Bundestagswahl Irrlichternde Genossen zwischen Schwarz, Grün und Gelb
Wie ein Gespann, das in verschiedene Richtungen zieht: Ein Teil des SPD-Spitzenpersonals setzt offiziell voll auf Ampel - ein anderer insgeheim auf Große Koalition
Knapp zwei Wochen vor der Bundestagswahl diskutiert die SPD über ihre Koalitionsoptionen in der kommenden Wahlperiode. Die Meinungen darüber gehen innerhalb der Sozialdemokratie weit auseinander, die Ausgangslage ist denkbar schlecht: Ein Zusammengehen mit der Linkspartei haben die Sozialdemokraten ausgeschlossen, das favorisierte rot-grüne Bündnis ist weit von einer Regierungsmehrheit entfernt. Neben der Großen Koalition bleibt laut Umfragen als einzige Regierungsalternative eine Ampelkoalition. Doch genau diese hatte FDP-Chef Guido Westerwelle bislang weitgehend ausgeschlossen.
So wundert es nicht, dass manche in der SPD-Parteispitze die Fortsetzung der Großen Koalition ins Spiel bringen. Zunächst bezeichnete Bundesfinanzminister Peer Steinbrück eine Neuauflage von Schwarz-Rot als "kein Unglück". Zwischen Union und SPD gebe es "mehr denn je" Gemeinsamkeiten, sagte er laut stern.de. Zwar ruderte der SPD-Vize später zurück – "wir suchen nicht die Große Koalition, schließen sie aber nicht aus" – doch die innerparteiliche Debatte um die Machtoptionen der SPD war entfacht.
So schließt auch der scheidende SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Struck eine Neuauflage des schwarz-roten Bündnisses nicht aus. In der Tageszeitung Die Welt betonte er zwar, Große Koalitionen sollten "immer eine Ausnahme bleiben". Eine Fortsetzung der Koalition mit der CDU sei aber "nicht ausgeschlossen".
Dagegen werben der Parteivorsitzende Franz Müntefering und Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier verstärkt um die FDP, um eine Ampelkoalition zusammen mit den Grünen bilden zu können. "In Sachen Bildungs-, Außen- und Innenpolitik, Menschenrechte und Datenschutz, kleine und mittlere Unternehmen könnten wir mit der FDP einiges bewegen", sagte Müntefering der Augsburger Allgemeinen. Schwarz-Gelb könne aufgehalten werden. "Ein, zwei Prozentpunkte hin und her und Schwarz-Gelb hat keine Mehrheit: Dann ist die Tür des Kanzleramtes für Frank-Walter Steinmeier offen."
Zugleich sprach sich Müntefering gegen eine Fortsetzung der Großen Koalition aus: "Wir wollen sie nicht, weil sie aus demokratie-hygienischen Gründen auf Dauer nicht gut ist." Eine Ampel könnte ähnlich stabil sein, schließlich habe auch die Große Koalition aus drei Parteien bestanden: "Das war eine starke Herausforderung, dieser Dauerstreit zwischen CDU und CSU. Schwieriger als das wäre die Dreierkoalition Ampel sicherlich nicht." So sei er davon überzeugt, dass die FDP wüsste, "dass sie in einer Koalition mit uns und den Grünen, ein größeres Alleinstellungsmerkmal hätte, als wenn sie mit CDU und CSU unterwegs wäre".
Auch Steinmeier plädierte für eine Ampelkoalition. "Ich wünsche es mir", sagte er der Frankfurter Rundschau. Er wisse zwar, dass FDP-Chef Guido Westerwelle ein Bündnis mit der Union bevorzuge. "Soll er doch", sagte Steinmeier. Westerwelle übersehe, dass es keine Mehrheit für Schwarz-Gelb geben werde. Zugleich warnte der SPD-Spitzenkandidat vor Schwarz-Gelb. Wenn die FDP, die noch immer an den Markt ohne Grenzen glaube, auf den starken wirtschaftsliberalen Flügel der CDU treffe, seien die Spielräume für eine Politik mit Augenmaß dahin.
Die Äußerungen Steinbrücks sorgten nicht nur innerhalb der SPD für Empörung, sondern auch bei der Opposition. Die Grünen-Spitzenkandidatin Renate Künast sah darin eine "politische Bankrotterklärung". Steinbrück habe sich offenbar auf der Couch von Merkel häuslich eingerichtet. FDP-Generalsekretär Dirk Niebel wählte ähnliche Worte und warf der SPD vor, sie habe sich mit der Juniorrolle unter Merkel bequem eingerichtet. Der Vizechef der Linken, Klaus Ernst, wertete Steinbrücks Äußerungen als eine "Aufgabe-Erklärung".
- Datum 16.09.2009 - 08:54 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
- Kommentare 17
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So wird es sein. Die SPD hat sich aufgegeben und ergeben in eine neue große Koalition, weil sie sonst in die Opposition müsste. Und das wollen die partout nicht. Da warten wir mal ab, was der Wähler will. Eine 21-24% Volkspartei ist nicht gerade überragend. Arme SPD, dior steht nur eine kleine Auswahln an Möglichkeiten zur Verfügung. Due größte wäre jedenfalls die Rolle in der Opposition. Aber man klammert sich halt an die Macht und die FDP will auch an die Macht, nur nicht mit der SPD! Das wären auch nicht gut. Westerwelle dürfte "hart" bleiben, sonst bekommit seine Partei zurecht wieder das Etikett "Umfallerpartei".
war das, als Merkel kürzlich herausposaunen ließ, sie werde Steinbrück auf jeden Fall einen hochdekorierten Posten verschaffen, er habe es sich in der Koalition mehr als verdient.
