Atomenergie Guttenberg will neue Atommeiler überprüfen lassen
Der Minister lässt die Sicherheit von Reaktoren testen. Nun wird er verdächtigt, den Atomausstieg zu boykottieren. Doch auch das Umweltministerium beauftragte eine Studie
Das Wirtschaftsministerium habe einen Auftrag zur Untersuchung der Sicherheit von modernen Atommeilern vergeben, schreibt die Financial Times Deutschland. Das Projekt solle drei Jahre dauern und unmittelbar nach der Bundestagswahl am 1. Oktober beginnen. Mit der Durchführung des 1,3 Millionen Euro teuren Vorhabens wurde die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) betraut.
Durch das Projekt soll in Deutschland die Kompetenz erhalten bleiben, die Sicherheit von Anlagen im benachbarten Ausland bewerten zu können, sagte ein Ministeriumssprecher dem Blatt. Auch wenn solche Reaktoren nicht in Deutschland gebaut werden, müsste man diese trotzdem kennen und in der Lage sein, diese beurteilen zu können, erklärte ein Sprecher der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit.
Das Vorhaben stößt angesichts des geplanten Atomausstiegs auf Kritik. Grünen-Spitzenkandidatin Renate Künast sagte, die Union spiele ein falsches Spiel. Auch Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der Union vorgehalten, neue Kernkraftwerke bauen zu wollen. Das Projekt von Wirtschaftsminister Guttenberg (CSU) "belegt, dass die Union entgegen aller öffentlichen Beteuerungen auf breiter Front den Wiedereinstieg in die Atomenergie vorbereitet", sagte Gabriel. "Herr zu Guttenberg, Frau (Bundesforschungsministerin Annette) Schavan und Frau Merkel versuchen, die Öffentlichkeit zu täuschen."
Union widerspricht Verdächtigungen
Kanzlerin Merkel (CDU) verwehrte sich gegen die Vorwürfe von Grünen und SPD. Sie habe keinen Auftrag erteilt, Kernkraftwerks-Neubauten von den Ministerien sondieren zu lassen, sagte sie am Freitag vor der Bundespressekonferenz. "Wir haben festgeschrieben: Wir wollen keine neuen Kernkraftwerke. Ich kenne niemanden in der Union, der sich mit dem Gedanken trägt." Auch das Bundeswirtschaftsministerium wies die Verdächtigungen als "blühenden Unsinn" zurück. "Die Sicherheitsforschung hat mit dem Neubau von Atommeilern nichts zu tun", sagte Ministeriumssprecher Steffen Moritz.
Unterdessen wurde aus Kreisen des CSU-geführten Bundeswirtschaftsministeriums bekannt, dass auch das Bundesumweltministerium von Sigmar Gabriel neue Konzepte für Atomreaktorsicherheit in Auftrag gegeben habe. Gabriel soll demnach ebenfalls bei der GRS eine Studie zu neuen Reaktor-Konzepten in Auftrag gegeben. Die wissenschaftliche Untersuchung unter dem Titel "Bewertung neuer Reaktor-Konzepte und der Übertragbarkeit sicherheitsrelevanter Lösungen auf in Betrieb befindliche Anlagen" laufe seit 8. Dezember 2008.
Schavan-Gutachten stärkt Zweifel am Ausstiegswillen
Anlass für Zweifel an der Glaubwürdigkeit einer ernsthaften Politik zur Abkehr von der Atomenergie lieferte auch ein Gutachten, das im Auftrag von Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) erstellt worden ist.
Schavan hält die brisante Atomstudie, in der 100 Wissenschaftler den Bau von neuen Atomkraftwerken in Deutschland empfehlen, offenbar seit mehreren Monaten zurück. Obwohl die Ministerin die Studie mit dem Titel "Konzept für ein integriertes Energieforschungsprogramm für Deutschland" bereits im Juni erhalten hat, soll die Ergebnisse erst nach der Bundestagswahl vorgestellt werden, schreibt die Financial Times Deutschland unter Berufung auf ein Präsidiumsmitglied der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (Acatech), Ortwin Renn, der an dem Konzept mitgewirkt hat.
Das Thema Sicherheit von Atomkraftwerken hat durch die erneute Abschaltung des Vattenfall-Meilers Krümmel und die neuen Erkenntnisse über das Atomlager Asse wieder an Brisanz gewonnen. In ihrem aktuellen Programm betont die Union, dass sie einen Neubau von Atomkraftwerken ausdrücklich ablehnt. Angela Merkel, Vorsitzende der CDU, plädiert allerdings dafür, die Laufzeiten der "sicheren deutschen Anlagen" zu verlängern.
