Zukunft der SPD "Gabriel ist fähig, aber ..."Seite 3/3

Walter: Ich bin altmodisch und daher geradezu fassungslos, dass jemand Fraktionschef wird, der noch nie in einem Parlament gewesen ist. Nicht mal in einem Gemeindeparlament, nicht mal in der Schülerverwaltung. Das ist fast schon eine Diskreditierung des Parlaments.

ZEIT ONLINE: Aber Steinmeier hat Regierungserfahrung. Er selbst hat sich mit Hans-Jochen Vogel verglichen. Unter ihm sei die SPD täglich darauf vorbereitet, die Regierung zu übernehmen.

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Walter: Die SPD wird die nächsten vier Jahre nicht regieren. Auch in den Ländern ist sie meist in der Opposition. Wozu brauchen wir eine Opposition, die in den Kompromisszwängen einer Regierung denkt? Wer sich als Regierung auf Abruf sieht, hört auf zu diskutieren, entwickelt keine Ideen, die über den Tag hinaus reichen, der schließt Reihen und hält die Schnauze.

ZEIT ONLINE: Ein Gegenmodell hat die SPD ja in ihrem möglichen künftigen Parteichef. Sigmar Gabriel ist jemand, der verrückte Ideen hat und übers Ziel hinausschießt. Eine gute Wahl?

Walter: Man hat schon oft gelesen, Gabriel sei sprunghaft. Er habe etwas Unruhiges, Schweifendes. Ich würde aber positiv formulieren: auch etwas Suchendes. Nach meiner Erfahrung ist Gabriel, dem ich einige Male begegnet bin, einer der intelligentesten Politiker des Landes. Er liest mehr als die meisten in der politischen Klasse und hat eine schnelle Auffassungsgabe. In wenigen Sekunden kann er sich auf ein Publikum einstellen. Das ist nicht nur opportunistisch, sondern auch eine Kunst. Man muss abwarten, ob er zur behutsamen Integration seiner Partei in der Lage ist. Geduld ist in der Tat nicht seine Stärke.

ZEIT ONLINE: Was ist eigentlich mit Ihren eigenen Ambitionen? Ich las kürzlich, Sie selbst könnten sich vorstellen, Parteichef der SPD zu werden.

Walter: Ich bin ganz empört. Meine Kandidatur wird nicht ernst genommen. Alle reden von Gabriel und Steinmeier. Anders als der war ich aber früher Unterbezirksvorsitzender, Klassensprecher und auch schon mal im Asta.

Morgen lesen Sie Teil zwei: Franz Walter über Schwarz-Gelb, die Probleme der Union und das neue Fundament der FDP.

Die Fragen stellte Michael Schlieben

 
Leser-Kommentare
  1. sehr geehrter Herr Schlieben,
    wenn es mir möglich wäre, Ihnen direkt Fragen zu stellen, es wären drei:
    1) Ist der Begriff „Volkspartei“ noch aktuell? Die Grafik aus http://de.wikipedia.org/w... suggeriert eine langfristige Konvergenz von Interessen, die nur bedingt soziologisch begreifbar sind.
    2) Ist nicht aufgrund der zunehmenden kulturellen Pluralität zu erwarten, dass mehr Kleinparteien Einzug in die Parlamente finden? In diese Richtung weist wohl der nicht zu leugnende Achtungserfolg der Piraten.
    3) Verleitet der Verlust an Stimmenanteilen der „Volksparteien“ insgesamt nicht dazu, politische Programmatik zugunsten verstärkter Personalisierung weiter zu vernachlässigen? Der Ruf nach „starken Leuten“ in der SPD, aber auch der schlecht kaschierte Populismus in den meisten Parteien ließe diesen Schluss zu.

  2. Nördlich des Kanals auf der britischen Insel fragte sich Labour anlässlich ihres jüngsten Parteitages im Seebad Brighton, weshalb in der Londoner City ansässige Finanzinstitute in den wenigen zurückliegenden Jahren sich anschickten zu dekretieren, wenn spätestens am 25. Juli 1867 durch den seinerzeit ebenfalls in London tätigen Trierer Marx, Karl öffentlich wurde, dass jegliche Versuche, gesellschaftliche Unbestimmtheit zu überspringen, durch die Wirklichkeit von vornherein zum Scheitern verurteilt sind. Offener konnte Herr Brown in seiner Funktion als Parteivorsitzender die unsägliche Alliteralität nicht allein von Arbeitnehmern, sondern vor allem von deren Arbeitgebern nicht anprangern. Demgegenüber sich wie der Göttinger Parteienforscher Walter zu fragen, ob wegen dieser Brown'schen Kritik insbesondere die Gefühle von Frauen gekränkt seien und sie daher konservativ wählten, muss wissenschaftlich fehl gehen.

