Anonyme Hinweisgeber wurden Thomas B. zum Verhängnis. Sie lieferten der Polizei und einigen Journalisten Ende August umfangreiches Material darüber, was sich bei dem 22-jährigen Rechtsextremisten so alles finden lassen würde – und die Ermittler wurden tatsächlich fündig: Der Lörracher "Stützpunktleiter" der NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten (JN) hatte sich seit Monaten bei Internet-Versandfirmen Chemikalien in größeren Mengen beschafft, offenbar, um daraus Sprengstoff herzustellen. Jetzt sitzt er in Untersuchungshaft.

Polizisten verhafteten Thomas B. Ende August. Der Neonazi macht derzeit eine Ausbildung zum Altenpfleger. Als Mitglied eines Schützenvereins besitzt er einen Waffenschein. Neben der erlaubten Pistole fand die Polizei scharfe Munition und ein Schweizer Sturmgewehr, das dem Kriegswaffenkontrollgesetz unterliegt.

Die Informanten hatten den Computer des Rechtsextremen offenbar Monate lang infiltriert. ZEIT ONLINE liegen minutiöse Protokolle über Internet-Einkäufe, Auszüge aus seinem E-Mail-Verkehr und Blog-Einträge vor. Thomas B. beschaffte sich Zündschnüre, elektrische Bauteile für Fernzünder und Material zum Herstellen von Rohrbomben. Experten der Polizei halten die beschlagnahmten Chemikalien für geeignet, innerhalb weniger Stunden Sprengstoff herzustellen. Auch einen Ganzkörperanzug aus einem Online-Sexshop besorgte sich der ehemalige Skinhead B. – vermutlich als Chemikalien-Schutzanzug oder um DNA-Spuren an einem Tatort zu vermeiden.

In dem Material der Hinweisgeber finden sich die Namen mehrerer, regional bekannter Neonazis, die sich ebenfalls für explosive Chemikalien interessierten. Dennoch verzichtete die Polizei zunächst auf weitere Durchsuchungen. Die Autonome Antifa in Freiburg, die den linken Szenetreff KTS als ein Ziel des mutmaßlichen Bombenbauers vermutet, beklagte sich, die Ermittler nehmen die Gefahr nicht ernst. Dass es in der Nacht zum 9. September im KTS brannte, hält die Antifa für einen Anschlag. Auch die Landtagsabgeordneten Stephan Braun (SPD) und Uli Sckerl (Grüne) kritisierten das defensive Vorgehen der Polizei und des Verfassungsschutzes.

Ende vergangener Woche wurden nun die Wohnungen von "acht Personen durchsucht, mit denen der Beschuldigte in Kontakt stand", teilte die Staatsanwaltschaft mit. Bei einem der Männer stellten Polizisten "Substanzen" sicher, "die für die Herstellung von Sprengstoffen verwendet werden könnten".

Viel mehr teilen die Staatsanwaltschaft sowie die gemeinsame Ermittlungsgruppe des Landeskriminalamts (LKA) und der Polizeidirektion Lörrach nicht mit. Vor allem Computer seien beschlagnahmt worden, die Beweismittel müssten noch ausgewertet werden. Gegen die acht Männer werde ermittelt, Haftbefehle seien zunächst nicht erlassen worden. Es seien auch einzelne Objekte außerhalb Baden-Württembergs durchsucht worden.

Aus den anonymen Hinweisen vom August geht hervor, dass Thomas B. eng mit dem Lörracher NPD-Stützpunktleiter Christoph B. zusammen gearbeitet hat. In einer E-Mail des NPD-Mannes an den verhafteten Kameraden heißt es: "Du hast noch Chemikalien im Wert von ca. 76.- Euro bei mir, die du über mich bestellt hast." Christoph B. wird wohl die Person sein, die laut Pressemitteilung der Ermittler "in der Vergangenheit auch Chemikalien für den 22-Jährigen bestellt hatte" und bei der sich jetzt für den Bombenbau geeignetes Material fand. Christoph B. wollte 2005 für die NPD in den Bundestag einziehen.

Thomas B. ist also offenbar kein Einzeltäter. Die "Vorbereitung eines Explosionsverbrechens", so der Gegenstand der Ermittlungen gegen Thomas B., geschah im Dunstkreis der NPD und ihrer Nachwuchsorganisation. ZEIT ONLINE liegt ein Protokoll des JN-Landesverbandes vor, aus dem hervorgeht, dass der neue JN-Stützpunkt Lörrach unter Leitung von  B. die Stadt Freiburg, das Breisgau, den Hochschwarzwald und Emmendingen betreuen sollte. B. besuchte mindestens eine JN-Kaderschulung.

In einer E-Mail, die der stellvertretende NPD-Landesvorsitzende und JN-Bundesvizechef Alexander Neidlein an Thomas B. geschrieben haben soll, heißt es: "Ich hoffe das wir mit euch einen fähigen Außenposten aufbauen können, von dem aus dann das südbadische Gebiet systematisch angegriffen wird." Auch eine Mail von B. an NPD-Landeschef Jürgen Schützinger, in der B. sich für "Glückwünsche zum Wiegentag" bedankt, liegt ZEIT ONLINE vor.