhart können auch die Grünen der Zensur nicht widerstehen, wenn sie ihnen ideologisch in den Kram passt.

    Wie alle ab links angehaucht bis beinhart können es auch die Grünen nicht lassen besser zu wissen was man mit dem Geld der Bürger anfangen kann als der Bürger selbst.

  3. Ein Glück, dass wenigstens das mit seinem Direktmandat nicht geklappt hat.

    • mrate
    • 28.09.2009 um 10:19 Uhr

    die Studenten dann Karriere gemacht haben, bzw. in "Lohn und Brot" sind, kommt der Verstand und Wahlergebnisse wie das gestrige. Es ist eben nicht so, dass sich das Wahlverhalten der Studenten von heute nahtlos auf morgen überträgt. Das war nie so und wird vermutlich auch nie so sein.

  4. Die Grünen werden mit Sicherheit das Wort Opposition schneller ausfüllen als die SPD es buchstabieren lernt. Was ihnen bei kommenden Wahlen Stimmen verschaffen wird, da sie an Profil weiter gewinnen. Was mitnichten nur für junge Wähler von Interesse ist, die Grünen sind ja nun mit der Zeit, verglichen mit den 80ern, enorm bürgerlich geworden. Eine Partei, die seit Ende der 70er, also 30 Jahre existiert, kann wohl kaum als Marginalie bezeichnet werden.

    Über Claudia Roth sind wir alle aber vermutlich einer Meinung...

  5. ...die Grünen waren eine sehr wichtige Partei. Sie haben vollkommen richtig erkannt, das Raubbau an der Natur, fossile Brennstoffe und gedankenlose Atomenergie letztlich nicht zielführend sind. Insofern waren sie immer die besseren Konservativen.

    Es ist der ihrem linken Erbe inhärente Dirigismus und ihr Hang zum Sektierertum, der ihnen den Aufstieg zur Mittelpartei verstellt.

    Antwort auf "Marginalie"

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