Am Dienstag leitete Dieter Althaus die Kabinettssitzung in Erfurt, am Mittwoch traf er erstmals seit der Landtagswahl auf seine Fraktion. Zum Glück für den Noch-Ministerpräsidenten nahmen an der Sitzung all diejenigen, die wegen des schlechten Ergebnisses der CDU bei der Landtagswahl ihr Mandat verloren haben, jedoch schon nicht mehr teil. Die Anwesenden dagegen ersparten Althaus kritische Nachfragen, auch zu seinem Verhalten in den vergangenen Tagen.

Althaus, der am vergangenen Donnerstag zurückgetreten war, am Montag dann allerdings überraschend erklärt hatte, er bleibe bis zur Wahl eines neuen Ministerpräsidenten im Amt, habe vor der Fraktion seine Gründe für sein Verhalten erläutert, hieß es aus Teilnehmerkreisen. Dabei sei er allerdings ziemlich allgemein geblieben. Im Wesentlichen habe er die gleichen Argumente angeführt wie schon auf der Pressekonferenz tags zuvor: Er habe einerseits den Sondierungsgesprächen nicht im Weg stehen wollen, sehe sich aber bis zur Wahl eines neuen Ministerpräsidenten gleichwohl in der Verantwortung. Eine Aussprache zu dieser Erklärung gab es nicht.

Finanzministerin Birgit Diezel, die Althaus gerne als Parteivorsitzende beerben möchte, sprach nach der Sitzung von einem "harmonischen Treffen". Alle Irritationen seien nun ausgeräumt.

Am Rande der Sitzung wurden einzelne Abgeordnete jedoch deutlicher. Nur weil Althaus sich in den vergangenen Jahren große Verdienste erworben habe, seien sie nun bereit, sein aktuelles Verhalten mitzutragen, sagten sie. Dem langjährigen CDU-Vorsitzenden solle so die Möglichkeit gegeben werden, sein Gesicht zu wahren. Zugleich äußerten sie allerdings die Erwartung, dass Althaus die Amtsgeschäfte mit "Zurückhaltung" führen werde. Althaus habe bei seinem Auftritt so "mechanisch" gewirkt wie schon am Tag zuvor, sagte einer der Teilnehmer.

Der Machtkampf um die Nachfolge von Althaus im Amt des Ministerpräsidenten war dagegen schon am Dienstag entschieden worden. Dem Vernehmen nach hatte Althaus ursprünglich vorgehabt, in der Pressekonferenz am Montag seinen engen Vertrauten, den bisherige und künftigen Fraktionschef Mike Mohring, als Parteivorsitzenden vorzuschlagen. Zudem gab es den Plan, den früheren Ministerpräsidenten Bernhard Vogel als Interimslösung zurückzuholen.

Um dies zu verhindern, hatte Diezel am Dienstagmorgen Sozialministerin Christine Lieberknecht als Ministerpräsidentin vorgeschlagen. Ein anderer Getreuer organisierte am Vormittag die Unterstützung von elf Landräten und zehn Kreisvorsitzenden. Als dies bekannt wurde, beeilte sich auch Mohring, dem Vorschlag Lieberknechts zuzustimmen. Sie wurde später vom Präsidium der Partei einstimmig unterstützt. Auch in der Fraktion wurde der Vorschlag am Dienstag wohlwollend angenommen.

Sollten die Koalitionsverhandlungen für die CDU positiv verlaufen, wird allgemein damit gerechnet, dass sich Birgit Diezel als Parteivorsitzende wird durchsetzen können. Andernfalls könnte allerdings der Machtkampf zwischen Althaus-Getreuen und dem Diezel-Lieberknecht-Lager erneut aufflammen.