Reaktionen auf das TV-DuellTodlangweilig oder bloß sachorientiert

Nach dem Duell ist die Opposition sich einig: Die Große Koalition will weitermachen. Und die SPD erscheint ein wenig überrascht über ihren Kandidaten von 

Merkel und Steinmeier bei ihrem TV-Auftritt, den viele Beobachter nicht wirklich als Duell wahrnahmen

Merkel und Steinmeier bei ihrem TV-Auftritt, den viele Beobachter nicht wirklich als Duell wahrnahmen  |  © dpa - Bildfunk

Wer wissen will, wie das TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrem Herausforderer Frank-Walter Steinmeier ausgegangen ist, der sollte vielleicht nicht unbedingt SPD-Chef Franz Müntefering fragen. Denn dessen Meinung stand mutmaßlich schon vorher fest. "Das ist der Durchbruch im Wahlkampf. Frank-Walter Steinmeier ist der eindeutige Sieger", gibt Müntefering unmittelbar nach dem Ende der Debatte noch im Fernsehstudio in Berlin-Adlershof zu Protokoll.

Auch Unionsfraktionschef Volker Kauder weiß natürlich hinterher genau so sicher wie vorher, wer besser war. "Die Kanzlerin war souveräner", befindet er.

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Und doch: Diesmal dürfte es wohl der SPD-Chef sein, der sich für seine Analyse etwas weniger zusammenreißen muss. Tatsächlich wirkt das Lächeln, das Franz Müntefering an diesem Abend zur Schau stellt, deutlich entspannter als in den vergangenen Wochen.

Denn während Umfragen in letzter Zeit für die SPD zumeist nichts Gutes verhießen, ist es nun anders: Laut ARD fanden 43 Prozent der Zuschauer Steinmeier insgesamt überzeugender als Merkel, nur 42 Prozent sahen die Kanzlerin vorn. Ein Prozentpunkt, das mag wenig erscheinen, doch es ist ziemlich viel, wenn man bedenkt, wie groß der Sympathieabstand des Herausforderers auf die Kanzlerin in den letzten Monaten stets war.

Und noch ein anderer Wert gibt der SPD Halt für die kommenden zwei Wochen: Vor allem bei denen, die sich ihrer Wahlentscheidung noch nicht sicher sind, hat Steinmeier deutlich besser abgeschnitten als Merkel.

In der Sendung Anne Will sitzt unterdessen Merkels alter Rivale, der bayerische Ex-Regierungschef und Ex-CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber. Ausgerechnet ihm ist hier die Aufgabe zugedacht, die Kanzlerin zur Siegerin zu erklären. Er tut zunächst, was naheliegt. Lobt erstmal den "sachorientierten" Dialog. "Naja", räumt Stoiber dann jedoch ein. Ein Duell sei das, was man da eben gesehen habe, wohl wirklich nicht gewesen. Aber das findet er nun gerade gut. Es sei doch auch wohltuend, dass die beiden nicht vergessen hätten, dass sie vier Jahre gemeinsamer Politik hinter sich haben, erklärt er.

Dann rutscht ihm allerdings doch noch so ein Satz heraus, der ein bisschen verräterisch ist. Dass Merkel in der Bewertung der Zuschauer höchstens gleich gut abgeschnitten hat wie ihr Herausforderer habe wohl damit zu tun, "dass es nicht zu einer solchen Überlegenheit gekommen ist, wie erwartet". Bei ihm und seinem Konkurrenten von einst, Gerhard Schröder, sei es genauso gewesen, fügt er hinzu. Doch der Vergleich funktioniert höchstens mit umgekehrten Vorzeichen – und ist deswegen für Merkel nicht wirklich schmeichelhaft. Damals nämlich war Stoiber der Herausforderer, der – zumindest in der eigenen Erinnerung – besser abschnitt als erwartet.

Leserkommentare
  1. als Verhohnepiepeln des Souveräns ist das, was bei dieser 09-UNWAHL die Mächtigen dieser linkisch-linken Krummenrepublik auf breitester Palette, völlig ungeniert anbieten!

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    • hamkon
    • 14. September 2009 8:18 Uhr

    und die Freiheit des deutschen Besitzbürgertums gründet sich auf die strukturell gleichen Mittel und Methoden. Auf Unterdrückung, Entkultivierung und materielle Ausbeutung qua Sklaven-, Dumping- und Erpressungslohnsysteme.

