TV-Duell Riskante Wette auf die Zukunft

Nervige Moderatoren, ein erstaunlich redegewandter Herausforderer, eine Kanzlerin mit schlichtem Programm – Bilanz des einzigen TV-Duells zwischen Merkel und Steinmeier

Die Kanzlerin und der Herausforderer: Ihr TV-Duell war eher ein TV-Duett

Die Kanzlerin und der Herausforderer: Ihr TV-Duell war eher ein TV-Duett

Eines kann man mit Sicherheit sagen über dieses TV-Duell: Es wird in die Geschichte eingehen. Als das (hoffentlich) letzte in diesem unglücklichen Format: Vier Moderatoren arbeiten sich Thema für Thema an zwei Kandidaten ab, die Mühe haben, sich als Gegner zu sehen.

Das kann nicht spannend sein. Vor allem dann nicht, wenn die Leistung einiger der wenigstens zwei überzähligen Moderatoren sich darauf beschränkt, die Kandidaten fortwährend zu unterbrechen (Maybritt Illner), sich alberne Namen für Schwarz-Gelb auszudenken (Maybritt Illner: "Tigerenten-Koalition, hihi") oder hin und wieder selbstzufrieden in die Kamera zu grinsen (Frank Plasberg).

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Geirrt haben sich die Verantwortlichen der vier beteiligten Sender ARD, ZDF, Sat1 und RTL, die geglaubt hatten, dass eine solche Elefantenrunde der TV-Stationen funktionieren kann. Zu sehr waren die Moderatoren bemüht, im Konkurrenzkampf untereinander eine gute Figur zu machen. Zu sehr waren sie damit beschäftigt, ihre Fragen und Themen durchzupeitschen, als dass sie es gewagt hätten, den seltenen Momenten, in denen sich doch mal ein Streit zwischen den Kontrahenten anbahnte, freien Lauf zu lassen.

Geirrt hat sich aber auch Günther Jauch, der im Vorprogramm der ARD die Erwartungen zu dämpfen versuchte und prophezeite, dieses TV-Duell werde kein zweites "Wetten, dass?". Gerade das wurde es. Gewettet wurde auf die Zukunft.

Als Meisterin der Zukunftswette präsentierte sich an diesem Abend Angela Merkel. Ihr schlichtes Rezept hieß einmal mehr: Wachstum. Viel Wachstum. So viel, dass sich damit die gröbsten Probleme von selbst lösen werden. Gegen die Krise? Hilft Wachstum. Die horrenden Staatsschulden? Wachstum macht sie weg. Mehr Netto vom Brutto? Mit Wachstum. Steinmeiers Entgegnung, das funktioniere nur mit jährlichen Wachstumsraten von neun Prozent, verklang unerwidert. Dabei stimmt es: Merkels Wette ist riskant, und keiner vermag heute zu sagen, ob sie gewonnen werden kann.

Auch auf anderen Themenfeldern versuchte die Kanzlerin ihr "Alles wird gut"-Programm durchzuziehen. Atomkraft: Das wird schon – aller Störfälle und Skandale zum Trotz. Gesundheitsreform: Eine gute Sache, an der die Kanzlerin auch unter einer schwarz-gelben Regierung festhalten will, obgleich sie die Bezeichnung Reform nur schwerlich verdient. Kein schlechtes Wort über den Koalitionspartner SPD, dabei hätte Merkel gerade beim Gesundheitsfonds alles Furchtbare an diesem Werk dem Koalitionspartner in die Schuhe schieben können. Allein, sie tat es nicht.

Das ist das Dilemma der Kandidaten in diesem Wahlkampf: Man mag die eigene Regierungstätigkeit der vergangenen vier Jahre nicht schlecht reden, und lässt Angriffe auf den Koalitionspartner deshalb lieber bleiben. Fast, denn Frank-Walter Steinmeier hat es an diesem Sonntagabend immerhin versucht.

Gebetsmühlenartig warnte er vor den mutmaßlichen Schrecknissen einer schwarz-gelben Regierung. Es gelang ihm dieses eine Mal mit so viel Verve, dass es beim ein oder anderen wankelmütigen Wähler verfangen haben mag. Viel besser als Merkel – und vor allem: viel besser als sonst – brachte er es fertig, seine Agenda zu thematisieren, die mit dem Festhalten am Atomausstieg, der Deckelung von Managergehältern und der flächendeckenden Einführung von Mindestlöhnen zwar keineswegs neu ist, sich aber deutlich vom Unionsprogramm unterscheidet.

Schwach zeigte sich der SPD-Kandidat dagegen auf seinem ureigenen Gebiet, der Außenpolitik. Sein Versuch, die kürzlich bekannt gewordenen Pläne seines Außenministeriums für einen Abzug aus Afghanistan zu erklären, scheiterte kläglich. Tröstlich für Steinmeier: Auch die Kanzlerin meisterte den Afghanistan-Frageblock nicht besser.