    • Jokus
    • 01.10.2009 um 9:52 Uhr

    Nun mal kein Wort der Kritik: Dies Interview mit Walter hat mir außerordentlich gefallen. Allein der Hinweis auf einen neuen Fraktionschef, der nie dergleichen geübt hat und nie auch bewiesen, dass er der große Debatten-Künstler sein könnte...war ein Spaß und - man hofft ja oft das Gegenteil - doch das saß...

    Kurzum: Bei allem Ärger über diese von den Sozis verfuschte Wahl: Mit Walters Rat könnte es schon wieder aufwärts gehen...

    Doch - wer weiß - auf wen die SPD überhaupt noch hört!?

    • sudek
    • 01.10.2009 um 10:34 Uhr

    Wer ist die SPD? Wer soll hören?

    Wenn nicht endlich die Mitgliederinnen und Mitglieder - und möglichst auch die verlorenen Mitgliererinnen und Mitglieder - in die Neuordnung der SPD - personell und inhaltlich - eibezogen werden, dan gibt es bald kein Geld mehr für die Miete des Willy Brandt Hauses!!

    Die Meinung der Mitgliederinnen und Mitglieder ist wichtiger als alles Spekulieren von Umfrageexperten und Journalistinnen und Journalisten.

    • hamkon
    • 01.10.2009 um 10:39 Uhr

    Alles in allem lässt sich das Phänomen "SPD" doch auf einen relativ einfachen Nenner bringen.

    Es ist der totale Beziehungsbruch zwischen der inszwischen als Nomenklatura etablierten Kaderfunktionärselite, die qua demokratischem Zentralismus aus ihrem Zentralkommitee heraus verkündet, wer der neue Vorsitzende wird und wo es lang geht. Der Rest der Parteimitglieder wird zur Akklamation der Beschlüsse des Zentralkommitees auf dem nächsten Volkskong....., ach nein, das heisst ja noch auf dem nächsten Parteitag, zusammengetrommelt und darf dann wie bei einer RTL-Show auf Handzeichen den Jubelperser geben und den Jubelapplaus spenden.

    Toll! Oder.

    Denken Sie nur an den letzten Kandidaten der SPD in Hamburg. Was war das doch bloß für ein feiner Menschen, richtig aristokratisch war er (Originaltext von einer 62jährigen SPDistin an einem Wahlkampfstand).
    Brrrr, da stehen doch einem Nachfahren von F. Schiller, E.T.A. Hoffmann und E. M. Arndt die Haare zu Berge.

  3. Walter spricht von Qualitäten und Methoden der Funktionärselite. Nun,Ja: Gabriel ist Teil der Netzwerker und geistig beweglich.

    Wenn Gabriel auf den Schild gehoben wird, dann müssen wir auch die übrigen Netzwerkelemente kennen und bewerten. Es kann durchaus sein, das Gabriel die SPD -ausgehend von einem zeitweiligen Pragmatismus- in eine "Neue Zeit" führt.

    Die Nahles mal wieder als Korrektiv gegen Gabriel einzusetzen, ist behindernd und nicht ziel führend für eine aufgeklärte Politik, die die Gerechtigkeitsprobleme anpacken kann, die sich aus der Globalisierung ergeben.

    Aber mal grundsätzlich: Welche Partei hat überhaupt ein Konzept, die Globalisierungsfolgen ohne gravierende gesellschaftliche Verwerfungen aufzufangen ?

    Die BRD ist als Land der Maschinenbauerland keine Perspektive für ein 80 Mio-Volk mit hohem Altenanteil.

  4. DAS war Schröder auch! Jedenfalls fähig, den sozialen Aspekt der sozialen Marktwirtschaft und viele bedürftige Bürger, eiskalt dem Untergang preis zugeben!

    Wie die Partei dann letztlich ebenfalls von Schröders exorbitanten Fähigkeiten profitieren durfte, dass sollte sie doch eigentlich am vergangenen Wochenende zur Genüge erfahren haben?!

