Bundestagswahl 2009 Und jetzt wieder Politik

An diesem Debakel wird die SPD noch lang zu knabbern haben - am Ende wird sie wohl zu Rot-Rot-Grün finden. Doch auch auf Angela Merkel kommen schwere Zeiten zu. Ein Kommentar.

Dieser 27. September ist ein guter Tag für Deutschland. Diese Erkenntnis hat rein gar nichts mit dem Ergebnis dieser Bundestagswahl zu tun. Nein, gut an diesem Tag ist, dass das Land nun wieder im Normalbetrieb regiert werden kann. Neun Monate lang beherrschte der Wahlkampf die Politik, neun Monate lang regierte in der Republik die Furcht, in diesem Superwahljahr mit acht Kommunalwahlen, der Bundespräsidenten- und Europawahl, sechs Landtagswahlen und der Bundestagswahl am Ende vom Wähler bestraft zu werden. Jetzt ist es vorbei. Es kann, es muss endlich wieder Politik mit Weitblick gemacht werden.

Oft wurde in den vergangenen Wochen beklagt, der Wahlkampf sei kaum wahrnehmbar gewesen. Das ist ein Trugschluss. Er war das ganze Jahr präsent. Die Antworten, die die Bundesregierung auf die größte Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten gefunden hat, zeigen dies in aller Deutlichkeit. Wesentliche Teile der Konjunkturpakete waren Produkte des latenten Dauerwahlkampfes. Weder hat die Abwrackprämie die chronische Überproduktion der Autohersteller, noch hat das Kurzarbeitergeld die strukturellen Defizite in Deutschlands Wirtschaft beseitigt. Sie waren Camouflage im Zeichen des Superwahljahres. Wenn in den kommenden Monaten die Überlagerungseffekte der Konjunkturpakete auslaufen, wird die Arbeitslosigkeit fast zwangsläufig steigen. Hinzu kommt ein Schuldenberg, wie ihn das Land noch nicht gesehen hat. 

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Die SPD wird damit nichts mehr zu tun haben. Sie wird nach elf Jahren Regierungsbeteiligung in die Opposition gehen müssen. Was, fragt man sich, hat diese Partei  bloß angestellt, dass die Wähler sie derart bestrafen? Die 23 Stimmenprozent, auf die die Sozialdemokraten kommen, sind das schlechteste Resultat, das die Genossen seit 1949 einfuhren. Mehr als 10 Prozent hat sie im Vergleich zur Bundestagswahl 2005 verloren, auch das ist ein trauriger Rekord.

Die Sozialdemokraten sind in einer politischen Sackgasse angekommen. Sie haben die Hartz-Reformen angestoßen, die Deutschlands Sozialsystem wenigstens vorübergehend zukunftsfest gemacht haben. Doch die Wähler goutierten es nicht. Die SPD hat in der Großen Koalition dafür gesorgt, dass sich die Union von ihren wirtschaftsliberalen Beschlüssen des Leipziger Parteitags verabschiedeten musste und weitgehend sozialdemokratische Politik machte. Allein, belohnt wurde dafür nicht die SPD. Die Ernte fuhren andere ein.

Was die SPD nun braucht, ist Regeneration. Sie muss sich inhaltlich erneuern und vor allem personell verjüngen. Das Wahlergebnis ist nicht nur eine Klatsche für den Spitzenkandidaten Frank-Walter Steinmeier. Gerade Parteichef Franz Müntefering muss sich fragen lassen, was er im Herbst seiner politischen Karriere falsch gemacht hat in diesem Wahlkampf. Denn  offensichtlich konnten die Sozialdemokraten ihre Anhängerschaft nicht mobilisieren.  Dass Müntefering am Wahlabend nicht als Parteivorsitzender zurücktrat, verwundert. Er hat die Signale womöglich noch nicht gehört.

Kritisch hinterfragt werden muss in der Partei außerdem, wie klug es war, an den alten Wahrheiten eines Vierparteiensystems festzuhalten, und Rot-Rot-Grün im Bund kategorisch auszuschließen. Die SPD hat sich damit jeglicher alternativer Machtoptionen beraubt.

Die hatte die Union mit der Option Schwarz-Gelb zweifellos. Vermutlich hat ihr das ein  größeres Debakel erspart. Denn auch Angela Merkel musste einen Dämpfer hinnehmen, wie ihn noch wenige CDU-Spitzenkandidaten erlebt haben. Die in den Hochrechnungen aufgerufenen 33,5 Stimmenprozent sind exakt das Ergebnis, mit dem Helmut Kohl 1998 abgewählt wurde. Nur 1949 gewann die Union noch weniger Stimmen.

Leser-Kommentare
    • Harzer
    • 27.09.2009 um 21:23 Uhr

    Super-GaU: Schwarz / Gelb !
    Die armen,( u.) kleinen Leute werden sich die nächsten Jahre aber sehr warm anziehen müssen.Wie wird die FDP als Mit-Krisenverursacher die jetzt kommende Krise managen ?
    Kleiner Trost: Die kleine Leute u.Arbeiter,-verräter u.-belüger und ehemaligen Schröderhelfershelfer haben einen richtigen Tritt in den Allerwertesten bekommen !
    Jetzt ist hoffendlich IN der SPD bald der Weg für eine wirkliche " Reform " frei und sie kann anfangen wieder SOZIALDEMOKRATISCH zu werden.

