Man mag ja davon halten, was man will, aber die Fernseh-Duelle der amerikanischen Präsidentschaftswahlkämpfe sind eine einzige Serie aufwändig produzierter TV-Shows. Eine Beleuchtung wie im Rock-Konzert, fantastische Bühnen-Designs und großartige Musik. Das Ganze wird live im Fernsehen, in den großen Radio-Netzwerken und im Internet übertragen.

Vorneweg gibt es noch zahllose Countdown-Shows, zu denen die Sender nur die Stars unter den Meinungsmachern einladen. Nach dem Duell folgen dann endlose After Shows, die manchmal länger dauern als das eigentliche Duell.

Vielleicht können Sie sich nun ja vorstellen, wie es mir dabei erging, im Auftrag von ZEIT ONLINE die lang erwartete und einzige Debatte zwischen den beiden deutschen Spitzenkandidaten Kanzlerin Merkel und Frank-Walter Steinmeier zu beobachten. Leicht verdientes Geld für jemanden wie mich? Nicht wirklich.

Als stolze Amerikanerin muss ich darauf hinweisen, dass ich eine harte politische Debatte so sehr genießen kann wie das Super-Bowl-Endspiel. Dazu gehört etwas Drama, eine Portion gegenseitiger Schuldzuweisungen und ein gerütteltes Maß an Wadenbeißereien.

Verstehen Sie es nun also bitte nicht als Ausdruck meiner Geringschätzung, aber die Debatte, die ich da gestern von den USA aus im Internet verfolgt habe, sah eher so aus, als würden zwei Autoren auf einer Bibliothekars-Tagung um einen Literaturpreis wetteifern, als dass zwei altgediente Politiker um das wichtigste politische Amt im Land kämpfen.

Ich schreibe “sah so aus wie”, weil ich kein Wort Deutsch verstehe. Mein Auftrag war einzig, in einem ruckeligen Online-Video die Körpersprache der beiden Kandidaten zu beobachten, zu analysieren welche Gesten und Bewegungen sie einsetzten, um Herz, Verstand und Wählerstimmen ihrer Zuschauer für sich zu gewinnen. Ich fühlte mich dabei wie in einer dieser Gameshows, wo man mit verbundenen Augen versucht, einen Hawaii-Urlaub zu ergattern.

Auffällig an beiden Kandidaten war der Mangel an mimischem Ausdruck, wie etwa einem Lächeln. Damit meine ich noch nicht einmal, ein breites Lachen oder ein Augenzwinkern. Ich meine nur ein kleines bisschen energetischer Körpersprache, mit der die Kandidaten vermittelt hätten: “Ich weiß, dass Ihr da draußen seid. Ich weiß, dass Ihr zuschaut.” Kanzlerin Merkel hat das ein paar Mal kurz geschafft und ihre ganze Person wurde dadurch gleich aufgehellt.

 

In der Körpersprache der beiden war sichtbar, dass sie sich nicht besonders mögen. Ich hatte auch nicht den Eindruck, dass sie sich gegenseitig unsympathisch sind. Manchmal sah es sogar so aus, als würden sie für dasselbe Team spielen. Aber ihre Körpersprache vermittelte keine Wärme oder Vertrautheit miteinander.

Bei so einem hochkarätigen Event habe ich mich auch sehr darüber gewundert, dass beide Kandidaten derart uninteressante Farben getragen haben. Herr Steinmeier, bitte lassen Sie Ihren schwarzen Anzug noch eine Weile im Schrank. Kalendarisch ist es immer noch Sommer und warum nicht diesen letzten Sommertagen auch modischen Ausdruck verleihen? (Allerdings stamme ich aus Kalifornien und hier sind wir schon dankbar, wenn unsere gewählten Vertreter nicht auch noch mit Badelatschen im Abgeordnetenhaus erscheinen.)

Der Bundeskanzlerin würde ich dagegen höflichst empfehlen, auch einige Herbstfarben zu tragen. Vergessen Sie nicht, Sie kommen im Fernsehen. Stärkere Farben würden Sie von Ihrem Gegenkandidaten noch deutlicher absetzen und Ihr Publikum für Sie einnehmen. Halten Sie sich nur vom Stil Sarah Palins fern. Versuchen Sie beispielsweise ein weiches Blau oder selbst ein tiefes Rosa, wie Hillary es in letzter Zeit trägt und damit fabelhaft aussieht. Nur Ihre Korallenkette, die sollten Sie in jedem Fall behalten!