Dagegen lehnt der Präsident des Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth, eine Verlängerung der Laufzeiten strikt ab, da dies den Ausbau erneuerbarer Energien hemmen würde, sagte er der Frankfurter Rundschau. Die deutschen Klimaschutzziele für 2020 und 2050 seien nur mit einem massiven Ausbau der Öko-Energien und einer starken Erhöhung der Energieeffizienz in Industrie, Haushalten und Verkehr zu erreichen.
- Datum 18.09.2009 - 16:05 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
- Kommentare 25
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Seit wann ist für die Frage der Reaktorsicherheit das Wirtschaftsministerium zuständig? Kümmern die sich nicht eher um wirtschaftliche Interessen?
was hat der Mann, der die Haare schön hat, damit zu tun?
dass der Steuerzahler jedes wirtschaftliche Risiko beim Bau neuer AKWs übernimmt und danach höhere Strompreise zahlt.
Bisher hat jedes AKW die veranschlagte Bausumme 300 - 500% überschritten, dazu kommen noch die Forschungskosten und die Ausblidung der notwendigen Spezialisten.
Großunternehmen, die richtig viel Geld verdienen wollen, lassen sich vom Staat zu Weihnachten ein AKW schenken und Ostern das Gebietsmonopol dazu.
Gut, dass Herr Guttenberg sich darum kümmert.
Achso - es ist also besser einer interessengetriebene Organisation die Untersuchungen zu überlassen, wie es um das Risiko der favorisierten Kraftwerksform steht? Passiert was, schreit man danach, dass unabhängige Untersuchungen vorher hätten statt finden müssen. Passiert nichts, war es eine Verschwunden von Steuergeldern. Wie man es macht, ist es falsch.
Und ich will einmal ein großes Bauvorhaben sehen, dass am Ende nicht wenigstens 50% bis 100% teurer geworden ist, als ursprünglich geplant war.
Das heißt nicht, dass ich absolut Pro Atomkraft wäre, aber meinen Vorgarten mit Windkraftanlagen zuzustellen ist auch nicht ganz in meinem Interesse.
Achso - es ist also besser einer interessengetriebene Organisation die Untersuchungen zu überlassen, wie es um das Risiko der favorisierten Kraftwerksform steht? Passiert was, schreit man danach, dass unabhängige Untersuchungen vorher hätten statt finden müssen. Passiert nichts, war es eine Verschwunden von Steuergeldern. Wie man es macht, ist es falsch.
Und ich will einmal ein großes Bauvorhaben sehen, dass am Ende nicht wenigstens 50% bis 100% teurer geworden ist, als ursprünglich geplant war.
Das heißt nicht, dass ich absolut Pro Atomkraft wäre, aber meinen Vorgarten mit Windkraftanlagen zuzustellen ist auch nicht ganz in meinem Interesse.
Es ist offensichtlich, daß es sich bei den derzeitigen Veröffentlichungen zum Thema Kernenergie um strategische Wahlkampfhilfe für deren Gegner handelt. Die seit Jahrzehnten geschürte Angst der Bürger soll wachgerufen werden, um linksgrüne Wähler zu mobilisieren. Es wäre eher an der ZEIT, einmal die Machenschaften der Anti-Atomlobby zu durchleuchten und deren Argumente zu analysieren, als solche simple Stimmungsmache zu unterstützen.
Atommüll entsorgen
http://www.gsi.de/documen...
Das ach so geheime Dokument von Frau Schavan
http://www.acatech.de/fil...
Ich wünschte, die Deutschen wären in der Lage genauso sachlich zu diskutieren, wie es in diesm Papier geschieht.
Titel: Atomenergie Guttenberg lässt neue Atommeiler erforschen
Untertitel: Minister Guttenberg lässt die Sicherheit der jüngsten Reaktorgeneration überprüfen
vergleichbar mit
Titel: Mann entsorgt Nachbarin in Mülltonne
Untertitel: Mann entsorgt den Müll einer Nachbarin in die Mülltonne
Es scheinen einige Springer-Lehrlinge bei der Zeit zu arbeiten.
Sei es drum.
Die Atomenergie wird zurückkommen - und das ist auch gut so!
