EU-Reform
Bundespräsident Köhler unterzeichnet Lissabon-Vertrag
Der EU-Reformvertrag von Lissabon hat in Deutschland die letzte Hürde genommen. Stimmen ihm nun auch Polen, Tschechien und Irland zu, kann er in Kraft treten.
© Miguel Villagran/Getty Images

Deutschland macht den Weg frei für eine Ratifizierung des Lissabon-Vertrags. Nun müssen noch Irland, Tschechien und Polen zustimmen
Der Weg zur Unterzeichnung des EU-Reformvertrags von Lissabon durch Deutschland ist frei. Bundespräsident Horst Köhler hat die Begleitgesetze zur Umsetzung des Vertrags am Mittwoch unterzeichnet, teilte ein Sprecher des Präsidenten mit.
Nach der Verkündung der Gesetze im Bundesgesetzblatt wird Köhler am Freitag auch die Ratifikationsurkunde ausfertigen. Sie kann dann in Rom hinterlegt werden. Der Vertrag ist damit für Deutschland ratifiziert. Durch ihn soll die Zusammenarbeit in der Europäischen Union (EU) künftig neu geregelt werden.
Der Vertrag muss nun noch in Polen und Tschechien ratifiziert werden. In Irland findet in einer Woche ein neue Volksabstimmung statt – in einer ersten Abstimmung hatten die Iren den Vertrag abgelehnt und die EU damit in eine tiefe Krise gestürzt. Der Reformvertrag kann nur in Kraft treten, wenn alle 27 EU-Staaten zugestimmt haben.
Mit dem Lissabon-Vertrag sollen von 2014 an Mehrheitsentscheidungen der EU-Staaten anstatt der bisher geltenden Einstimmigkeit eingeführt werden. Außerdem soll die Außenpolitik der EU durch einen europäischen Außenminister gestärkt werden.
Bundestag musste nacharbeiten
Der Ratifizierung war ein langer Prozess vorangegangen. Gegen den EU-Reformvertrag war ein bunter Haufen von Klägern, vom CSU-Abgeordneten Peter Gauweiler bis zur Linken von Gregor Gysi und Oskar Lafontaine, vor das Bundesverfassungsgericht gezogen. Ihnen war der Lissabon-Vertrag zu integrativ. Brüssel dürfe nicht zu viele Kompetenzen an sich ziehen, argumentierten sie.
Das Bundesverfassungsgericht entschied Ende Juni. Zwar beurteilten die Richter das eigentliche Zustimmungsgesetz als rechtens, die sogenannten deutschen Begleitgesetze hingegen müssten überarbeitet werden. Sie regeln die Mitbestimmung von Bundestag und Bundesrat an der Umsetzung der europäischen Gesetze in Deutschland.
Die Abgeordneten mussten folglich nachsitzen und die Gesetze neu formulieren. In den Sommermonaten hatten Bundestag und Bundesrat schließlich im Schnellverfahren die Begleitgesetze verabschiedet, welche nun eine Stärkung der Parlamentsrechte in EU-Fragen vorsehen.
Im Anschluss an die Überarbeitung hatte es erneut eine Klage gegeben: Der frühere Thyssen-Chef Dieter Spethmann hatte versucht, mit einer Verfassungsbeschwerde den Prozess zu stoppen. Das Bundesverfassungsgericht wies die Beschwerde mit einem am Mittwoch veröffentlichten Beschluss aber als unzulässig ab.
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- Datum 23.9.2009 - 10:49 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
- Kommentare 20
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Er hat die Begleitgesetze unterzeichnet.
Ich hätte mehr Informationen dazu gewünscht, inwieweit die neuen Begleitgesetze den Wünschen des Bundesverfassungsgerichts nachkommen. Ist es jetzt wirklich so, dass der Bund weniger Kompetenzen abgibt? Ist es wasserdicht? Warum gibt es dazu keine Analysen??
Die Sache ist doch sehr sehr wichtig. Sieht es "die Zeit" anders? Oder ist eh alles wurscht. Habe das Gefühl, die meisten sehen das als unausweichlich und beschäftigen sich überhaupt nicht im Detail damit.
... man uns mit mehr Informationen versorgen als absolut notwendig? Allenfalls etwas unfundierte Pro-EU Stimmung darf noch durchrieseln, am besten von Herrn (Bertelsmann e.V.) Vannahme. Wir werden eh nicht gefragt und eine Wahl haben wir auch nicht. Ach so, na ja, ich glaube die Linke war gegen den Lissabon-Vertrag. Fragt sich, ob sie das als Regierungspartei auch noch wäre.
