Rassismus-Vorwürfe gegen Rüttgers Rumänen, Esel und eine Entschuldigung

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Rüttgers steht wegen seinen abwertenden Äußerungen gegen Ausländer zunehmend in der Kritik. Die Grünen fordern seinen Rücktritt.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU)

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU)

Armin Laschet hat Sorgen. Der über die Grenzen des größten Bundeslandes hinaus bekannte Integrationsminister befürchtet, dass das "einzigartige Integrationsklima" durch die aktuelle Debatte über die Wahlkampfauftritte von Jürgen Rüttgers leiden könnte.Der Christdemokrat Laschet hat allerdings weniger die Sorge, dass die heftig kritisierten Sätze seines Kabinettschefs das politische Klima belasten. Er rückt vielmehr die Attacken des politischen Gegners in den Mittelpunkt und versucht damit, Ursache und Wirkung zu verdrehen.

In der Tat haben die wahlkämpfenden politischen Gegner von Jürgen Rüttgers dessen Vorlagen für neue Attacken genutzt, obwohl sich der Düsseldorfer Ministerpräsident am späten Freitagabend zu einer Entschuldigung durchgerungen hat. "Ich wollte niemanden beleidigen", hatte er - auch auf Druck der Bundespartei - gesagt, nachdem seine Attacken auf dem Videokanal Youtube verbreitet wurden. Rüttgers war bei Auftritten im Kommunalwahlkampf in mindestens drei Veranstaltungen sowohl Chinesen wie Rumänen rüde angegangen. "Die kommen, wann sie wollen, die gehen, wann sie wollen und haben keine Ahnung, was sie tun", hatte er über rumänische Arbeitnehmer im Nokia-Werk in dem osteuropäischen Land gesagt, wo nach dem Ende in Bochum jetzt die Mobiltelefone gebaut werden. In Duisburg arbeitete er sich außerdem noch an Chinesen ab: "Wenn die dann nicht endlich in Duisburg investieren wollen, dann werden die auch noch gewürgt, so lange, bis sie Duisburg schön finden."

Die Chefin der Bundestags-Grünen, Renate Künast, warf Rüttgers wegen seiner Wortwahl "Rassismus pur" vor, SPD- Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier sieht außenpolitischen Schaden für die Bundesrepublik, weil ein Ministerpräsident Rumänen beleidige und Chinesen verspotte. Im Düsseldorfer Landtag fürchtet man sich in der Tat im Moment vor einem chinesischen Abend, der am kommenden Mittwoch stattfinden soll. Die stellvertretende SPD-Parteichefin Andrea Nahles kritisiert im Gespräch mit dem Tagesspiegel auch die Erklärung der CDU, Rüttgers habe sich nur vor die Arbeitnehmer im Ruhrgebiet stellen wollen. "Es gibt allen Grund, den Fleiß und die Arbeitskraft der Menschen im Ruhrgebiet zu loben - aber nicht um den Preis, dass man Arbeitnehmer aus anderen Ländern denunziert." Dem Anspruch von Rüttgers, sich für die Interessen der Arbeitnehmer einzusetzen, werde seine Politik jedoch nicht gerecht. "Ein Esel, der schwarz-weiße Streifen hat, ist noch lange kein Zebra", meinte die SPD-Politikerin.

Rüttgers Worte sorgen trotz seiner Entschuldigung weiter für Wirbel, weil er die entsprechenden Zitate mehrfach benutzt hat und sie Teil seiner Standardrede im Wahlkampf waren. Für Duisburg und Münster existieren Bilddokumente, in Bonn hat er sich ähnlich ausgedrückt; übrigens ohne dass die neben ihm stehende Parteichefin Angela Merkel sein Verhalten öffentlich gerügt hat.

Den Rassismus-Vorwurf der eigenen Fraktionsvorsitzenden Künast halten Landesgrüne dennoch für übertrieben. "Das ist überzogen, aber er macht mit latent ausländerfeindlichen Sprüchen Stimmung wie Roland Koch", urteilt Reiner Priggen aus der Landtagsfraktion und unterstellt Rüttgers Methode: "Der macht das bewusst und deshalb hoffe ich, dass die Zivilgesellschaft ihm das nicht durchgehen lässt." Dass Armin Laschet seinen Kabinettschef auch noch öffentlich verteidigt, bedauert Priggen: "Rüttgers macht mit seinen Ausfällen alles kaputt, was Laschet in drei Jahren aufgebaut hat."  

 
Leser-Kommentare
  1. Bravo Herr Rüttgers. Endlich jemand der sagt was er denkt. Wieviel denken genauso und trauen sich nur nicht das zu sagen. Sind wir schon wieder so weit?