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    da wirds wohl nächstens Leichenberge von verhungerten Hartz-IV-Empfängern auf deutschen Strassen geben...
    Und nicht einmal die ruhmreiche Sowjet-Armee kann helfen...
    Sie tun mir echt leid ;-)

    da wirds wohl nächstens Leichenberge von verhungerten Hartz-IV-Empfängern auf deutschen Strassen geben...
    Und nicht einmal die ruhmreiche Sowjet-Armee kann helfen...
    Sie tun mir echt leid ;-)

    • rabin
    • 27.09.2009 um 21:32 Uhr

    Das Internet gibt einen guten Rahmen, Widerstand gegen Schäden durch die Oligarchie schnell und nachhaltig zu organisieren.

    Die Rechten machen es vor und hoffentlich machen viel mehr Menschen von diesem Macht-Potential Gebrauch.

  1. Es ist das eingetreten, was dringend erforderlich war. Die SPD ist vom Waehler fuer die sozialpolitsche Geisterfahrt der letzten Jahre abgestraft worden. Und nun ist eine Erneuerung und Neuorientierung in der Opposition erforderlich. Aber doch nicht etwa mit Steinmeier als Oppositionsfuehrer! Er ist ein Verantwortlicher fuer das schlechteste Wahlergebnis der SPD seit Bestehen der Bundesrepublik. Die SPD muss sich erneuern, sowohl bei den Inhalten, als auch beim Personal. Also weg mit Steinmeier/Muentefering und her mit den jungen Linken in der SPD.

  2. Frau Merkel hat Wachstum versprochen. Alle Maschinenbauer, die sich die letzten Monate schon Sorgen machten, dass die 20 % Auftragsrückgang die nächsten Jahre nicht kompensiert werden könnten, können nun beruhigt sein, Frau Merkel macht Wachstum, und Herr Westerwelle wacht darüber, dass der Profit daraus gerecht verteilt wird.

  3. da wirds wohl nächstens Leichenberge von verhungerten Hartz-IV-Empfängern auf deutschen Strassen geben...
    Und nicht einmal die ruhmreiche Sowjet-Armee kann helfen...
    Sie tun mir echt leid ;-)

    Antwort auf "1. Fazit"
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    Geschmacklos. Egal, ob Sie von Freude oder Frust über das Wahlergebnis überwältigt wurden. Nicht ironisch, kein spitzer Zynismus mehr, nur noch verfehlt.

    Aus dieser Geisteshaltung erwachsen Wahlerfolge wie der jetzt beobachtete. Immer feste mit der Handpuppe "Gespenst von Links" wedeln, dann werden alle guten Kinder brav das schwarz-gelbe Kasperle wählen.

    Nun: Ich bin gespannt, auf welche Weise die neue Regierung versuchen wird, die Entsolidarisierungs-und Reichenbeglückungspolitik einer entgleisten Sozialdemokratie noch zu übertreffen. Sie muss es ja versuchen, um ihre Kundschaft nicht zu enttäuschen.

    Und all den Kälbern, die aus Politikverdrossenheit gar nicht gewählt oder aus Dummheit "versehentlich" schwarz-gelb ermöglicht haben werden noch die Kalbsaugen herausfallen.

    Geschmacklos. Egal, ob Sie von Freude oder Frust über das Wahlergebnis überwältigt wurden. Nicht ironisch, kein spitzer Zynismus mehr, nur noch verfehlt.

    Aus dieser Geisteshaltung erwachsen Wahlerfolge wie der jetzt beobachtete. Immer feste mit der Handpuppe "Gespenst von Links" wedeln, dann werden alle guten Kinder brav das schwarz-gelbe Kasperle wählen.

    Nun: Ich bin gespannt, auf welche Weise die neue Regierung versuchen wird, die Entsolidarisierungs-und Reichenbeglückungspolitik einer entgleisten Sozialdemokratie noch zu übertreffen. Sie muss es ja versuchen, um ihre Kundschaft nicht zu enttäuschen.

    Und all den Kälbern, die aus Politikverdrossenheit gar nicht gewählt oder aus Dummheit "versehentlich" schwarz-gelb ermöglicht haben werden noch die Kalbsaugen herausfallen.

  4. Liebe CDU/FDP

    Da die meisten Buerger jezt immer weniger zu essen haben solltet ihre euch ernsthaft ueberlegen die abschliessbaren Muelltonnen zu verbieten, denn verhungernde Rentner, Kinder und Schwache gibt kein gutes Bild ab von dem reichen Land Deutschlands.
    Doch genau das ist das neue Deutschland, keine Zukunft fuer unsere KInder, Familien, Grosseltern und unser Eigentum. Nur wer politiker wird und nichts gelernt hat ausser Skrupelosigkeit, der hat Zukunft.

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