Kinderpornografie Jörg Tauss verliert politische Immunität

Der Bundestag hat die Immunität des ehemaligen SPD-Politikers Jörg Tauss aufgehoben. Der muss nun mit einem Verfahren wegen des Besitzes von Kinderpornografie rechnen

Der Bundestag hat am Dienstag die Immunität des fraktionslosen Abgeordneten Jörg Tauss aufgehoben. Damit kann nun Anklage gegen den früheren SPD-Parlamentarier erhoben werden. Er steht unter Verdacht, kinderpornografisches Material besessen zu haben. Tauss, der mittlerweile Mitglied der Piratenpartei ist, enthielt sich der Stimme bei der Sitzung. Für die Anklageerhebung durch die Karlsruher Staatsanwaltschaft war eine neue Genehmigung durch das Parlament erforderlich.

Bereits im März war Tauss der Schutz vor Strafverfolgung entzogen worden, um Hausdurchsuchungen zu ermöglichen. Dabei war einschlägiges Material beschlagnahmt worden. Tauss hatte den Besitz kinderpornografischen Materials eingeräumt, zugleich aber versichert, kein Pädophiler zu sein. Er gibt an, im Zuge von Recherchen gegen einen Kinderporno-Ring aktiv geworden zu sein. Er habe das Porno-Material während seiner Untersuchungen als Parlamentarier genutzt und in der Dienstwohnung verstaut.

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Tauss, der mit der Bundestagswahl am 27. September aus dem Parlament ausscheidet, meldete sich bei der Sondersitzung am Dienstag noch einmal im Plenum zu Wort. Seine Frau hat für ihn nur noch wenig Verständnis, steht aber weiter zu ihm. Sie habe ihren Mann nach Durchsuchung seiner Büroräume gefragt: "Wie blöd kann ein Mensch eigentlich sein, zu glauben, er könne einen Kinderpornoring ausheben? Das ist völlig irre", sagte Irmgard Tauss der Stuttgarter Zeitung.

Ihrem Mann sei aber unbegreiflich gewesen, dass ihm dies niemand abnehme. Sie sei aber zu dem Schluss gekommen, dass sie ihrem Mann bei seiner Darstellung vertrauen könne, sagte die Gewerkschafterin, die mit dem Parlamentarier seit 33 Jahren verheiratet ist.

Durch die Aufnahme von Tauss als Partei-Mitglied kam auch die Piratenpartei in die Kritik. Die junge Partei lehnt eine Sperrung von Internetseiten mit Kinderpornografie ab. Tauss hatte betont, Mitglied der Piraten bleiben zu wollen. Er strebe aber kein Amt und keinen Listenplatz für die Bundestagswahl im Herbst an.

 
Leser-Kommentare
  1. aah. nein. aah. Und das bei der Zeit...
    Die Piratenpartei lehnt eine Sperrung von Internetseiten grundsätzlich ab, weil damit KiPos nicht ordentlich bekämpft werden können, aber Tür und Tor für Zensur geöffnet werden.

    So klingt das als würden die Piraten jedem das Seine, den Pädophilen ihre Kipos erlauben wollen. Natürlich nicht.

  2. Zitat:
    "Er steht unter Verdacht, kinderpornografisches Material besessen zu haben."

    Nun ja... unter Verdacht steht er nicht.
    Er hat ja den Besitz zugegeben.

    Geht es in dem Verfahren nicht eher darum, ob er es in seiner Eigenschaft als Parlamentarier im Zuge privater Ermittlungen besitzen durfte(zumindest ist das eine der Verteidigungsstrategien)?

    Zitat:
    "Durch die Aufnahme von Tauss als Partei-Mitglied kam auch die Piratenpartei in die Kritik. Die junge Partei lehnt eine Sperrung von Internetseiten mit Kinderpornografie ab."

    Oh je... da haben wir wieder mal etwas stark vereinfacht.... gelle Herr Schreiberling? ....Tsts... Das haben Sie aber schön gelernt, wie man durch Weglassen von relevanten Informationen,
    den Leser manipuliert.

    Kleine Korrektur von mir:
    "Durch die Aufnahme von Tauss als Partei-Mitglied kam auch die Piratenpartei in die Kritik. Die junge Partei lehnt eine ineffiziente Sperrung von Internetseiten mit Kinderpornografie ab und fordert stattdessen eine Löschung der Seiten und die Ergreifung der Täter."

    beim ersten Teil hätte ich auch schreiben können:
    "Durch die Aufnahme von Tauss als Partei-Mitglied kam auch die Piratenpartei in die Kritik von Leuten, die gerne Vorverurteilen und mit der Unschuldsvermutung so ihre Schwierigkeiten haben."

    ...aber ich hab es dann doch gelassen.

    Geschickt platziert .... dieser erneute Entzug der Immunität.
    Ein Schelm wer Böses dabei denkt.....

    Gruß
    Oli*Pirat*

  3. Zitat Oli*Pirat*:

    "Geht es in dem Verfahren nicht eher darum, ob er es in seiner Eigenschaft als Parlamentarier im Zuge privater Ermittlungen besitzen durfte(zumindest ist das eine der Verteidigungsstrategien)?"

    Außer den mit der Strafverfolgung beauftragten Behörden und dessen Beamten kann niemand eine Legitimation haben, Kinderpornos zu besitzen - auch kein Parlamentarier. Wobei im Falle der Behörden wohl auch eher von Verwahrung als Beweismittel gesprochen werden sollte, und nicht von Besitz.