Sie haben Recht, der Stil scheint sich auszubreiten, auch in der ZEIT. Und das gefällt auch mir nicht.
Wird KT das auch finden lassen, vielleicht in Bayern ???
Sie haben Recht, der Stil scheint sich auszubreiten, auch in der ZEIT. Und das gefällt auch mir nicht.
Wird KT das auch finden lassen, vielleicht in Bayern ???
Eine ausführliche Risikoanalyse wäre mir lieber. Ansonsten ist es schlicht nicht möglich, zwischen Risiko und Nutzen abzuwägen.
Eine ausführliche Risikoanalyse wäre mir lieber. Ansonsten ist es schlicht nicht möglich, zwischen Risiko und Nutzen abzuwägen.
Das ist ein rationaler Vorschlag. Besser: er wäre es, wenn man das nicht schon versucht hätte: Wer kennt sie noch, die Rasmussen-Studie?
Nehmen wir an, es gäbe eine neue. Man versuche mal, über die rational zu diskutieren.
Ich habe da eine Schlüsselszene aus der "Rentenaffäre" 1976 vor Augen. In einem Dokumentarspiel wird in Dialogform der damaligen "Rentenbetrug" nachgespielt. Einer der Schauspieler (könnte Strauss dargestellt haben) beschreibt recht analytisch das "Frisieren der Rentenbilanz" durch die Regierung im Wahlkampf 1976. Sein Gegenüber (könnte Kohl gewesen sein) sagt nur: "Wie lange hast du jetzt gebraucht, mir das zu erklären? Fünf Minuten. Weißt du, was passiert, wenn ich versuche, das dem Wähler zu klarzumachen? Dann geht der Ehrenberg einfach hin und sagt nur: 'Die Rente ist sicher' (Sie vermuten richtig: es könnte sein, dass Blüm hier abgekupfert hat :-)). Und die Wähler glauben ihm das. Da bin ich doch von vornherein auf verlorenem Posten."
Bei der Kernenergie? Gleiches Spiel, umgekehrt. Wie hieß es doch in einem der Kommentare in einem Nachbar-Thread "ist doch egal, was in den Studien steht..."
Greenpeace sagt einfach, das "Das Ganze ist unsicher". Und die Wähler glauben es. Und wir stehen auf ....?
Nein, wir fighten diesmal.
Herzlichst Crest
Eine ausführliche Risikoanalyse wäre mir lieber. Ansonsten ist es schlicht nicht möglich, zwischen Risiko und Nutzen abzuwägen.
Das ist ein rationaler Vorschlag. Besser: er wäre es, wenn man das nicht schon versucht hätte: Wer kennt sie noch, die Rasmussen-Studie?
Nehmen wir an, es gäbe eine neue. Man versuche mal, über die rational zu diskutieren.
Ich habe da eine Schlüsselszene aus der "Rentenaffäre" 1976 vor Augen. In einem Dokumentarspiel wird in Dialogform der damaligen "Rentenbetrug" nachgespielt. Einer der Schauspieler (könnte Strauss dargestellt haben) beschreibt recht analytisch das "Frisieren der Rentenbilanz" durch die Regierung im Wahlkampf 1976. Sein Gegenüber (könnte Kohl gewesen sein) sagt nur: "Wie lange hast du jetzt gebraucht, mir das zu erklären? Fünf Minuten. Weißt du, was passiert, wenn ich versuche, das dem Wähler zu klarzumachen? Dann geht der Ehrenberg einfach hin und sagt nur: 'Die Rente ist sicher' (Sie vermuten richtig: es könnte sein, dass Blüm hier abgekupfert hat :-)). Und die Wähler glauben ihm das. Da bin ich doch von vornherein auf verlorenem Posten."
Bei der Kernenergie? Gleiches Spiel, umgekehrt. Wie hieß es doch in einem der Kommentare in einem Nachbar-Thread "ist doch egal, was in den Studien steht..."
Greenpeace sagt einfach, das "Das Ganze ist unsicher". Und die Wähler glauben es. Und wir stehen auf ....?
Nein, wir fighten diesmal.
Herzlichst Crest
Sie haben Recht, der Stil scheint sich auszubreiten, auch in der ZEIT. Und das gefällt auch mir nicht.
....manchmal kommt es mir so vor. Immerhin kommen hier im Online-Forum noch andere Stimmen zu Wort.
....manchmal kommt es mir so vor. Immerhin kommen hier im Online-Forum noch andere Stimmen zu Wort.
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