Was bleibt von diesem Duell, das über weite Strecken keines war? Erinnern wird man sich – wenigstens ein paar Tage lang – an eine schnippische, bisweilen trotzig antwortende Kanzlerin, die mit der Moderatorenriege (zurecht) härter umsprang als mit ihrem Gegner. Erinnern wird man sich an einen ungewohnt redegewandten und gut gelaunten Herausforderer, der erst dann wieder der traurige SPD-Kandidat wurde, als man ihn am Ende daran erinnerte, dass seiner Partei jede realistische Koalitionsoption fehle, um den Kanzler zu stellen. Und man wird sich daran erinnern, dass die beiden Protagonisten so miteinander umgingen, dass sie ohne größere Verwerfungen weitere vier Jahre miteinander regieren können.

 
Leser-Kommentare
    • Zorbas
    • 14.09.2009 um 7:58 Uhr

    Dem Kommentar oben kann man eigentlich nicht mehr viel hinzu fügen. Zwei hochprofessionell eingestellte Kanditaten. 4 Moderatoren die Ihr Gehalt an diesem Abend nicht Wert waren. Illner redete teilweise länger als die Antworten der befragten.
    Ich verstehe immer noch nicht weshalb man nicht sämtliche Spitzenkandidaten eingeladen hat. Sicher wäre die Gefahr eines wilden Durcheinanders recht groß gewesen, aber dafür wären ja 4 Moderatoren da gewesen. Ich weiss leider immer noch nicht sicher was ich wählen werde. Und ich glaube, dass einige Wähler den anderen Parteien zugespielt wurden.

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    • Miku
    • 14.09.2009 um 11:36 Uhr

    Ich kann Ihnen zur zustimmen! Auch ich fand die Moderatoren wirklich schlecht- vor allem Frau Illner und Herrn Kloeppel, die in erster Linie Herrn Steinmeier unverschämt oft ins Wort gefallen sind.
    Meine Empfehlung für Ihre Wahl am 27.September: Wählen Sie die Grünen, oder die SPD,
    dann helfen Sie mit, dass Deutschland einen Schritt in eine zukunftsträchtige Richtung setzt. Das bedeutet: Raus aus der Atompolitik, bei gleichzeitig intensiver Unterstützung zukunftsfähiger Energien, und einen besseren Weg bei Fragen der Bildung und der sozialen Gerechtigkeit.
    Ich lade Sie gerne zu mir nach Bayern ein, und zeige Ihnen was passiert, wenn Rot und Grün lediglich in der Opposition sitzen. Ich zeige Ihnen den katastrophalen Zustand an den Schulen, nach der dilettantischen Einführung des achtstufigen Gymnasiums und führe Sie durch die letzten Naturidyllen und zeigen Ihnen die dortigen Großbaustellen der CSU. Angela Merkel hat keine guten Konzepte und das Märchen vom Steuersenken und das Dauermantra "Wachstum"- darauf fällt doch hoffentlich keiner mehr rein!

    • Miku
    • 14.09.2009 um 11:36 Uhr

    Ich kann Ihnen zur zustimmen! Auch ich fand die Moderatoren wirklich schlecht- vor allem Frau Illner und Herrn Kloeppel, die in erster Linie Herrn Steinmeier unverschämt oft ins Wort gefallen sind.
    Meine Empfehlung für Ihre Wahl am 27.September: Wählen Sie die Grünen, oder die SPD,
    dann helfen Sie mit, dass Deutschland einen Schritt in eine zukunftsträchtige Richtung setzt. Das bedeutet: Raus aus der Atompolitik, bei gleichzeitig intensiver Unterstützung zukunftsfähiger Energien, und einen besseren Weg bei Fragen der Bildung und der sozialen Gerechtigkeit.
    Ich lade Sie gerne zu mir nach Bayern ein, und zeige Ihnen was passiert, wenn Rot und Grün lediglich in der Opposition sitzen. Ich zeige Ihnen den katastrophalen Zustand an den Schulen, nach der dilettantischen Einführung des achtstufigen Gymnasiums und führe Sie durch die letzten Naturidyllen und zeigen Ihnen die dortigen Großbaustellen der CSU. Angela Merkel hat keine guten Konzepte und das Märchen vom Steuersenken und das Dauermantra "Wachstum"- darauf fällt doch hoffentlich keiner mehr rein!

  1. habe ich schon vorher noch gewusst.

    Ich fand die Moderatoren auch sehr blass, war aber schon zufrieden, dass Frau Illner nicht Ihre Standard Entgegnung: aber ein geschätzter Kollege hat dazu doch gesagt, benutzt hat.