    Es scheint bedenklich zu sein, nun auch in Deutschland entsprechende Han-Argumentationen bemerken zu müssen.

    Es lebe die Diktatur des internationalen Investorismus und seiner Schildknappen vom Wachregiment der INSM.

    Verzweifelt und ohne Erfolg haben Angela Merkel und Herr Steinmeier versucht gegen einander zu polemisieren.
    In unseren politisch korrekt kulturellen Diktaturen, in denen alle Politiker grundlegend bei derselben Meinung sind, ist es kein Wunder wenn die Debatten (aber sind das wirklich Debatten?) so langweilig und Enttäuschend wirken. Wieder einmal, die wesentlichen Themen, was die neue Entwicklung der Menschheit angeht, wurden nicht debattiert. Abtreibung, Legalisierung der Homo-Ehe, Embryonale Stamm Zell Forschung, katastrophale Demographie…
    Frau Merkel, Herr Sarkozy, Segolene Royale Herr Steinmeier und sind im Grunde genommen durchaus austauschbar.

  2. Man wettet auf Koalitionen, die entweder nicht möglich sind, weil ihnen die Mehrheit im Parlament fehlt oder die als Große Koalition eine garantierte Mehrheit im Parlament haben, aber vom Wähler nicht gewünscht sind oder man negiert ganz einfach den Wählerwillen, weil man Koalitionen in Bausch und Bogen ablehnt.

    2013 wird der Souverän erneut an die Urne gerufen. Die beiden ehemaligen Volksparteien dürften dann Wahlergebnisse um die 20% zu erwarten haben.

    • hamkon
    • 14. September 2009 8:11 Uhr

    Heute repräsentieren die ehemals bürgerliche Parteien genannten Politwirtschaftsorganisationen mit Namen CDU/CSU, FDP, SPD und Teile von Bündnis 90 / Die Grünen, jene systemischen Funktionärsgruppe, die einst als die "Neue Klasse" von den internen Kritikern in den stalinistischen K-Parteien des Ostblocks gegeißelt wurden.

    Heute stellt die "Neue Klasse" in Deutschland jene Gruppe von egoistischen, egomanen und egozentrischen Kaderfunktionären dar, die das Geschäft der K-Gruppen besorgen. "K" als Kennzeichen des Besitzbürgertums, welche mit dem über 60 Jahre angehäuften Kapitalbesitz heute in unverantwortlich egoistischer Weise umgehen und dem Artikel 14 des GG derart zu wider handeln, dass die 2. Säule unserer Verfassung, nämlich die Gewähr von Beitz und Eigentum ebenso obsolet ist, wie der Artiel 14 GG.

    So gesehen, haben wir mit dieser "Wahldebatte" nichts anderes erlebt als die Selbstdarstellung der Totengräber der 2. Deutschen Republik.

    Die journalistische Seite dieser Veranstaltung erinnerte ebenso an die Zustände in der Ostzone, wo Journalisten systemkonformistische Fragen stellten und sich jeder Erwähnung der Kernkritikfragen enthielten.

    Kapitalertragssteuer. Tobinsteuer. Vermögenssteuer. Infrastrukturnutzungssteuer. etc., etc.

    Das war pures DDR-Fernsehen, nur eben aufgemotzt und umvokabularisiert.

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    • hede
    • 14. September 2009 11:23 Uhr

    Erstmal, in der DDR hätten sie sowas über die Regierung gar nicht schreiben dürfen, ohne im Knast zu landen.

    2. Die beiden Kandidaten haben nunmal 4 Jahre zusammen Regierung gemacht. (Weil die WAHL des Volkes keine andere Regierung machbar machte) Da kann sich ja nun keiner hinstellen und eine Regierung total schlechtmachen, die er selbst angehört hat. Das ist doch wohl logisch, das als DDR Fernsehen zu bezeichnen ist eine Frechheit.

    • hamkon
    • 14. September 2009 8:18 Uhr

    und die Freiheit des deutschen Besitzbürgertums gründet sich auf die strukturell gleichen Mittel und Methoden. Auf Unterdrückung, Entkultivierung und materielle Ausbeutung qua Sklaven-, Dumping- und Erpressungslohnsysteme.

