Milchpreis Europas Milchbauern wollen Lieferungen stoppen

Der Dachverband der europäischen Milchbauern hat seine Mitglieder zu einem sofortigen Lieferstopp aufgefordert. Wie viele Bauern sich tatsächlich beteiligen, ist fraglich.

Sollten die Bauern ihre Drohungen wahr machen, könnten die Kannen demnächst leer bleiben

Sollten die Bauern ihre Drohungen wahr machen, könnten die Kannen demnächst leer bleiben

Mit Lieferstopps und Molkereiblockaden wollen Milchbauern in Europa eine Verdoppelung der Erzeugerpreise und die Senkung der Produktion erzwingen. Nach einer Krisensitzung des Dachverbands European Milk Board (EMB) riefen die französischen Verbände ihre Mitglieder am Donnerstag in Paris zu einem sofortigen, unbefristeten Lieferstopp auf. Bauern anderer Staaten wollen sich dem Boykott anschließen.

In Deutschland dürfen die die Bauern allerdings nicht zum flächendeckenden Lieferstopp an die Molkereien aufrufen. Das Oberlandesgericht Düsseldorf hatte am Mittwoch eine Beschwerde des Milchviehhalterverbands gegen eine Abmahnung des Bundeskartellamts für den Boykottaufruf im April 2008 zurückgewiesen. Der deutsche EMB-Präsident Romuald Schaber sagte, er werde trotzdem von jetzt an ebenfalls keine Milch mehr abliefern.

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Wie viele Bauern sich in Deutschland an dem Lieferstopp beteiligen werden, lässt der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) offen. "Das muss jeder Milchviehhalter entscheiden", sagte Sprecher Hans Foldenauer am Donnerstag. Da es laut Bundeskartellamt rechtswidrig wäre, rufe der Verband auch nicht offiziell zu einem Streik auf. 

In den vergangenen Monaten hätten aber viele Milchviehhalter eine Teilnahme an einem Lieferstopp signalisiert, wenn die französischen Milchbauern vorangingen. Rund ein Drittel - etwa 30.000 - der deutschen Milcherzeuger haben sich im BDM nach Verbandsangaben zusammengeschlossen. Der größere Verband in Deutschland ist der Bauernverband mit 380.000 Mitgliedern.

Der lehnt einen Milch-Lieferstopp jedoch ab. Es sei "völlig widersinnig, jetzt die Lage der Bauernfamilien noch durch Wegschütten und Vernichten von Milch weiter zu verschlechtern und ihnen die Einnahmen völlig zu entziehen", erklärte der größte deutsche Verband von Landwirten. Darin sei er sich einig mit den Bauernverbänden in Frankreich, Belgien, Österreich und den Niederlanden. Es sei zudem ein "unverzeihlicher Affront" gegen alle Milchbauern, dass es von der EU keine weiteren Absatzhilfen gebe.

Auch der BDM-Vorsitzende Schaber ist der Meinung, mit der EU-Agrarpolitik würden die europäischen Milchbauern vernichtet. "Wir stehen absolut mit dem Rücken zur Wand. Die Politik lässt die Bauern ins offene Messer laufen". Insgesamt sollen in acht Ländern Aktionen stattfinden. Dazu gehören die Niederlande, Belgien, Luxemburg, Österreich, Italien und das Nicht-EU-Land Schweiz. Die französischen Bauernverbände erwarten die Beteiligung von 30 000 Milchbauern an den Protesten. Das wären zwei Drittel aller Erzeuger. Neben Lieferstreiks könne es auch Blockaden von Molkereien geben.

Die niederländische EMB-Vizepräsidentin Sieta van Keimpema sagte, die europäischen Milchbauern würden nun mit allen Mitteln kämpfen. Auch sie werde die Milch ihres Hofes nicht länger ausliefern. Der Präsident des französischen Erzeugerverbandes OPL, Daniel Condat, riet den Verbrauchern, bereits Vorräte anzulegen. Der Lieferstreik werde viel Geld kosten. Wenn viele Erzeuger ihre Milch wegschütten, erwarte er, vor Ende nächster Woche von der Politik gehört zu werden.

Die Agrarminister aus Bund und Ländern treffen sich Ende der kommenden Woche zur Herbstkonferenz in Eisleben. Dabei wollen sie auch über die Milchpreise sprechen.

Neben höheren Milchpreisen fordern die Milchbauern auch die Einführung einer europäischen Monitoringstelle. Dort sollen Erzeuger, Molkereien, Verbraucherorganisationen und Politik gemeinsam die Kosten der Milcherzeugung ermitteln. Zudem plädieren die Bauern für eine europaweit allgemeinverbindliche Mengenbegrenzung. Nach EMB-Angaben deckt der derzeitige Milchpreis von 18 bis 24 Cent nur in etwa die Hälfte der Produktionskosten.