    Ernsthaft: ich finde die Verteter des öffentlich rechtlichen FS sollten besser geschult werden.

    Und dass Herr Klöppel mit Jahreszahlen rumgespielt hat, statt z.B. zu fragen, weshalb die Bundeswehr vor Ort nicht hinreichend ausgerüstet wird, hat mich nicht wirklich beeindruckt; seine Zackingkeit hin oder her.

    Der Verlierer ist in meinen Augen der FS-Journalismus!

  2. Das Missverständnis der Moderatoren liegt darin, dass sie offensichtlich der Meinung waren, s i e müssten sich profilieren! Warum hat man nur diese Show-Egozentriker da vorne hingestellt? Klöppel war noch am erträglichsten. Die beiden Kanzler-Kandidaten waren dagegen bemüht, sachlich zu argumentieren. Das ist es, was die Zuschauer sehen wollen, nicht irgendwelche Show-Streitereien. Ein TV-Duell ist keine Unterhaltungssendung sondern eine Informationsveranstaltung. Peter Frey und Peter Hahne hätten die Sendung besser moderiert.

  3. Ich kann nur bestätigen dass die Journalisten beim Fernsehduell eine absolute Frechheit waren. Mit plumpen und primitiven Angriffen und ständigem unhöflichen ins Wort fallen haben sie versucht die Kandidaten aus dem Konzept zu bringen. Absolut schlecht! Hochachtung vor den beiden Kandidaten, die sich nicht haben provozieren lassen, denen es aber vor dem Eindruck, den die Fernsehjournalisten auf sie gemacht haben müssen, noch ein bisschen mehr Bange um Deutschlands Zukunft geworden sein müsste.

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    • sara19
    • 14.09.2009 um 11:52 Uhr

    ich fand es sehr unhöflich, dass die moderatoren dauernd beiden kandidaten ins wort gefallen sind. einmal zum beispiel als herr steinmeier gerade ansetzte "...im gegensatz zu frau merkel..." und dann wurde er leider "abgewürgt"...um ihm und seiner gegenkandidatin anschließend auch noch dauernd vorzuwerfen, sie würden ja garnicht "streiten". ich fand das von den moderatoren unglaublich lächerlich wie sie auf der einen seite alles bis in den millimeter reglementiert haben und dann verwundert taten, dass aus diesem verbalkäfig keiner ausbricht.
    eins weiß ich sicher, von diesen moderatoren würde ich keinen wählen!

    • sara19
    • 14.09.2009 um 11:52 Uhr

    ich fand es sehr unhöflich, dass die moderatoren dauernd beiden kandidaten ins wort gefallen sind. einmal zum beispiel als herr steinmeier gerade ansetzte "...im gegensatz zu frau merkel..." und dann wurde er leider "abgewürgt"...um ihm und seiner gegenkandidatin anschließend auch noch dauernd vorzuwerfen, sie würden ja garnicht "streiten". ich fand das von den moderatoren unglaublich lächerlich wie sie auf der einen seite alles bis in den millimeter reglementiert haben und dann verwundert taten, dass aus diesem verbalkäfig keiner ausbricht.
    eins weiß ich sicher, von diesen moderatoren würde ich keinen wählen!

  4. Das ist noch gnädig ausgedrückt.

  5. Es ist unerklärlich, weshalb die öffentlich-rechtlichen Sender meinen solch eine Sendung mit Moderatoren aus Unterhaltungssendungen (warum nicht gleich Gottschalk und Pilawa?) bestreiten zu müssen und hier nicht die Leiter der politischen Redaktionen oder die Chefredakteure zu Wort kommen. Die Privaten setzen auf Nachrichtensprecher/-vorleser, auch nicht besser.

  6. Etwas provozierend möchte ich dazu anmerken, welchen Sinn hat ein solchen TV-Duell? Als Wähler sind beide für mich nicht wirklich Kandidaten, denn ich kann sie beide nicht wählen.

    Ebenso könnte man ja auch zur Wahl des Bundespräsidenten eine solchen Sendung veranstalten, auch hier habe ich als Wähler keinen direkten Einfluß, nur mittelbar.

    Manches in diesem Land kommt mir ziemlich merkwürdig vor, aber das Volk wünscht sich halt sowas, könnte man meinen. Naja, vielleicht denke ich da auch einfach nur zu emotionslos nüchtern.

    Ich hab's mir nicht wirklich angeschaut, meine Frau schaute, ich binde mir meine Meinung langfristig und situationsbezogen.

  7. Um sich den Wählern bürgernah präsentieren zu können, muss man Merkel und Steinmeier auch ausreden lassen und nicht ständig dazwischen quaken.

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