Man kann wirklich nur hoffen das die Iren no sagen, nach einigen Recherchen (Ich hoffe das es nicht stimmt). Die Amis sollen den Irischen Volksvertretern Milliardenkredite versprochen haben, wenn sie die Wahl manipulieren können. Irland ist ja nachweisslich pleite. Was uns allen blüht wenn die Iren ja sagen, ist eine Diktatur wie sie unter Hitler 1932 statgefunden hat.Sie haben eine ganz neue Weltordnung vor.Schaltet euren Fernseher ab, glaubt den Printmedien nicht. Es ist alles Bertelsmann und Co, wie Bildzeitung usw. Sie Verarschen euch wie Hulle.Informiert euch richtig. Bald ist auch das Inet Zenssiert. hat.http://infokrieg.tv/bilderberg_depression_2009_05_12.html
Nundyman
Da der Rest der EU-Bevölkerung von seinen Herrschern für unmündig erklärt wurde, mögen es die Iren stellvertretend für uns alle entscheiden.
Bis jetzt haben sie es recht ordentlich gemacht.
Wenn die EU nicht demokratisch sein will, dann möge sie dem Mülleimer der Geschichte anheimfallen. Wenn sie demokratisch sein will, dann soll sie eine entsprechende Verfassung zur Abstimmung stellen.
Kann heinzschmidt nur beipflichten, wie sieht nun die Mitsprache der europäischen Bürgern aus? Ist die EU überhaupt noch demokratisch oder eher diktatorisch? Wie sieht die Struktur der "neuen" EU aus, wenn wir als EU-Bürger das EU-Parlament wählen? Welche Befugnisse hat das EU-Parlament? Warum muss die EU militärisch aufrüsten wenn die Bürger in Frieden leben wollen? Wenn man die Ausführungen von Prof. Schachtschneider (bitte googlen) hört, bekommt man den Eindruck, das wir auf eine EU-Diktatur zustreben, die nichts mit Demokratie zu tun hat. Ist es nun durch den Vertrag legitim auf friedliche Demonstranten zu schießen? Wieso liebe "Zeit" wurden wir als Bürger von Deutschland nicht über längst bekannte Inhalte informiert? Es entsteht der Eindruck, dass die sog. Qualitätsmedien nichts über die bevorstehenden EU-Veränderungen schreiben durften!
Ist es mit dem Grundgesetz vereinbar, dass unsere Politiker (wird noch zum Schimpfwort) ohne das Volk abstimmen zu lassen das Grundgesetz quasi durch eine nicht vom Volk legitimierten übergeordneten EU-Vertrag (nichts anderes ist dieser Vertrag laut Herrn Prof. Schachtschneider) ersetzen?
Zur Info für alle: http://www.youtube.com/wa...
Freundlicher Gruß!
Gute Bekannte von mir (Sarah Luzia Hassel Reusing (Klageführerin) und Volker Reusing aus Wuppertal) haben eine ausführliche Klage eingereicht und sich intensiv in die Materie eingearbeitet. Akut finde ich dazu nichts in der Internetpresse. Aber die haben mir eine Datei zugesandt mit ihrer Klage, die ich sofort ins Netz gestellt habe:
http://sites.google.com/s...
Interessant ist, dass deren erste Klage schon im Juni 09 weitgehend übergangen wurde. Ist das noch normal oder ist die Klageschrift einfach zu gut und darf nicht bekannter werden?
... sieht nach extrem viel Arbeit aus. Hoffentlich von Erfolg gekrönt!
Regierungen sind Repräsentaten des Volkes und damit demokratisch legitimiert, solche Entscheidungen auch zu treffen. Vielmehr muß man vor reinen Plebisziten ausdrücklich warnen, da hier das sogenannte Volk - wie in Irland geschehen und auch in GB heute jederzeit belegbar - von Interessensgruppen a la Murdoch, Springerpresse nach Art des "Panem et Circenses" maßgeblich beeinflußt wird. Welcher Wähler, so frage ich, hat in Irland schon das Vertragswerk gelesen? Wieviele würden es hier tun? Hier werden über emotional aufgeladene Themenbereiche entschieden, die gerade so fallen wie der Wind steht.
Dass in Irland heute nämlich ein anderer Wind weht, maßgeblich auch, weil Europa die Iren davor bewahrt hat, in ein Armenhaus zurückzufallen, wird sich bei der nächsten Wahl bereits schon beweisen.
Das macht die angestrebte (und schon existierende) Form der EU nicht demokratischer. Von den darüber abstimmenden Abgeordneten hat zum Zeitpunkt der Abstimmung auch kaum (niemand?) jemand den Inhalt des Lissaboner-Vertrags gelesen, geschweige denn verstanden. Es wurde nur abgenickt. Wenn so etwas möglich ist, braucht man sich nicht wundern, wenn die Alarmglocken beim Bürger schrillen. gesetzt dem Falle, man sieht unsere Politiker als legitimiert an, den Lissaboner-vertrag durchzuwinken, bedeutet das noch lange nicht, daß dieser 'demokratischen Inhalts' sein muß. Auch gewählte Abgeordnete können die Tür zu totalitäten Strukturen öffnen.
