SPD-Vorsitz Erst Wahlkampf, dann Machtkampf

In der SPD könnte unmittelbar nach der Wahl ein Machtkampf ausbrechen. Drängen die Genossen Müntefering zum Rücktritt? Wer könnte sein Nachfolger werden?

Auch nach Sonntag noch ein Team: Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier und SPD-Chef Franz Müntefering

Auch nach Sonntag noch ein Team: Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier und SPD-Chef Franz Müntefering

Der 27. September rückt immer näher, die SPD spürt zwar im Wahlkampf mittlerweile Rückenwind, aber gleichzeitig wächst die Nervosität. Dabei haben die Sozialdemokraten den Blick längst nicht mehr nur auf den Wahlkampf-Endspurt gerichtet, sondern auch auf den Machtkampf danach.

Offiziell kämpfen zwar alle Genossen noch um jede Stimme. Hinter vorgehaltener Hand jedoch spekulieren viele bereits darüber, wie es in der SPD nach der Wahl personell weitergehen wird. Und je nach dem, wie die SPD am Sonntag abschneidet, könnte der Machtkampf schon in den 48 Stunden nach der Bundestagswahl eskalieren.

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Für Franz Müntefering wird es eng. Vor allem dann, wenn die SPD in die Opposition muss. Aber selbst, wenn es der SPD gelänge, sich noch einmal in die Große Koalition zu retten, werden die Tage von Müntefering an der Spitze der SPD womöglich gezählt sein. 30 Prozent, so lautet eine Spekulation in der Partei, könnte für den 68-Jährigen am Sonntag zur entscheidenden Marke werden. Viele Sozialdemokraten machen den Parteichef für die unbefriedigende Performance und die Pannen im Wahlkampf verantwortlich. Viele wollen gerne unmittelbar nach der Wahl den Generationenwechsel an der Parteispitze, der 2005 noch gescheitert war, vollziehen.

Zwar hat Müntefering angekündigt, er werde unabhängig vom Ausgang der Bundestagswahl im November noch einmal für den Parteivorsitz kandidieren. Doch die Zahl seiner innerparteilichen Widersacher ist in den letzten Wochen stark gewachsen. Längst haben sich die potentiellen Nachfolger in Stellung gebracht, allen voran Umweltminister Sigmar Gabriel und Arbeitsminister Olaf Scholz. SPD-Vize Andrea Nahles hingegen soll ihre Ambitionen auf dem SPD-Vorsitz zurückgestellt haben. Sie ist die jüngste in dem Trio und kann auch noch ein paar Jahre warten.

Dagegen hat mittlerweile auch Kanzlerkandidat Steinmeier offenbar Ambitionen, die über ein Regierungsamt hinausgehen. Er habe politische Verantwortung ”nie gescheut und werde sie auch weiterhin tragen“, erklärte dieser Mitte der Woche in einem Zeitungsinterview. Steinmeier hat sich vor allem durch seinen Einsatz im Wahlkampf in der Partei Respekt erarbeitet. Um ihn zusammen mit Müntefering unmittelbar nach der Wahl ins politische Abseits drängen zu können, muss die Niederlage am Sonntag schon drastisch ausfallen.

Seit Wochen bereits sammeln die Parteiflügel ihre Truppen, längst werden strategische Allianzen geschmiedet. So soll beispielsweise Müntefering versucht haben, sich mit Gabriel zu verbünden. Aber das Rennen um den Parteivorsitz ist offenbar noch nicht entschieden. Scholz, Gabriel oder Steinmeier? Oder bleibt vielleicht doch Müntefering? Eine wichtige Weiche im innerparteilichen Machtkampf wird am Dienstag nach der Wahl gestellt. Dann treffen sich die neu gewählten Abgeordneten des Bundestages in Berlin zu ihrer ersten Sitzung und küren einen neuen Fraktionsvorsitzenden. Amtsinhaber Peter Struck hat sich bereits aufs Altenteil verabschiedet, die Wahl seines Nachfolgers gilt als erstes und möglicherweise bereits vorentscheidendes machtpolitisches Kräftemessen.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    "Viele Sozialdemokraten machen den Parteichef für die unbefriedigende Performance und die Pannen im Wahlkampf verantwortlich."
    an der performance war wie üblich nichts auszusetzen. nur haben viele wähler mittlerweile gelernt, zu vergleichen, wie groß die unterschiede zwischen wahlversprechen einer partei und ihrer späterer ausführung sind.
    keine partei ist frei von solchen unterschieden, die spd ist jedoch ungeschlagener rekordhalter. das einem müntefering als wahlkampffehler in die schuhe zu schieben, ist schon recht dreist.

    was das machtkämpfchen anbelangt, das in diesem artikel (glaubwürdig) prognostiziert wird, bedeutet das nur, das noch ungewisser ist, was der wähler mit einem kreuz bei der spd letztendlich bekommt ... katze imi sack ;-)

  2. dem das "S" im Namen der SPD mehr bedeutet, als den letzten Inhabern dieser Position seit Schröder!