Die Molkereien in Deutschland hatten zuletzt angekündigt, dass sie nach dem monatelangem Tief wieder Chancen für höhere Milchpreise sehen. "Die Notierungen für die wichtigsten Milchprodukte haben ihre Talfahrt beendet", hieß es vom Milchindustrie-Verband. Konkrete Perspektiven wurden allerdings nicht aufgezeigt. Die Milchpreise für die Bauern würden je nach der Erlössteigerung für Handel, Export und Weiterverarbeitung wieder steigen.

 
Leser-Kommentare
  1. Endlich haben die Milchbauern gelernt, wie das mit der Marktwirtschaft funktioniert. Gibt es zu viel Milch, können die Molkereien den Preis drücken. Gibt es zu wenig Milch können die Milchbauern den Preis diktieren. Daher hätte die Quote nicht schrittweise angehoben werden dürfen, sondern von heute auf morgen aufgehoben werden müssen. Hoffentlich finden die Landwirte die rechten Weg, ohne Übertreibungen in welche Richtung auch immer.

    • Akanda
    • 11.09.2009 um 2:06 Uhr

    Alle Menschen brauchen Nahrung - jeden Tag - damit ist die Landwirtschaft der essentiellste Zweig unserer Wirtschaft.

    Die Situation im Moment ist so: die Bauern bekommen immer weniger für ihre für uns alle lebenswichtigen Produkte. Dadurch werden sie gezwungen, immer mehr zu produzieren. Das können sie nur, wenn sie hoch giftige Spritz- und Düngemittel verwenden, die bei den Konsumenten allerhand gesundheitliche Schäden hinterlassen (Krebs, Hauterkrankungen, hormonelle Störungen, etc.). In der Milchwirtschaft werden den Kühen heutzutage z.B. zur Steigerung der Laktation Wachstumshormone gespritzt, deren Wirkung (über die getrunkene Milch) auf die menschliche Physiologie keineswegs ausreichend erforscht worden ist.

    Parallel zu diesem Szenario wird/wurde der Staat gezwungen, durch Subventionen die Bauern zu inspirieren, weniger zu produzieren (Flächenstillegung, Milchvieh-Reduktion, etc.).

    Das Problem ensteht dadurch, dass die Gewinne aus der Lebensmittelproduktion nicht von den Bauern (Erzeugern) gemacht werden, sondern von den Wiederverkaufsinstanzen danach.

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    • Akanda
    • 11.09.2009 um 3:10 Uhr

    Aus dieser Situation gibt es zwei Auswege:
    a) der Staat reguliert die Gewinnverteilung zu Gunsten der Bauern - das ist schwierig, da es langfristiger Planung bedarf, die in einer 4-jährigen Legislaturperiode leicht untergeht.
    b) die Bauern fangen wieder an, ihre Produkte selbst zu vermarkten - in den letzten Jahren ist der Bio-Markt enorm gewachsen - immer mehr Bauern haben auf ihren Höfen Direktverkaufsläden eingerichtet. Dort kann man wirklich frische Produkte kaufen (der Vitamin-Anteil im Gemüse nimmt nach der Ernte exponentiell ab - schon nach 48 Stunden sind die meisten Nährstoffe schon in weniger nahrhafte Komponenten zerfallen).

    Die Neustrukturierung der die Landwirtschaft regulierenden Mechanismen, weg von der Abhängigkeit von den grossen Verkaufsmonopolen wird eventuell so schwierig und schmerzhaft sein wie der Kollaps des Bankensystems.

    Die Nahrungsversorgung eines Landes müsste meiner Meinung nach durchaus auch sicherheitspolitischen Anforderungen genügen. In dem Moment, in dem die Nahrungserzeugung bzw. - Verteilung monopolisiert ist kann es auch in der landwirtschaft bzw. Lebensmittelversorgung, ähnlich der Bankenkrise, zu unerwünschten Phänomenen kommen.

    Die Landwirtschaft steht hier im krassen Gegensatz zu den Banken, die aus Luft Geld erzeugen, das dann mit irgendwelchen für die meisten von uns schädlichen Praktiken mit materiellen Werten verbunden werden muss.