    Es scheint bedenklich zu sein, nun auch in Deutschland entsprechende Han-Argumentationen bemerken zu müssen.

    Es lebe die Diktatur des internationalen Investorismus und seiner Schildknappen vom Wachregiment der INSM.

    Antwort auf "Nichts weiter..."
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    • hede
    • 14. September 2009 11:31 Uhr

    Sie verwechseln da aber wohl was. Es sind die Tibeter, die unterdrückt werden und es sind die Han, die die Kultur der Tibeter zerstören wollen. Und den Han in Tibet geht es wirtschaftlich wesentlich besser, als den Tibetern.

    Davon ab, was hat das mit der TV-Debatte zu tun?

    Lernen Sie erstmal zu schätzen, was es heisst in einer Gesellschaft zu leben, in der Sie keine Angst haben zu müssen aufgrund Ihrer Meinung oder Kritik an der Regierung eingesperrt und gefoltert zu werden. Und hier steht es jedem frei, welche Partei er wählt und wenn ihm keine passt, dann kann er eine eigene gründen.

  3. Frau Merkel ist ihrem Titel "Teflon-Kanzlerin" wieder äußerst gerecht geworden. 90 Minuten hat sie alle Angriffe an sich abprallen lassen, keine Reibungsfläche gezeigt und ohne mit der Wimper zu zucken, sozialdemokratische Positionen okkupiert.
    Wenn dieser Wahlkampf als Unwahlkampf in die Geschichte eingeht, dann ist wohl Merkels Strategie aufgegangen: die Sozialdemokratisierung der Union. Und die Absicht ist durchschaubar: den rechten Flügel der Sozialdemokraten in die Hegemonie einzuschließen und darauf setzen, dass die Linke das Übrige mit dem linken Flügel tut. Dann werde die SPD schon von selbst marginalisiert.
    Umso erfrischender, dass wenigstens Frank-Walter Steinmeier Positionen bezogen hat. Die SPD hat's aber auch schwer: Zwischen linkem Wolkenkuckucksheim und christdemokratischer Beliebigkeit mit Vernunft und Argumenten zu punkten, fällt schwer. Aber es gibt eben nur einen seriösen Kandidaten in diesem Wahlkampf.
    Traurig war es allerdings schon, dass die zunehmende Schere zwischen Armen und Reichen in unserem Land, die Armut und Chancenlosigkeit von vielen Kindern, in der Diskussion keine Rolle gespielt hat. Bedrückend die Aussicht, dass ausgerechnet die "Tigerentenkoalition" das Schlimmste sein wird, was den Kindern aus prekären Verhältnissen passieren kann.

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    Leider wurde das Thema Bildung völlig ausgelassen. Übehaupt hört man davon leider fast keine statements.
    Was ist mit mehr Studienplätzen? Wie wird mit unserem wichtigsten Rohstoff "Bildung" umgegangen?
    Das finde ich als junger Wähler sehr schade.

    • Zapp54
    • 14. September 2009 9:02 Uhr

    die CDU FDP JETZT noch wählen ??

    UND

    WER wählt diesen H4-BüroKraten F.W. Steinmeier ??

    DAS würde mich mal interessieren....!!

  4. Leider wurde das Thema Bildung völlig ausgelassen. Übehaupt hört man davon leider fast keine statements.
    Was ist mit mehr Studienplätzen? Wie wird mit unserem wichtigsten Rohstoff "Bildung" umgegangen?
    Das finde ich als junger Wähler sehr schade.

    Antwort auf "Teflon-Kanzlerin"
    • hede
    • 14. September 2009 11:23 Uhr

    Erstmal, in der DDR hätten sie sowas über die Regierung gar nicht schreiben dürfen, ohne im Knast zu landen.

    2. Die beiden Kandidaten haben nunmal 4 Jahre zusammen Regierung gemacht. (Weil die WAHL des Volkes keine andere Regierung machbar machte) Da kann sich ja nun keiner hinstellen und eine Regierung total schlechtmachen, die er selbst angehört hat. Das ist doch wohl logisch, das als DDR Fernsehen zu bezeichnen ist eine Frechheit.

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