  2. Ein Stimmenfang mit Sprüchen, die auch von NPD und DVU kommen könnten kennen wir ja von Herrn Rüttgers und Herrn Koch. Traurig - aber wenig überraschend - ist es, dass Frau Merkel dies ignoriert, solange sich die Mehrheit nicht dagegen ausspricht.

  3. Isser nich'n mieser Kerl? Irgendwie konnte ich ihn noch nie so richtig leiden mit seiner ekelhaften feuchten Aussprache.

    [Anm.: Wir moechten Sie bitten, zu einer sachlichen Diskussion zurueckzukehren. Danke. /Die Redaktion pt.]

  4. Das ist die Politik und die Sprache unserer Politiker. Wehe, wenn einer nicht rund wie eine Billiardkugel geschliffen ist. Dann fallen sofort alle über ihn her und fordern seinen Kopf. Das ist Deutschland heute, das sind seine Politiker, das sind seine Menschen. Keiner traut sich mehr seine wahre Meinung zu sagen. Wenn die auch nur einen Jota vom Mainstream abweicht, fallen alle wie die Hyänen über einen her. Eine Gesellschaft, die anders denkt als sie nach außen hin vertritt, ist faul. Das ist das Übel und nicht ein paar robuste Vergleiche, die ich sehr gut nachvollziehen kann.

  5. Zur Bitte der Redaktion zu einer sachlichen Diskussion zurückzukehren:

    Das ist nun mal das Los der Internetforen. Schade nur, dass es auch die seriösen Blätter in diesem Land trifft. Ich kann nicht nachvollziehen, dass Leser, die nun wirklich vom Niveau her bei der "ZEIT" nichts verloren haben, ihre Plattidüden zum Besten geben.

    Es gibt nun wirklich zahlreiche andere Foren, bei denen sie besser aufgehoben sind. Ich kann der Redaktion der "ZEIT" nur raten, hier rechtzeitig den berühmten Riegel vorzuschieben, bevor man auch die Leser vergrault, denen an einer sachlichen Diskussion gelegen ist.

    • xperi
    • 06.09.2009 um 21:10 Uhr

    Es wird sich doch wohl objektiv feststellen lassen, ob Herr Rüttgers recht hatte!

  6. Liebe Politiker aller Parteien, mehr habt Ihr nicht zu bieten? Das ist alles? Persönliche Angriffe auf den politischen Gegner? Aus dem Zusammenhang gerissene Zitate? Wahlkampf unterhalb der Gürtellinie?

    Als Bürger und Wähler fordere ich alle Politiker auf:
    - sich mit den wirklichen Problemen unseres Landes auseinander zu setzen,
    - sich mit den aktuellen Themen inhaltlich zu beschäftigen,
    - selber aktiv Lösungen für Probleme zu erarbeiten,
    - miteinander sachlich um die richtigen Lösungen zu streiten,
    - Entscheidungen nach eigenem Sachverstand zu treffen,
    - unabhängig von der Parteiraison zu entscheiden,
    - klar Stellung zu beziehen oder aber zu schweigen,
    - kurz, klar und allgemein verständlich zu sprechen,
    - auf rhetorische Schnörkeleien zu verzichten.

    Liebe Politiker, sie wollen wieder gewählt werden? Sie wollen viele Stimmen erhalten? Es ist ganz einfach! Hören Sie auf:
    - sich auf das Nichtfunktionierende zu konzentrieren,
    - eigenes Fehlverhalten zu verleugnen,
    - stundenlang zu reden ohne etwas zu sagen,
    - Ihren politischen Gegner persönlich anzugreifen,
    - immer nur nach Umfrageergebnissen zu schielen,
    - Argumente politisch Andersdenkender verzerrt zu interpretieren,
    - Aussagen Ihrer politischen Gegner aus dem Zusammenhang zu reissen,
    - Rhetorik wichtiger zu nehmen als Inhalte.

    Kurz: werden Sie einfach wieder zu Menschen. Ohne sich zu verbiegen. Berechenbar und verlässlich. Mit Macken und Fehlern. Und zum Anfassen. Superman ist Illusion!

    • hardob
    • 06.09.2009 um 21:31 Uhr

    darauf muss man nicht lange warten, in Zeiten der Krise werden die Arbeiter,genauer die abhängig Beschäftigten aufeinander gehetzt. Das sichert Macht und Einfuss. Und dann auf einmal ist der rumänische oder belgische oder chinesische Arbeiter schuld, dass es im Ruhrgebiet oder in Hessen nicht mehr genügend ausreichend bezahlte Arbeit gibt. Das Kapital, das sich seinen Renditezielen verschrieben hat, das hat damit nichts zu tun in den Augen von CDU-Ministerpräsidenten im Wahlkampf.

    @ haTikvah Wenn einer oben auf der Lüge thront, dann doch wohl der geschätzte Ministerpräsident des Landes Hessen, Herr Roland Koch, da sollten Sie doch lieber manchmal schweigen

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