    Es scheint allerdings eher so, als sehnte sich die SPD schon auf die nächste ordentliche Abreibung, anders kann ich mir die Inthronisierung eines weiteren Schröderianers beim besten Willen kaum erklären!

    Das soll der Neuanfang sein?! Das ist ja schon beinah eher so, als ob man den Gerhard vom GAZ-Werk himself wieder auf den Olymp heben wolle, damit der eh schon arg gebeutelten Sozialdemokratie noch so richtig der Rest gegeben wird!

    Da kommt mir spontan ein Zitat von Albert Einstein in den Sinn:

    "Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher."

  5. Kasperklatsche will nach Links.
    Nun, denn.
    Der Platz ist besetzt.

    Deshalb rückt die SPD nach Mitte-Links oder ?
    Wenn man nun noch wüßte, was künftig Mitte-Links ist,
    dann wäre es schön.

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    Ich möchte nur in einem friedlichen (auch weil selbst friedfertig) Land leben, in dem die faire Teilhabe aller Bürger am gesellschaftlichen Leben garantiert ist. In einer Gesellschaft, in welcher der Mensch und seine Würde höher stehen, als der Shareholder-Value und der Reibach des Geldadels. In einem System, dass seine weniger gut aufgestellten Mitglieder nicht einer Zweiklasse-Medizin überlässt und jene Menschen, deren Dienste man, systembedingt, nicht mehr länger benötigt - weil schlicht weg kapitalisiert - aufs Abwrack-Dock abschiebt, sie gesetzlich sanktioniert Armut und Siechtum preis gibt; Sie diffamiert und stigmatisiert, verunglimpft und quält per Hartz I-IV!

    Ja, ich möchte gerne in einer intakten und gesunden Umwelt leben, die auch noch meinen Kindern und Enkeln ein lebens- und erlebenswertes Dasein bieten kann. In einer Welt, in der nicht jede, dem Menschen dienliche Kreatur um der Gewinnmaximierung Willen eingepferscht, gequält, nicht artgemäß gehalten und ausgebeutet wird.

    Ich möchte unbedingt Teil einer Welt sein, die den Zusammenhang des Ganzen erkennt und dem entsprechend handelt und nicht so, als könnten wir uns übermorgen mal eben eine neue Erde bei Ebay bestellen.

    So eine Zukunft, wäre die nicht auch für Sie erstrebenswert, werter la borsa?
    Sie könnte Realität werden, mit gutem Willen und klarer Sicht über den eigenen Tellerrand.
    Niemals aber mit Protagonisten vom Schlage Schröders und der verbliebenen Altlasten, in Form seiner antisozialen Kumpane!

    Ich möchte nur in einem friedlichen (auch weil selbst friedfertig) Land leben, in dem die faire Teilhabe aller Bürger am gesellschaftlichen Leben garantiert ist. In einer Gesellschaft, in welcher der Mensch und seine Würde höher stehen, als der Shareholder-Value und der Reibach des Geldadels. In einem System, dass seine weniger gut aufgestellten Mitglieder nicht einer Zweiklasse-Medizin überlässt und jene Menschen, deren Dienste man, systembedingt, nicht mehr länger benötigt - weil schlicht weg kapitalisiert - aufs Abwrack-Dock abschiebt, sie gesetzlich sanktioniert Armut und Siechtum preis gibt; Sie diffamiert und stigmatisiert, verunglimpft und quält per Hartz I-IV!

    Ja, ich möchte gerne in einer intakten und gesunden Umwelt leben, die auch noch meinen Kindern und Enkeln ein lebens- und erlebenswertes Dasein bieten kann. In einer Welt, in der nicht jede, dem Menschen dienliche Kreatur um der Gewinnmaximierung Willen eingepferscht, gequält, nicht artgemäß gehalten und ausgebeutet wird.

    Ich möchte unbedingt Teil einer Welt sein, die den Zusammenhang des Ganzen erkennt und dem entsprechend handelt und nicht so, als könnten wir uns übermorgen mal eben eine neue Erde bei Ebay bestellen.

    So eine Zukunft, wäre die nicht auch für Sie erstrebenswert, werter la borsa?
    Sie könnte Realität werden, mit gutem Willen und klarer Sicht über den eigenen Tellerrand.
    Niemals aber mit Protagonisten vom Schlage Schröders und der verbliebenen Altlasten, in Form seiner antisozialen Kumpane!

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