"Regierungen sind Repräsentaten des Volkes und damit demokratisch legitimiert, solche Entscheidungen auch zu treffen. Vielmehr muß man vor reinen Plebisziten ausdrücklich warnen, da hier das sogenannte Volk - wie in Irland geschehen und auch in GB heute jederzeit belegbar - von Interessensgruppen a la Murdoch, Springerpresse nach Art des "Panem et Circenses" maßgeblich beeinflußt wird."
Das Volk wird *immer* durch die Presse und von Interessensgruppen beeinflußt, auch und vor allem bei der Bundestagswahl. Es wählt die Katze im Sack. Ich sehe nicht warum die Beeinflußung bei einer Bundestagswahl geringer sein soll als bei einem Plebiszit. Durch Plebiszite soll, in sehr wichtigen Fragen, das Volk seine ausdrückliche Zustimmung geben können. Schließlich soll das Volk ja regieren und wir haben eine sog. repräsentative Demokratie, weil wir Arbeitsteilung bevorzugen und sich das Volk nicht jedes Mal mit politischen Entscheidungen herumschlagen, sondern sich auf seine Arbeit, seine Spezialität konzentrieren soll. Aber wenn es darum geht, die grundlegende Form des Systems zu verändern, dann sollte das Volk schon befragt werden.
"Welcher Wähler, so frage ich, hat in Irland schon das Vertragswerk gelesen? Wieviele würden es hier tun?"
Welcher Politiker hat es gelesen? Das ist die Frage.
Ich fände es toll wenn die Journalie die Politiker mal zu den Details fragen würde. Da würdes sich aber Lücken zeigen. Traut sich nur keiner.
... immer noch diese uralten Argumente? Aber gerne nochmal:
"Regierungen sind Repräsentaten des Volkes und damit demokratisch legitimiert, solche Entscheidungen auch zu treffen."
Demokratisch legitimiert ist ein Euphemismus. Nur Entscheidungen können derart legitimiert sein, nicht Personen, schon gar nicht wenn sie während des Wahlkampfes nur lügen.
"wie in Irland geschehen und auch in GB heute jederzeit belegbar - von Interessensgruppen a la Murdoch, Springerpresse nach Art des "Panem et Circenses" maßgeblich beeinflußt wird."
So? In D gab es eine wahrnehmbare EU-Gegenbewegung? Muss mir irgendwie entgangen sein! Alle von mir frequentierte Presse brachte nichts als Jubelmeldungen, selbst im ÖR gab es keine kritischen Töne zu hören. Warum auch? Sämtliche Konzerne hoffen auf Gewinnnsprünge und neue Märkte.
Aber du hast natürlich recht, das Volk ist leicht manipulierbar. Ganz anders als unseren unkorrumbierbaren, vollkommen unbeeinflussten 500 Parlamentarier, die nur und wirklich ausschliesslich in unserem Sinne handeln, *lol*, in welchem Land lebst du?
"Welcher Wähler, so frage ich, hat in Irland schon das Vertragswerk gelesen?"
Und welcher Politiker? Nachweislich keiner. Allein Umfang und unverständliche Formulierung des Werkes ist eine Frechheit.
"wird sich bei der nächsten Wahl bereits schon beweisen."
Hoffen wir nicht!
... aber in diesem Falle von diesem Kommentar.
> In Irland findet in einer Woche ein neue Volksabstimmung statt – in einer ersten Abstimmung hatten die Iren den Vertrag abgelehnt und die EU damit in eine tiefe Krise gestürzt. <
In Irland findet Demokratie statt, im Gegensatz zu Deutschland. Die Regierungen repräsentieren schon länger nicht mehr das Volk sondern sind "wirtschaftshörig". Dass wir alle vier Jahr ein Kreuz machen dürfen hat mit Demokratie sehr wenig zu tun.
Das macht die angestrebte (und schon existierende) Form der EU nicht demokratischer. Von den darüber abstimmenden Abgeordneten hat zum Zeitpunkt der Abstimmung auch kaum (niemand?) jemand den Inhalt des Lissaboner-Vertrags gelesen, geschweige denn verstanden. Es wurde nur abgenickt. Wenn so etwas möglich ist, braucht man sich nicht wundern, wenn die Alarmglocken beim Bürger schrillen. gesetzt dem Falle, man sieht unsere Politiker als legitimiert an, den Lissaboner-vertrag durchzuwinken, bedeutet das noch lange nicht, daß dieser 'demokratischen Inhalts' sein muß. Auch gewählte Abgeordnete können die Tür zu totalitäten Strukturen öffnen.
Die Hürde gab es nie in Deutschland, denn es hat keine öffentliche Diskussion in den Medien stattgefunden, wohl nach dem Motto "Schütze den, der dir das Brot reicht...."
...aber er ist Teil der profitierenden Interessengruppe. Man mußte es also befürchten.
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