    • Akanda
    • 11.09.2009 um 3:11 Uhr

    Erfreulich ist nur, dass in der Landwirtschaft, im Gegensatz zur Finanzindustrie, wirkliche Werte geschaffen werden: der Bauer investiert ein Samenkorn in die Erde, wartet ein paar Wochen und kann dann 20 Körner ernten. Oder er füttert seinen Kühen Zellulose und erfreut sich wenige Stunden später an der Gewinnausschüttung in Form von hochwertigen Proteinen der Milch.

    Die Landwirtschaft steht hier im krassen Gegensatz zu den Banken, die aus Luft Geld erzeugen, das dann mit irgendwelchen für die meisten von uns schädlichen Praktiken mit materiellen Werten verbunden werden muss.

    Das Wachstumshormon rBST, das die Milchleistung steigern soll, ist in Europa nicht zugelassen.

    • Akanda
    • 11.09.2009 um 3:10 Uhr

    Aus dieser Situation gibt es zwei Auswege:
    a) der Staat reguliert die Gewinnverteilung zu Gunsten der Bauern - das ist schwierig, da es langfristiger Planung bedarf, die in einer 4-jährigen Legislaturperiode leicht untergeht.
    b) die Bauern fangen wieder an, ihre Produkte selbst zu vermarkten - in den letzten Jahren ist der Bio-Markt enorm gewachsen - immer mehr Bauern haben auf ihren Höfen Direktverkaufsläden eingerichtet. Dort kann man wirklich frische Produkte kaufen (der Vitamin-Anteil im Gemüse nimmt nach der Ernte exponentiell ab - schon nach 48 Stunden sind die meisten Nährstoffe schon in weniger nahrhafte Komponenten zerfallen).

    Die Neustrukturierung der die Landwirtschaft regulierenden Mechanismen, weg von der Abhängigkeit von den grossen Verkaufsmonopolen wird eventuell so schwierig und schmerzhaft sein wie der Kollaps des Bankensystems.

    Die Nahrungsversorgung eines Landes müsste meiner Meinung nach durchaus auch sicherheitspolitischen Anforderungen genügen. In dem Moment, in dem die Nahrungserzeugung bzw. - Verteilung monopolisiert ist kann es auch in der landwirtschaft bzw. Lebensmittelversorgung, ähnlich der Bankenkrise, zu unerwünschten Phänomenen kommen.

    Die Landwirtschaft steht hier im krassen Gegensatz zu den Banken, die aus Luft Geld erzeugen, das dann mit irgendwelchen für die meisten von uns schädlichen Praktiken mit materiellen Werten verbunden werden muss.

    • Akanda
    • 11.09.2009 um 3:11 Uhr

    Erfreulich ist nur, dass in der Landwirtschaft, im Gegensatz zur Finanzindustrie, wirkliche Werte geschaffen werden: der Bauer investiert ein Samenkorn in die Erde, wartet ein paar Wochen und kann dann 20 Körner ernten. Oder er füttert seinen Kühen Zellulose und erfreut sich wenige Stunden später an der Gewinnausschüttung in Form von hochwertigen Proteinen der Milch.

    Die Landwirtschaft steht hier im krassen Gegensatz zu den Banken, die aus Luft Geld erzeugen, das dann mit irgendwelchen für die meisten von uns schädlichen Praktiken mit materiellen Werten verbunden werden muss.

    Das Wachstumshormon rBST, das die Milchleistung steigern soll, ist in Europa nicht zugelassen.

    • Akanda
    • 11.09.2009 um 3:10 Uhr

    Aus dieser Situation gibt es zwei Auswege:
    a) der Staat reguliert die Gewinnverteilung zu Gunsten der Bauern - das ist schwierig, da es langfristiger Planung bedarf, die in einer 4-jährigen Legislaturperiode leicht untergeht.
    b) die Bauern fangen wieder an, ihre Produkte selbst zu vermarkten - in den letzten Jahren ist der Bio-Markt enorm gewachsen - immer mehr Bauern haben auf ihren Höfen Direktverkaufsläden eingerichtet. Dort kann man wirklich frische Produkte kaufen (der Vitamin-Anteil im Gemüse nimmt nach der Ernte exponentiell ab - schon nach 48 Stunden sind die meisten Nährstoffe schon in weniger nahrhafte Komponenten zerfallen).

    Die Neustrukturierung der die Landwirtschaft regulierenden Mechanismen, weg von der Abhängigkeit von den grossen Verkaufsmonopolen wird eventuell so schwierig und schmerzhaft sein wie der Kollaps des Bankensystems.

    Die Nahrungsversorgung eines Landes müsste meiner Meinung nach durchaus auch sicherheitspolitischen Anforderungen genügen. In dem Moment, in dem die Nahrungserzeugung bzw. - Verteilung monopolisiert ist kann es auch in der landwirtschaft bzw. Lebensmittelversorgung, ähnlich der Bankenkrise, zu unerwünschten Phänomenen kommen.

