Online-Wahlkampf Das Netz wählt mitSeite 2/2
Die beste Online-Strategie hilft auch nichts, wenn der Kandidat kein mediales Talent hat. Wenn Barack Obama zwischen zwei Terminen noch kurz Basketball spielt und die Fotos davon später ins Netz wandern, dann ist das cool. Wenn Frank-Walter Steinmeier in seinen Online-Videos erzählt, er sei eher ein Stones-Typ als ein Beatles-Typ, wirkt er nicht cool, sondern gekünstelt. Das ist nicht fair, aber Online-Wahlkämpfe nützen eher dem Politiker-Typus des Direktkandidaten. Er oder sie muss nicht gut aussehen, aber in jedem Fall sehr gut kommunizieren und nahbar wirken. Ein deutscher Listenplatz-Politiker wie Steinmeier, der nicht mit Rhetorik, sondern mit Geduld, Loyalität und Sachverstand nach oben kam, hat es in einem Online-Wahlkampf ungleich schwerer.
Fast alle Elemente deutscher Wahlkämpfe, ihre Finanzierung, ihre Wählermobilisierung, ihr Prozess der Meinungsbildung und der Ausleseprozess ihres politischen Personals folgen anderen Regeln als in den USA. Entsprechend andersartig werden sich auch deutsche Online-Wahlkämpfe entwickeln müssen.
Wer deshalb aber glaubt, das Internet habe in Deutschland eine geringere Bedeutung als in den USA, macht einen Fehler. Laut einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen nutzt bereits ein Drittel der Deutschen das Netz, um sich politisch zu informieren. Auffällig ist auch, dass Spitzenpolitiker in Deutschland und in den USA bei Online-Diskussionen regelmäßig zu netzpolitischen Themen Stellung beziehen müssen, die in den traditionellen Medien noch kaum behandelt werden, etwa zur Zukunft der Netzneutralität. Auf der Online-Plattform „Erst Fragen, dann wählen“, einem gemeinsamen Projekt von ZEIT ONLINE, ZDF und StudiVZ, bei dem Online-Nutzer Fragen an Spitzenkandidaten des Bundestagswahlkampfes stellen können, rangiert beispielsweise nicht das Thema Studiengebühren auf Platz eins der populären Fragen, sondern der Streit um die Netzsperren. Im StudiVZ-Ranking der populärsten Parteien führt sogar die Piratenpartei mit rund 66.000 Anhängern, gefolgt von der CDU mit nur etwa 23.000 Anhängern. Noch sind netzpolitische Themen nicht wahlentscheidend. Politiker und auch Journalisten sollten die wachsende Macht der Netzöffentlichkeit aber nicht mehr unterschätzen.
- Datum 11.09.2009 - 16:26 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT
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Müssen wir wirklich jeden amerikanischen Blödsinn mitmachen?
Ich wähle doch nicht eine Partei/Person nur weil sie gut aussieht und mir Bilder schickt die ihn/sie beim Sport zeigen.
Auch das Herr Steinmeier eher ein Stones als ein Beatles Typ ist ist doch vollkommen egal - abgesehen davon das er guten Musikgeschmack hat:-)
Das Internet wird und soll auch ein Teil der politischen Kultur sein, der Politikern den direkten Kontakt zum Wähler und anders herum ermöglicht. Ein kleiner Beitrag auf dem Weg zur wahren Demokratie.
Was ein Politiker in seiner Freizeit macht oder nicht macht sollte uns genauso egal sein wie der Politik was wir als Privatpersonen zu Hause oder im Internet machen.
Am liebsten würden so einige politische Kräfte - so habe zumindest ich das Gefühl - ja in Deutschland das Netz am liebsten verbieten. Man hat es politischerseits nicht so gerne, mit früheren Auslassungen konfrontiert zu werden. Nach dem Amoklauf von Winnenden war für mich das Winden und Wiegen einiger politischer Kräfte einfach nur noch peinlich, als man sie mit ihren vollmundigen Ankündigungen nach den Vorfällen von Erfurt und Emsdetten konfrontierte und sie direkt fragte, was sie denn nun da so unternommen hätten und was von ihren damaligen Forderungen umgesetzt wurde. Da wurde dann ganz schnell einmal auf rund 10% Wählerklientel verwiesen, auf starke Lobbygruppierungen, mit denen man es sich nicht verderben könne.
Solche Fragen sind nun mit belegbaren Zitaten im Netz. Man braucht nur nachzuschlagen. Unter solchen Bedingungen ist das Netz eine Art politische Bedrohung - konfrontiert es doch alle Sonntagsredner direkt mit ihren Äußerungen.
Zitat: "Politiker und auch Journalisten sollten die wachsende Macht der Netzöffentlichkeit aber nicht mehr unterschätzen."
Das Internet ist eine Revolution vergleichbar mit der Buchdruckmaschine oder der Dampfmaschine, nur eben digital! Das haben Politiker und Journalisten einfach verpennt, jetzt wachen sie langsam auf. Jetzt merken sie, dass das Medium Internet schnell, mächtig und demokratisch ist. Und da es dort freien Meinungsaustausch mit u.a. regierungskritischen Berichten zu finden gibt, will die Politik einen Korken drauf. Das muss verhindert werden, damit freie Meinungsäußerung auch zukünftig möglich ist.
Freiheit statt Angst und Zensur!
Ein nur klientelbezogenes Motiv der Nutzung von Internet wäre der Sache auch nicht dienlich. Die Möglichkeiten des Internets kennen, sie akzeptieren und mit zu helfen, die Möglichkeiten des Einzelnen und der Gesellschaft zu verbessern. Das müsste das Ziel der Politik sein. Aber sie hat, übrigens wie immer, erst mal die Instrumentalisierung zu eigenen, insbesondere zu fiskalischen Zwecken auf der Agenda. Dabei sind die Unterteufel bereits viel weiter als die oben denken. Aber auch im positiven Sinn, wie z. B. etliche Kommunen und Dienstleistungsangebote beweisen.
Aber auch der Netzbürger sollte sich bewusst sein, dass das Internet nicht dazu dienen sollte, allgemeingültige virtuelle Realitäten zu schaffen, vielleicht Unerwünschtes auszuschließen oder beides gegeneinander auszuspielen. Die rote Ampel ist kein Instrument von Zwangsherrschaft oder Terrorbereitschaft gegenüber den Radfahrern.
Die Profile sind in vielen Fällen statisch, als "Poesiealbum für Erwachsene" angelegt. Interessant wird das Engagement im Netz aber erst, wenn Fragen und Antworten darüber vermittlet werden. Abgeordnetenwatch oder Twitter ist deswegen mE wesentlich relevanter als eine Sammlung von Freuden auf Facebook.
die brauchen schätzungsweise 5 Jahre, um das Internet zu kapieren.
Einige haben es schon kapiert, die fordern hier jetzt durch Strohmänner(-frauen) Filterung.
Sollen wir uns das bieten lassen?
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