TV-Duell "Tatort wäre spannender gewesen"

Von "Yes we gähn" bis "Bla, bla, bla" – das TV-Duell zwischen Kanzlerin Merkel und Herausforderer Steinmeier bekommt bei Deutschlands Kommentatoren keine guten Noten.

Duellanten und Moderaten: Das Zwei-plus-Vier-Gespräch blieb ohne klaren Gewinner

Duellanten und Moderaten: Das Zwei-plus-Vier-Gespräch blieb ohne klaren Gewinner

Yes, we gähn – Bild-Zeitung
"Das war fair! Das war staatstragend! Das war leider auch ziemlich langweilig. Merkel und Steinmeier machten aus dem angekündigten TV-Duell einen Kuschel-Gipfel á la Große Koalition. Kein mitreißendes "Yes we can" wie im US-Wahlkampf – eher ein "Yes we gähn"."

Duett statt Duell – Süddeutsche Zeitung
"Gegenseitig beleidigt haben sich die Kandidaten nicht, mehr Wattebausch als Säbel oder Pistole. Insofern war es doch mehr "ein Duett als ein Duell", wie einer der Moderatoren bemerkte. Das Format des Duells ist nicht geeignet, politische Inhalte zu transportieren. Das lag auch an den Moderatoren. Sie hätten besser nur Fragen gestellt, statt immer wieder eigene Meinung beizupacken. Die amerikanische Tugend, den Gesprächspartner ausreden zu lassen, kannten alle vier nicht. So war es am Ende mehr ein Duell zwischen Journalisten und Politikern. Und das ging nicht zu Lasten der Politiker aus."

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Kein heißes Rededuell – Neue Zürcher Zeitung
"Ein erster Eindruck brachte kein klares Ergebnis; auffallend war sicher, dass Merkel viel Biss zeigte und sehr erpicht darauf war, sich gegen die Moderatoren durchzusetzen. Damit versuchte sie dem Eindruck entgegenwirken, sie betreibe einen zu flauen, zu wenig engagierten Wahlkampf. Steinmeier wirkte grundsolide, sachlich und integer, blieb aber wenig mitreißend. Dass an diesem Abend die Fetzen fliegen würden, konnte allerdings niemand im Ernst erwarten. Für ein wirklich heißes Rededuell fehlten ganz einfach sämtliche Voraussetzungen."

Null zu Null – Sächsische Zeitung
"Das Duell, das oft wie ein Duett wirkte, endete torlos 0:0. Steinmeier war gefühlt einen Tick mehr am Ball, weil man vom Herausforderer noch weniger erwartete. Sieger müssen allerdings Tore schießen.
Inhaltlich gab es ohnehin wenig echt Alternatives. Die Kanzlerin und ihr Vize präsentierten sich dann auch im Kern als Vertreter der Sozialdemokratischen Einheitspartei."

Sachliche Atmosphäre – Neue Osnabrücker Zeitung
"Schon jetzt lässt sich sagen: Das Duell verlief sachlich. Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier sind nicht wie Kampfhähne aufeinander los gegangen – sie lobten das Gemeinsame der Großen Koalition, gerade in Krisenzeiten. Das hängt auch damit zusammen, dass sich keiner von vier Regierungsjahren distanzieren konnte. Im Übrigen waren große Unterschiede nicht immer zu erkennen. Daher dürfte das Duell auch kleinen Parteien nutzen."

Einheitsbrei – Stuttgarter Nachrichten
"Am Ende einer solchen Veranstaltung steht stets diese eine Frage: Wer hat gewonnen, wer verloren? Nun, wenn man das Duell, das keines war, genau deshalb als unentschieden wertet, dann hat der Herausforderer verloren, weil er nichts riskiert hat und schon gar nicht herausgefordert. Verloren haben die Zuschauer, und zwar in erster Linie Zeit und manche sicherlich auch die Geduld oder den Glauben an die demokratiebefeuernde Streitkultur deutscher Politik. Gewonnen hat Frau Merkel – schon deshalb, weil sie nicht verloren hat. Gewonnen haben aber vor allem jene, die gestern Abend nicht dabei sein durften im Fernsehstudio. Wer Alternativen sucht zum Bla, Bla, Bla, wer klare Positionen will statt Einheitsbrei, der erkundigt sich nun vielleicht nach Grün, Gelb, Dunkelrot."