    Der Grund ist ganz einfach der, dass sich somit niemand herausreden kann, er hätte ja nur recherchiert. Der Besitz von Kinderpornos ist verboten. Ausnahmen gibt es keine, für Niemanden!

    Ansonsten könnte man ja eine solche Argumentation beim Besitz von illegalen Drogen oder Waffen bringen: "Ich habe nur recherchiert und wollte die Verbrecher dingfest machen". Kann ja sein, aber dies ist die Aufgabe der Polizei und der Staatsanwaltschaft, und nicht die eines Parlamentariers oder sonstiger Personen.

    Ein Parlamentarier in einer Demokratie, sollte so etwas wissen. Wozu haben wir die Gewaltenteilung? Parlamentarier jagen keine Verbrecher, und Polizisten machen (auch hier irrt ja mancher) keine Gesetze.

    Ich bin gespannt wie es weitergeht....

  4. Der Grund ist nicht nur die Ausrede für Besitzer. Viel wichtiger ist der Einhalt der Gewaltenteilung. Ein Politiker ist kein Polizist. Und darum haben KiPos bei ihm nichts verloren. Wenn er gerne gegen KiPos ermitteln würde, muss er bei der Polizei arbeiten. Als nächstes fangen die Politiker an, sich BodenLuftRaketen zu kaufen, um zur Stelle zu sein, falls mal ein Flugzeug von Terroristen gekapert wird und grad sonst niemand in der Nähe ist.

  5. Warum hat Tauss nicht mit der Polizei zusammengearbeitet? Warum hat Tauss bei seiner ersten Stellungnahme nicht gesagt, was er jetzt sagt? Warum hat er seinerzeit Frau v.d. Leyen als "Kampagnenmanagerin" beschrieben? Warum sind die Piraten nicht selbst etwas skeptischer?

    • cynorx
    • 08.09.2009 um 20:07 Uhr

    Grundsätzlich wollte Tauss beweisen, dass der professionelle Markt nicht übers Internet, sondern per Post läuft.

    Seltsam ist es in beiderlei Hinsicht, zum einen, dass Tauss so tolpatschig vorgeht, zum anderen, wie geschickt er jetzt immer wieder genau zu passenden Zeitpunkten hervorgeholt wird.

    Frech ist jedoch zu behaupten, die Piratenpartei sei gegen die Sperrung von Kinderporno-Seiten.
    Richtig muss es heißen: Die junge Partei ist für das Auffinden und Bestrafen der Erzeuger und Verbreiter von Kinderpornografie sowie das Löschen der Inhalte aber gegen jegliche Art von Zensur, die lediglich als Blickschutz taugt, nebenbei jedoch grundlegende Bürgerrechte aushöhlt und einen Überwachungs- und Zensurapparat etabliert.

    Offensichtlich war das aber zu schwer zu schreiben.

  6. Ihr seid ja alle sehr gut informiert, sehr beeindrucken!

    a) der Mann, der vor einigen Wochen vom BKA gesucht wurde, weil er sich mit kleinen Jungen filmte, wurde von einem Journalisten an die Polizei geliefert, der ebenfalls getauscht hat (wie Tauss!) und das Material an die Polizei übergeben hat.

    b) Frau v.d. Leyen besaß ebenfalls Kinderpornographie für Dienstzwecke.

    c) Tauss hat mit der Polizei nicht zusammen gearbeitet, weil er ihr nicht vertraut. Er wollte sich unabhängig informieren, ob dieses Gesetz überhaupt etwas bringen kann; und da das BKA eben dieses Gesetz befürwortet, wäre es sehr dumm gewesen, mit dem BKA zusammen zu arbeiten. Er ist auch vorher schon mit dem BKA aneinander geraten.

    Ach und sorry - von der Zeit hatte ich etwas mehr Sachlichkeit und -kenntnis erwartet! Danke für die Enttäuschung!

  7. Wir leben doch hoffentlich immer noch in einem Rechtsstaat, oder nicht? Und da gilt die Unschuldsvermutung als Grundprinzip. Es kann doch nicht sein, dass ich, als Wählerin und Unterstützerin der Piraten-Partei wegen Aussagen wie:" Die junge Partei lehnt eine Sperrung von Internetseiten mit Kinderpornografie ab." auf der Straße als "Kinderschänder" oder Unterstützer dieser betitelt und beschimpft werde. Sowas grenzt ja schon an Verleumdung und schürrt natürlich ordentlich den Hass des Lynchmobs, da spielt es dann auch keine Rolle mehr, ob jemand unschuldig ist, hauptsache man hat jemanden auf den man rumknüppeln kann.
    Das sollte bitte mal richtig gestellt werden, denn so wie diese Aussage da steht werden Tatsachen eindeutig verdreht und sind somit falsch! Seriös wirkt das ganze nicht.

    Ganz im Gegenteil, die Piraten-Partei unterstützen und schätzen Organisationen wie die Mogis sehr. Mogis sind Missbrauchsopfer, die sich gegen eine Internetsperrung aussprechen. Mir ist aber schon klar, dass Organisationen, wie die Mogis nicht ernst genommen werden, da man sonst einsehen müsste, dass Internetsperren und eine Zensur im Internet keinem einzigen missbrauchten Kind/menschen hilft, sondern ganz andere Ziele verfolgt.
    Das Totschlagargument "Da werden 3 jährige Kinder im Internet vergewaltigt" würde nicht mehr wirken und andere Argumente hat man ja nicht.
    In meinem Augen wirklich eine gefährliche manipulative Tour, die einige da so an den Tag legen.

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