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    dieser Erwartung kann ich nur zustimmen.

    dieser Erwartung kann ich nur zustimmen.

    • Viva2
    • 25.09.2009 um 14:44 Uhr

    steht für alles, was den Niedergang der SPD ausmacht, selbst die strammsten Parteisoldaten sehen das allmählich ein.
    Rente mit 67, Agenda2010, Hartz IV und DAS Zitat: Wir werden an unseren Wahlversprechen gemessen, das ist unfair.

    • Jokus
    • 25.09.2009 um 15:50 Uhr

    Das nenne ich einen doch arg seltsamen Journalismus: Noch ist die entscheidende Wahl nicht hinter uns, sondern vor uns, da wissen die Herrschaften schon vom Streit danach zu berichten..

    Sowas nannte man einst "im Kaffee-Satz lesen, nun ist der Kaffee jedoch nicht mal getrunken, geschweige verschüttet, doch - wie sagt man so schön, Sie hören das Gras wachsen....

    Gut, gut, wenn so in der Kantine oder beim Bier am Abend philosphiert wird, doch jetzt, drei Tage vor der Wahl?

    Also kurz: Das ist nicht nur unnötig, sondern auch unfair.

  3. dieser Erwartung kann ich nur zustimmen.

    Antwort auf "Hoffentlich jemand,"
    • Hokan
    • 25.09.2009 um 18:16 Uhr

    misst sich daran, in wieweit sie von einer Seeheimer Partei Deutschlands wieder zu einer Sozialdemokratischen Partei Deutschlands werden – Postendiskussion hin oder her. Solange der rechte und wirtschaftsliberale Flügel um den Seeheimer Kreis konkurrenzlos Politik und Spitzenbesetzung dieser Partei bestimmt, hat diese Partei keine Chance, an ihre so verdienstvolle Geschichte anzuknüpfen. Solange ihr linker und sozialer Flügel gebrochen und schwach zu Boden hängt, wird sie keine Luft unter die Schwingen bekommen. Eine liberaldemokratische SPD wird auf Dauer nur mit FDP, Union und Grünen konkurrieren können. Links wird sie weiteren Raum kampflos freigeben. Eine SPD auf Dauer in der Regierung als Juniorpartner von CDU/CSU wird diese Koalition in naher Zukunft zu einer Kleinen Koalition werden lassen – völlig unabhängig davon, welche Namen dann die Parteiführung bestimmen.

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    Wenn ich den Autor richtig verstehe, dräut eine ScholzParteiDeutschland.

    Alte Politik mit altem (eigentlich abgehalftertem) Personal in neuen (?) Schläuchen.

    FDP und SPD haben wohl beide ein gemeinsames Projekt 18% . Vielleicht schaffen die Parteien das bei den nächsten Wahlen. Die FDP hätte jedoch die 18% keineswegs verdient.

    Wenn ich den Autor richtig verstehe, dräut eine ScholzParteiDeutschland.

    Alte Politik mit altem (eigentlich abgehalftertem) Personal in neuen (?) Schläuchen.

    FDP und SPD haben wohl beide ein gemeinsames Projekt 18% . Vielleicht schaffen die Parteien das bei den nächsten Wahlen. Die FDP hätte jedoch die 18% keineswegs verdient.

    • Piepe
    • 25.09.2009 um 18:46 Uhr
    7. 1984

    oder für welche Politik steht Müntefering?

    Viele Geldleistungen für Einkommensschwache
    wurden in der Vergangenheit gekürzt oder nicht
    an Wirtschaftswachstum und Preissteigerung angepasst.
    Dagegen wurden Steuerlasten von Einkommensstarken
    massiv gesenkt. Z.B. beschert
    die tarifl iche Gesamtwirkung der 1998 begonnenen
    Einkommensteuerreform ab 2005 dem
    Durchschnittsverdiener pro Jahr eine Steuerentlastung
    von 1.340 Euro, dem Spitzenverdiener
    aber von 104.000 Euro – die dieser seitdem Jahr
    für Jahr als „staatliche Vermögensbildungsprämie“
    seinem schon großen Vermögensbestand
    hinzufügen kann.

    Soviel zum Heuschrecken Münte.

    Und für diese Verlogenheit muss er weg!

  4. Die linken Flügelschläge Steinmeiers werden noch unangenehm aufstoßen, denn am Sonntagabend wird er wissen, es geht weiter als Vize von Merkel.

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    etwa 50% der Propheten werden sich am Wahlabend an die eigene, so kluge Brust klopfen, der Rest steht dann als "Verlierer" da. Viel Lärm um nichts. Die Menschen werden hoffentlich ohne die Leser aus dem Kaffeesatz ihre eigene Entscheidung zur WSahl getroffen haben.

    etwa 50% der Propheten werden sich am Wahlabend an die eigene, so kluge Brust klopfen, der Rest steht dann als "Verlierer" da. Viel Lärm um nichts. Die Menschen werden hoffentlich ohne die Leser aus dem Kaffeesatz ihre eigene Entscheidung zur WSahl getroffen haben.

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