Kleinklein – Berliner Zeitung 
"Klarer Richtungsstreit war nicht zu erkennen. Merkel gab Steinmeier keine Chance zur Profilierung, blieb Kanzlerin, offensichtlich bewusst. Steinmeier schaffte es nur für wenige Momente, den Angreifer zu geben. Ihm fehlte, und ihm fehlt offensichtlich grundsätzlich, die notwendige Brutalität, die Rücksichtslosigkeit gegenüber den vergangenen vier Jahren gemeinsamer Regierung. Dass es nicht heftiger zuging, daran sind auch die Moderatoren nicht ganz unschuldig. Zu viele Fragen in die Vergangenheit, zu wenig Provokation auf die Zukunft. Das hat es beiden leicht gemacht, im Kleinklein zu verharren. Wer wissen wollte, wie eine Welt von Schwarz-Gelb oder eine unter Führung einer SPD-Regierung aussieht, der ist nach diesem Abend nicht schlauer."

Wahlkampf belebt – Heilbronner Stimme
"Das einzige TV-Duell von Kanzlerin und dem SPD-Kanzlerkandidaten hat den bislang faden und müden Wahlkampf eindeutig belebt. Argumente, weniger die Parolen, wurden ausgetauscht. Im direkten Aufeinandertreffen ist es Frank-Walter Steinmeier immerhin gelungen, die Kanzlerin mit diplomatischem Geschick zu attackieren. Nicht laut polternd, sondern charmant lächelnd, nett und kompetent, einfach glaubwürdig. Die Bundeskanzlerin stand ihrem Herausforderer in Glaubwürdigkeit und Überzeugung in nichts nach. Allerdings wirkte Angela Merkel anfangs oft gehemmt. Die Favoritenrolle machte ihr sichtlich zu schaffen."

Tatort wäre spannender gewesen – Badische Neueste Nachrichten
"Der sonntagabendliche Tatort wäre packender gewesen, die Rosamunde Pilcher-Verfilmung farbenfroher: Das bereits zum wahlentscheidenden TV-Ereignis hochstilisierte Duell von Kanzlerin Angela Merkel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier verlief so wie man es erwarten durfte: sachlich, nüchtern, informativ. Kanzlerin und Vizekanzler blieben sich auch im Scheinwerferlicht der vier Fernsehsender treu und vermieden harte Attacken und allzu scharfe Positionierungen."

Das Duell, das keines war – Fränkischer Tag
"Das Duell, das keines war, hat aber immerhin eines deutlich werden lassen: Union und SPD richten sich insgeheim auf die Fortsetzung ihrer Koalition ein, auch wenn das so noch niemand sagen darf. Es sollte also vorher kein Porzellan zerschlagen werden. Das TV-Duell am Sonntag war also weder tödlich noch war es ein Zweikampf. Das Unentschieden wirkte irgendwie, als wäre es abgesprochen."

Pseudo-Event – Mindener Tagblatt
"Das soll es also gewesen sein, das "große(?) TV- Duell(?)". Nun, bei Lichte besehen war es weder eine Sternstunde des TV-Journalismus – eher im Gegenteil – noch eine Glanzleistung der politischen Kommunikation. Letztere hatte vielmehr Pflichtveranstaltungs-Charakter. Dennoch konnte der Zuschauer durchaus Informations-Gewinn aus dem von den Sendeanstalten gnadenlos hochgejubelten Pseudo-Event ziehen. Vorhang zu, alle Fragen offen."

 
Leser-Kommentare
  1. Warum soll es immer spannend sein! In der Medienberichterstattung scheint das Virus spannend und kämpferisch chronisch in den Köpfen
    der Journalisten herumzuspucken. Immer muss alles bewertet werden. Die Schulnoten hausen das ganze Leben im den Köpfen der meisten Menschen?
    Ist das eine Art des Darwinismus?

  2. Wie sollen diese beiden Witzfiguren denn bitte den Staat gegen die Selbstbedienungs-Mentalität der Finanz- und Wirtschaftsdiktatoren verteidigen?

    Da plündert die "private Finanzwirtschaft" die Rentenkassen der Gesellschaft und nimmt gleich Arbeitskraft und Einkünfte kommender Generationen in Geiselhaft und die Bundeskanzlerin macht nicht einmal Anstalten, den gerade abfließenden 100erten von Milliarden Euro Volksvermögen in die Hände einer korrupten Finanzmafia Einhalt zu gebieten. "Die Täter seien schon über alle Berge" - so ihre Position dazu. Dass wir aber in einer globalen Welt leben, in der auch die Räume hinter den sieben Bergen durchaus erreichbar sind, das hat sie noch nicht begriffen. Sie lässt es einfach laufen - unsere Vermögen und sie lässt damit leichtfertig zu, dass das Deutschland immer lebensunwerter wird.

