Atomenergie Tausende Kernkraftgegner demonstrieren in Berlin

Unter dem Motto: "Mal richtig abschalten!" sind mehrere Tausend Menschen auf die Straße gegangen. Sie protestierten gegen Kernenergienutzung und die deutsche Atompolitik

Hunderte gelbe Fahnen mit dem Slogan aus den achtziger Jahren "Atomkraft? Nein Danke" wehten über dem Demonstrationszug in Berlin, der vom Hauptbahnhof der Stadt zum Brandenburger Tor zog. Bei der größten Demonstration von Atomkraftgegnern seit Jahren protestierten am Samstag nach Angaben der Polizei 36.000 Teilnehmer. Die Veranstalter sprachen von 50.000. Die Demonstranten forderten die "Stilllegung aller Atomanlagen weltweit".

Das marode Atommülllager Asse bei Wolfenbüttel und die Pannen in den norddeutschen Reaktoren Krümmel und Brunsbüttel haben die Atomdebatte in den letzten Monaten erneut angeheizt. Während SPD und Grüne am Atomausstieg bis etwa 2020 festhalten, wollen Union und FDP Laufzeitverlängerungen möglich machen und die Erkundung Gorlebens vorantreiben. Allerdings erwarten sie dafür Gegenleistungen von den Konzernen. Nach einem Bericht des Spiegel verlangt der bayerische Umweltminister Markus Söder (CSU) dabei unter anderem einen Beitrag zur milliardenschweren Sanierung des Lagers Asse.

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Zur Demonstration in Berlin kamen auch Hunderte Bauern aus Niedersachsen mit mehr als 300 Traktoren und fuhren vor dem Brandenburger Tor auf. Vertreter von Bürgerinitiativen aus Niedersachsen und von Umweltverbänden verlangten, die Atomkraftwerke stillzulegen und keinen Atommüll mehr zu produzieren.

Ein großes Transparent am Spreeufer verkündete: "Es geht wieder los!" Mehrere Demonstranten schleppten ein rund zwei Meter hohes aufblasbares gelbes Kraftwerk mit sich. Auf anderen Plakaten standen Sprüche wie "Atomkraft ins Technikmuseum", "Den Atomkonzernen den Stecker rausziehen" oder "Wir wollen Ökostrom statt Scheißatom".

Einige prominente Politiker nahmen an der Kundgebung teil, darunter Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse (SPD), die Grünen-Spitzenkandidaten Renate Künast und Jürgen Trittin sowie Linke-Politiker.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) bezeichnete die Demonstration als klares Signal an die Union und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Die Botschaft sei eindeutig: "Hört endlich auf, den verlängerten Arm der Atomindustrie zu spielen." Das Problem der Endlagerung des Atommülls könne nicht "gegen die Bevölkerung und nicht mit noch mehr Atomkraft gelöst werden".

Unterstützung erhielten die Atomkraftgegner für ihre Positionen vom Umweltbundesamt (UBA). Die Atomenergie sei keine nachhaltige Energieform, sagte UBA-Präsident Jochen Flasbarth im Deutschlandradio Kultur. Das Festhalten am Ausstieg sei essenziell für eine zukunftsfähige Energieversorgung.

Der Präsident des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), Hubert Weiger, sagte bei der Kundgebung: "Machen wir Schluss mit dem atomaren Wahnsinn." Atomkraftwerke seien gefährlich. "Die große Mehrheit der Deutschen ist gegen den weiteren Betrieb der Atomkraftwerke, und das aus guten Gründen: Atomkraftwerke sind gefährlich, das haben die Störfälle im AKW Krümmel drastisch gezeigt. Und die bisherigen Versuche, Atommüll in Deutschland endzulagern sind in der Asse spektakulär gescheitert.", kritisierte er weiter Eine Laufzeitverlängerung um zehn Jahre würde den Atommüll um weitere 50 Prozent anwachsen lassen.

Die Grünen veröffentlichten am Donnerstag eine von ihnen in Auftrag gegebene Studie. Dem Papier zufolge liegt das Leukämie- Erkrankungsrisiko für Kleinkinder bis zu vier Jahren im Umkreis von Atomkraftwerken um 19 Prozent über den Normalwerten. Auch für Jugendliche sei das Krebsrisiko hoch.

 
Leser-Kommentare
    • WIHE
    • 06.09.2009 um 14:44 Uhr
    1. Schade

    dass es keine Demo für Kernkraft gab.
    Ich wäre hingegangen.

  1. "Zur Demonstration in Berlin kamen auch Hunderte Bauern aus Niedersachsen mit mehr als 300 Traktoren..."
    Wieviele Tonnen CO2 sind für diese Demonstartion im Interesse von Natur und Nachkommen in die geplagte Umweltluft geblasen worden? Wieviel nostalgische Schwelgerei in abgelebter 80ger Jahre Demo-Kultur müssen wir noch ertragen, bis den Menschen wirklich klar wird, dass die Umwelt nicht durch Anklagen und Demonstrationen, durch Blockieren, Behindern, Verhindern sondern durch wirklich wirksame und umsetzbare Konzepte zu erhalten ist? Ein fader Geschmack von sinnentleertem Wahlkampfgetöse liegt über dieser ganzen Szenerie.

    • iDog
    • 06.09.2009 um 17:15 Uhr

    bei beschlossenem atomausstieg muessen 50 000 menschen gegen atomenergie demonstrieren

    • sofya
    • 01.10.2009 um 16:36 Uhr

    Trozt beschlossenem Atomausstieg müssen die Bürger um den Atomausstieg kämpfen. Die Lobby der Atomkonzerne ist eben stark. Die schwarz-gelbe Koalition hat schon begonnen, in ihrem Sinne die Diskussion in Gang zu bringen. Der Bürger - der eigentliche Souverän - muss die Politiker also immer wieder daran erinnern, was sein Wille ist. Das hat er in Berlin zurecht getan.

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