CSU "Wir haben ein Glaubwürdigkeitsproblem"
Die CSU hat bei der Bundestagswahl eine beispiellose Niederlage erlitten. Bezirkschef Manfred Weber spricht über vergraulte Wähler und verpasste Chancen.
ZEIT ONLINE: Herr Weber, die CSU hat fast sieben Prozentpunkte an Zweitstimmen verloren. Aber sie können nach elf Jahren endlich wieder in einer schwarz-gelben Koalition mitregieren. Überwiegt Freude oder Ärger?
Manfred Weber: Ein Stück weit von beidem. Einerseits werden wir in Berlin nun gebraucht, das war in der Großen Koalition anders. Schwarz-Gelb ist gut für die Menschen. Andererseits sind die Zahlen für einen Bayern bitter.
ZEIT ONLINE: Woran liegt es, dass die CSU so viele Stimmen an die FDP verloren hat, auch bei den Erststimmen?

Manfred Weber ist Abgeordneter im Europäischen Parlament, stellvertretender Vorsitzender der dortigen EVP-Fraktion und Bezirksvorsitzender der CSU Niederbayern.
Weber: Erstens am Wahlkampf aus Berlin, er war eine Strategie der regierenden Mitte. Bundesweit war er mit dem Ergebnis schwarz-gelb erfolgreich, doch viele Stammwähler, auch viele von unseren, hat er demobilisiert. Zweitens bescheinigen uns Umfragen ein Glaubwürdigkeitsproblem. Unser Programm haben wir nicht gut genug vermittelt. Wenn wir wieder stärker werden wollen, müssen wir uns wieder mehr von unseren Wettbewerbern abgrenzen und unsere Unions-Themen herausstellen und durchsetzen - kreativ und mit einem klaren inhaltlichen Profil.
ZEIT ONLINE: Zum Beispiel?
Weber: Etwa in der Steuerpolitik. In der Familienpolitik. Oder in der Agrarpolitik. Die Milchquote läuft in drei Jahren aus. Dagegen kämpfen wir, aber wir werden es vermutlich nicht ändern können. Dennoch können sich die Bauern auf unsere Hilfe verlassen. Wir müssen gemeinsam neue Wege in der Agrarpolitik entwickeln. Auch benötigt der Autostandort Bayern ein paar neue Ideen in Sachen Elektromobilität. In Bayern liegen nun, nach den harten Jahren 2008 und 2009, vier wahlfreie Jahre vor uns. Da müssen wir zu alter Stärke zurückfinden.
ZEIT ONLINE: Kann das klappen, oder trifft die Krise der Volksparteien auch die CSU? Seehofer sagt, er gehe von einem allgemein gesunkenen Niveau aus.
- Datum 01.10.2009 - 09:32 Uhr
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Stellvertretend sei genannt:
"Wir haben ein Glaubwürdigkeitsproblem"
Die französische Revolution hatte drei Ziele: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.
Der Begriff Freiheit (liberal) wird von der FDP pervertiert. Soweit sich ihr Wahlergebnis nicht aus Leihstimmen von CDU/CSU ergibt, wurde sie von Egoisten gewählt, die unter Freiheit verstehen, sich das zu nehmen, was sie ohne Regulierungen bekommen können, z.B. nach Abschaffung der GKV die Ärzteschaft, Pharmalobby und PKV.
Eine Gleichheit nach dem Muster einer von Lafontaine bestimmten Linkspartei wird und darf es nicht geben, aber vielleicht eine Fusion der realistisch denkenden Kräfte in SPD und bei den Linken.
Die CSU, könnte und sollte das ergänzen, was der CDU und FDP fehlen, die Brüderlichkeit (für Alice Schwarzer: Schwesterlichkeit). Im Klartext: Soziale Verantwortung, auch Nächstenliebe im christlichen Sinne. Warum nennt sie sich sonst Christlich s o z i a l e Union ?
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