    Die Landwirtschaft steht hier im krassen Gegensatz zu den Banken, die aus Luft Geld erzeugen, das dann mit irgendwelchen für die meisten von uns schädlichen Praktiken mit materiellen Werten verbunden werden muss.

    • Akanda
    • 11.09.2009 um 3:11 Uhr

    Erfreulich ist nur, dass in der Landwirtschaft, im Gegensatz zur Finanzindustrie, wirkliche Werte geschaffen werden: der Bauer investiert ein Samenkorn in die Erde, wartet ein paar Wochen und kann dann 20 Körner ernten. Oder er füttert seinen Kühen Zellulose und erfreut sich wenige Stunden später an der Gewinnausschüttung in Form von hochwertigen Proteinen der Milch.

    Die Landwirtschaft steht hier im krassen Gegensatz zu den Banken, die aus Luft Geld erzeugen, das dann mit irgendwelchen für die meisten von uns schädlichen Praktiken mit materiellen Werten verbunden werden muss.

  2. Das Wachstumshormon rBST, das die Milchleistung steigern soll, ist in Europa nicht zugelassen.

  3. es wäre gut, wenn die das in größtmöglicher Anzahl durchziehen würden. Es geht doch nicht an, dass die Fast-Monopolisten auf dem Lebensmitteleinzelhandelsmarkt ein Produkt so kaputt machen können wie es die Aldis etc. gerade tun.

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    Der Lebensmitteleinzelhandel findet immer eine Molkerei, die ihm ihre Produkte billiger verkauft als eine andere.
    Bei Milchprodukten, die für Aldi, Lidl, Edeka usw. produziert werden, kann man auf der Verpackung lesen woher sie kommen. Die Molkereien haben Nummern. Ich habe nur die bayerischen Molkereien gefunden http://www.milchland-baye...
    Der Joghurt den eine Molkerei für einen Diskounter produziert, ist nicht der gleiche, wie der unter der eigenen Marke produzierte, da er billiger sein muss (mehr Zucker statt Frucht).

    Der Lebensmitteleinzelhandel findet immer eine Molkerei, die ihm ihre Produkte billiger verkauft als eine andere.
    Bei Milchprodukten, die für Aldi, Lidl, Edeka usw. produziert werden, kann man auf der Verpackung lesen woher sie kommen. Die Molkereien haben Nummern. Ich habe nur die bayerischen Molkereien gefunden http://www.milchland-baye...
    Der Joghurt den eine Molkerei für einen Diskounter produziert, ist nicht der gleiche, wie der unter der eigenen Marke produzierte, da er billiger sein muss (mehr Zucker statt Frucht).

  4. Der "Milchstreik" 2008 hat nichts gebracht. Es widerstrebt mir ein wertvolles Lebensmittel einfach in den Gulli laufen zu lassen. Die Molkereien mußten ihre Lieferverpflichtungen gegenüber dem Handel einhalten und haben deshalb Milch aus Österreich, Polen oder Tschechien zugekauft.
    Dem Bauerverband fällt auch nichts besseres ein als mehr Absatzhilfen zu verlangen. Das bedeutet, dass verbilligtes Milchpulver nach Afrika exportiert wird. Einige Länder haben ihre Importzölle schon erhöht, um den Import aus der EU zu verhindern.
    Die Überschüsse werden mit importierten Füttermitteln produziert. Von 2006 bis 2008 wurden jährlich durchschnittlich Sojaschrot und Sojabohnen im Wert von ca. 9 Mrd. € in die EU importiert (das haben nicht nur die Milchkühe gefressen). Das Soja kam hauptsächlich aus Brasilien und Argentinien.
    Die Verbraucher merken nichts vom um ca. 40 % gefallenen Milchpreis. Die Preise für Milchprodukte im Handel sind nur wenig gefallen.

  5. Der Lebensmitteleinzelhandel findet immer eine Molkerei, die ihm ihre Produkte billiger verkauft als eine andere.
    Bei Milchprodukten, die für Aldi, Lidl, Edeka usw. produziert werden, kann man auf der Verpackung lesen woher sie kommen. Die Molkereien haben Nummern. Ich habe nur die bayerischen Molkereien gefunden http://www.milchland-baye...
    Der Joghurt den eine Molkerei für einen Diskounter produziert, ist nicht der gleiche, wie der unter der eigenen Marke produzierte, da er billiger sein muss (mehr Zucker statt Frucht).

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