Man sollte die Perle der Uckermark nicht unterschätzen, gelernt ist gelernt. AgitProp ist nix für Kinder.
Diese Umarmung beleuchtet das Elend deutscher Politik sehr genau.
war das, als Merkel kürzlich herausposaunen ließ, sie werde Steinbrück auf jeden Fall einen hochdekorierten Posten verschaffen, er habe es sich in der Koalition mehr als verdient.
Man sollte die Perle der Uckermark nicht unterschätzen, gelernt ist gelernt. AgitProp ist nix für Kinder.
Diese Umarmung beleuchtet das Elend deutscher Politik sehr genau.
nur eine Chance für die SPD - die Oppositionsrolle. Mitte gibts doch wahrlich genug!
Die alte Schröderseilschaft hält sich krampfhaft am dünnen Machtseil fest. Schlau, schlau wäre es, wenn die durchlöcherten alten Herren von der SPD abtreten. Schwupp, auf einmal kämmen die Wählerstimmen zu Hauf ohne dieses krampfhafte Bemühen..
Aus wahlkampftaktischen Gründen muss man natürlich "die anderen" verteufeln, schließlich will man nicht, dass die eine Mehrheit kriegen. Hinterher wird man, dank unklarer Mehrheitsverhältnisse, dann doch mit ihnen zusammenarbeiten müssen. Also muss man sie gleichzeitig auch umarmen. Dabei übersieht man zumindest bei der FDP, dass die Auffangbecken für unzufriedene Unions-Stimmen ist: Wenn also Westerwelle in eine Ampel geht, weiß er, dass von den 12% oder so, die er jetzt bekommt (oder vielleicht sogar mehr) schnell nur die 3% Stammwähler übrig bleiben, weil der Rest ja nicht FDP wählt, um Rot-Grün zu bekommen.
Was wir am Ende bekommen, ist ja eigentlich jetzt schon klar: Eine Neuauflage der Großen Koalition, allerdings so weit geschrumpft, dass sie kaum mehr Stimmen hat als früher kleine Koalitionen hatten.
Irrlichternde Genossen?
Sie befinden sich auf dem Gang des "Knaben im Moor". Und keiner von den Schröder-Helden auf ihrem Weg ins Trügerische hat die von der Dichterin AvDH. erwähnte "Fibel", als den Grundlehrstoff der Sozialdemokratie, mehr in der Hand, oder im Tornister.
So fliegen sie in Billigfliegern - oder sie lächeln auf geschönten Plakaten und mit Uraltsprüchen - und haben sich eine Schatten-Mann-Frauschaft zusammengestellt, die nach der Wahl mit in den Abgrund muss: "Tand, Tand ist das Gebilde von" ... Müntes Hagerei und Hand.
Dieser Nichtwahlkampf und das "Duell" bestätigen doch letztlich, dass uns eine Partei regiert, die CSDPUD. Wo sind denn noch die qualitativen Unterschiede zwischen den Koalitionsparnern? Statt einer neuerlichen grossen Koalition wäre die Gründung einer Gesamtpartei konsequenter!
Fuer diese "Volkspartei" spielt es offensichtlich keine Rolle fuer was sie eigentlich in ihrem inneren steht! Das einzige was interessiert ist an der Macht zu bleiben. Ob mit Erzkonservativen, oder Neoliberalen. Solange ein Regierungsstuehlchen dabei herausspringt ist alles egal.
an der Macht bleiben ist alles. Opposition bedeutet Stillstand für die eigene Karriere. Eben bekam ich per ost einen Brief von Herrn Steinmeier. Als estes bedankt er sich dafür, daß ich den Brief lese.
Das muß er auch. Denn es kostet mittlerweile schon ganz schön Überwindung, sich anzuhören, wie sozial die SPD sein werden wollen würde, wenn .... Weiß Herr Steinmeier nicht mehr, daß er zusammen mit Schröder und Hartz an der sozialen Situation in Deutschland maßgeblichen Anteil hat. Oder meint er, alle Wähler hätten Alzheimer?
an der Macht bleiben ist alles. Opposition bedeutet Stillstand für die eigene Karriere. Eben bekam ich per ost einen Brief von Herrn Steinmeier. Als estes bedankt er sich dafür, daß ich den Brief lese.
Das muß er auch. Denn es kostet mittlerweile schon ganz schön Überwindung, sich anzuhören, wie sozial die SPD sein werden wollen würde, wenn .... Weiß Herr Steinmeier nicht mehr, daß er zusammen mit Schröder und Hartz an der sozialen Situation in Deutschland maßgeblichen Anteil hat. Oder meint er, alle Wähler hätten Alzheimer?
ist ja auch nicht gerade das Steckenpferd der SPD. Aber wen störts? Die SPD nimmt jeden, hauptsache am Schalthebel der Macht.
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