Das Ausmaß der Aktivitäten der sogenannte Sauerland-Gruppe wird immer deutlicher. Erst kürzlich haben sie angegeben, an Angriffen auf US-Militärlager in Afghanistan beteiligt gewesen zu sein. Nun hat der Angeklagte Adem Yilmaz gestanden, Rekruten für den Dschihad in Deutschland angeworben zu haben. Einige von ihnen seien außer Landes gereist. Das sagte Yilmaz am Mittwoch vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht.

In dem Prozess sind insgesamt vier Männer angeklagt, im Auftrag der Islamistischen Dschihad Union (IJU) Anschläge mit Autobomben auf US-Einrichtungen in Deutschland geplant zu haben. Die Gruppe war im September 2007 im sauerländischen Oberschledorn aufgeflogen. Bei ihnen waren 730 Liter Wasserstoffperoxid sichergestellt worden, der nach Überzeugung der Ermittler der Grundstoff für verheerende Autobomben sein sollte.

Adem Yilmaz sagte nun aus, in mehreren Fällen den Kontakt von Bereitwilligen zur Terrorgruppe IJU in Pakistan hergestellt und die Männer dort empfohlen zu haben. Laut Anklage hat Yilmaz sechs junge Männer angeworben, die 2007 aus Deutschland ausreisten. Der Mitangeklagte Daniel Schneider soll zwei weitere angehende Terroristen, darunter Eric Breininger, nach Pakistan in Terrorcamps vermittelt haben.

Einer der von Yilmaz rekrutierten Männer soll Cüneyt C. gewesen sein. Er starb am 3. März 2008 bei einem Selbstmord-Anschlag auf ein ISAF-Lager in Afghanistan. Dabei riss er vier weitere Menschen mit in den Tod. "Ich habe die dahin geschickt, weil die da hinwollten", sagte Yilmaz. "Wie viele einer tötet, entscheidet Allah." Er habe die Männer nach ihrem Durchhaltevermögen und ihrer Hinwendung zum Islam ausgewählt. "Ich habe denen gesagt: Das wird kein Kinderspiel. Ihr werdet da auch bombardiert", sagte er.

Den Angeworbenen habe er auch Verhaltenshinweise vor der Ausreise gegeben. So sollten sie nicht, wie es eigentlich für Dschihadisten üblich sei, vor der Abreise ein Testament machen. "Die Familien haben herumgesponnen. Die Eltern hätten Probleme gemacht und die Polizei eingeschaltet, um die Ausreise ihrer Söhne zu verhindern", sagte Yilmaz.

Dass einige der Rekruten wieder nach Deutschland zurückgekehrt seien, wie der in Frankfurt angeklagte Hüseyin Ö., habe ihm missfallen. "Ich hatte denen gesagt: Kommt nicht mehr zurück!" Die Rückkehrer hätten damit rechnen müssen, sofort festgenommen zu werden. Warum sie nach Deutschland zurückgekehrt seien, wisse er nicht. Sie müssten aber nicht unbedingt Anschläge planen: "Viele Europäer halten es da wirklich nicht aus und brechen die Ausbildung ab", sagte Yilmaz über die pakistanischen Ausbildungslager.

Der Angeklagte Daniel Schneider berichtete, am 8. März 2007 einer Entführung durch US-Agenten nur knapp entronnen zu sein. In Neunkirchen habe er einen dunkelblauen Chrysler-Van mit getönten Scheiben bemerkt. An dem Wagen hätten bullige Typen mit Mini-Kopfhörer im Ohr auf ihn gewartet. Das Kennzeichen habe die typische Buchstaben-Kombination des US-Militärs gehabt. Er sei über eine Treppe davongerannt.

Nach seinen Angaben sei er damals auch observiert worden und habe Besuch vom Verfassungsschutz gehabt. Der hätte sich für seine Zeit in Pakistan interessiert. Er habe sich 120 Kennzeichen von Autos notiert, die er für Observationsfahrzeuge gehalten habe.

Bis jetzt sollen die vier Angeklagten im Prozess in umfassenden Geständnissen die gegen sie angeführten Anschuldigungen im Wesentlichen bestätigt haben.