    Steinmeier ist da nicht viel besser, denn er kündigt die sehr wünschenswerte Tobin-Steuer zwar an. Aber er kann sich sicher sein, sie niemals tatsächlich (gegen die Finanz-Lobby) durchsetzen zu müssen:

    1.
    Wird er wohl eher der neuen Opposition als der Regierung angehören und daher nicht mit der Not konfrontiert sein, die Tobin-Steuer innerhalb der G20 mit aller Härte (!) vertreten zu müssen.

    2.
    In einer möglichen weiteren großen Koalition werden die Sozen nicht das sagen haben. Und wenn Frau Merkel unser Volksvermögen schon verschleudert und abgeschrieben hat, dann wird gerade er nicht gegen Merkel rebellieren - das Harmoniebedürfnis ist zu groß.

    FM

  3. Das Bild im Aufmacher hat schon was bezeichnendes. Die 4 Moderatoren stellen sich in den Vordergrund, während die beiden Kanzlerkandidaten leicht unscharf bleiben.

    Ist damit nicht fast alles zu gestriger Sendung gesagt?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    waren weder gut noch höflich, machten aber einen eitlen und zeitweise herablassenden Eindruck. Kein Mensch interessiert sich schließlich für deren Meinung.
    Th.R.

    waren weder gut noch höflich, machten aber einen eitlen und zeitweise herablassenden Eindruck. Kein Mensch interessiert sich schließlich für deren Meinung.
    Th.R.

    • joG
    • 14.09.2009 um 11:38 Uhr

    Da diskutiert die zukünftige Kanzlerin mit eine der zwei möglichen Vizekanzler. Dieser will mit der Die Linke nicht koalieren, sodass er nur mit Merkel regieren kann.

    Es gibt als Alternative einer Regierung also nur Schwarz-Gelb, deren Kandidat ausgschloßen blieb. Da dies in einer wesentlichen Wahlveranstaltung im öffentlichen Fernsehen das lieber die Regierenden präsentierte, als die wesentliche Konkurrenz, ist das demokratisch sehr bedenklich und erinnert an die Vorgehen öffentlicher Stellen im Auftakt zu Wahlen in anderen undemokratischen Ländern wie Russland oder Iran.

  4. waren weder gut noch höflich, machten aber einen eitlen und zeitweise herablassenden Eindruck. Kein Mensch interessiert sich schließlich für deren Meinung.
    Th.R.

  5. Wieso mussten es gleich vier Moderatoren sein, um zwei Kandidaten zu befragen? Die Fragen waren doch vorbereitet und hätten genauso gut von einem, bestenfalls zwei Moderatoren gestellt werden können. So aber entartete der "Massenauftritt" der Moderatoren zum Wetteifer um deren jeweilige Selbstdarstellung. Es sollte in einer so wichtigen Diskussion, bei der es doch nur um eine Selbstdarstellung der Kandidaten gehen kann, das Unterbrechen der Befragten verboten sein. Der Moderator könnte sich am Ende der Antwort darauf beschränken, festzustellen, ob seine/ihre Frage nun beantwortet wurde oder nicht und gegebenenfalls eine klare Nachfrage formulieren. Eine daraus folgende Bewertung der Kandidaten kann man ruhig dem mündigen Zuschauer überlassen. Ausserdem halte ich die Aufforderung zur Vergabe von Schulnoten - gleich zu welchem Sachverhalt - schlichtweg für unangemessen.

  6. "Das Format des Duells ist nicht geeignet, politische Inhalte zu transportieren."

    Genau so ist es.

    Diese Form des Wahlkampfes lehne ich grundsätzlich ab, wie den Personenwahlkampf allgemein. Entsprechend verweigere ich dieses Schauspiel seitdem es diesen Unsinn in Deutschland gibt.

    Aber das passt ja nicht zu unserem geliebten Dumpfbacken-TV - viel zu langweilig, viel zu anstrengend wenn man mal zuhören und sein Hirn benutzen muß, anstatt sich am Geschrei der Duellanten bei Gerichts/Familien/Schulden-Shows zu ergötzen, schön befeuert von kalkuliert provozierenden Moderatoren.

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