Die 51 Jahre alte Pfarrerin kann mit Härte eine Fraktion zusammenhalten, mit Hingebung als Ministerin ihre Ziele verfolgen und mit Fairness den politischen Gegner einbinden. Für Freund und Feind lässt sie sich dabei nur schwer ausrechnen. Nicht zuletzt deshalb hat sie Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) bei der Kabinettsreform im vergangenen Jahr als Sozialministerin berufen. Damit hoffte er, sie mehr in die Pflicht nehmen zu können als zuvor als Fraktionsvorsitzende. Sie stand auch loyal zu ihm - bis er jetzt den Bogen überspannte.

Die gebürtige Weimarerin war schon in ihrer Jugend aufmüpfig. Als Schülerin flog sie aus dem Internat. Ihre kritische Haltung in der DDR führte sie zum Theologiestudium. In der Umbruchzeit 1989 verfasste sie mit drei Gleichgesinnten den "Brief aus Weimar", der eine Reform der Ost-CDU forderte. Bereits 1990 wurde sie Kultusministerin und war im Kabinett maßgeblich am Sturz des damaligen Ministerpräsidenten Josef Duchac beteiligt, dessen Nachfolge dann Bernhard Vogel antrat. Seitdem wird Lieberknecht vor allem in Medien immer wieder mit dem Ruf als "Königsmörderin" konfrontiert.

Aus ihrer Lebensanschauung macht die Theologin, die mit einem Pfarrer verheiratet ist, keinen Hehl. Sie sieht sich zuerst als Christin, dann als Demokratin und erst danach als Politikerin. Dass sie in ihrem Beruf auch mal Härte zeigen muss, sieht sie nicht als Widerspruch zu ihrem christlichen Weltbild. "Auch in der Bibel gibt es mal ein Schwert und einen Wutausbruch."

Am meisten kam ihrem Naturell die Position der Landtagspräsidentin von 1999 bis 2004 entgegen. In dieser Zeit errang sie durch ihre offene und faire Art auch den Respekt der Opposition. Die Führung der Fraktion, die sie 2004 übernahm, lag ihr dagegen nicht. Aber auch in diesem Amt bemühte sie sich immer wieder, einen Ausgleich der politischen Lager zu schaffen. Als Ministerin führte sie die Konsenssuche mit Verbänden häufig an den Rand ihrer Kapazitäten. An etlichen Tagen übernachtete sie sogar im Büro.

Parteiinterne Kritiker befürchten, die CDU könnte mit Lieberknecht an der Spitze an Kontur verlieren. Sie empfinden sie als zu kompromissbereit und vermissen die notwendige Durchsetzungskraft. In ihren Zeiten als Ministerin konnte sie bislang nur wenige Akzente setzen. Aus diesem Grund wird sie auch von der Opposition angegriffen, die ansonsten jedoch große Stücke auf sie hält. Selbst Linke-Spitzenkandidat Bodo Ramelow und SPD-Chef Christoph Matschie würdigen ihre verbindliche und sachliche Art.