Sozialdemokraten Spätere Intrige nicht ausgeschlossen
Die SPD will von ihrer Führung Mut und Autorität – aber sie will auch ihr Mütchen kühlen
Es soll nun in der SPD niemand glauben oder gar sicher davon ausgehen, dass alles bereits bereinigt oder entschieden sei. Nein, so sind die Genossen denn doch nicht. Sie wollen einerseits mit Kraft und Autorität geführt werden, um andererseits dagegen aufbegehren zu können. Zumal Partei auch ein Gefühl ist, und das Gerechtigkeitsgefühl aus Sicht der SPD-Basis wohl arg strapaziert wird. Schon kommen von dort die ersten Fragen, warum die, die da oben die Verantwortung tragen, nicht auch zur Verantwortung gezogen werden sollen.
Ob Präsidium und Vorstand die Mehrheitsmeinung in der Sozialdemokratie repräsentieren, war schon vor dem 27. September die Frage und ist es jetzt noch mehr. Bei der Mehrheit schlägt das Herz links, und so wird es möglicherweise auch auf dem bevorstehenden Parteitag laut pochen. Dass die Linken und Rechten und Netzwerker und all die anderen, die ihre Interessen durchsetzen wollen, ein Personalpaket geschnürt haben, das unangetastet bleiben wird, dürfen sie nicht annehmen.
Der designierte Parteichef Sigmar Gabriel tut darum gut daran, sich eines Mittels zu bedienen, mit dem Angela Merkel in der CDU allerbeste Erfahrungen gemacht hat: die Regionalkonferenz. Am besten beginnt die Spitze so schnell wie möglich damit – um einem drohenden Tribunal die Spitze zu nehmen. Denn das Schicksal von Parteitagen und denen, die danach etwas darstellen wollen, entscheidet sich in den Wochen vorher; entscheidet sich daran, ob die Basis sich schon Luft machen und Gehör verschaffen konnte. Zuhören ist da die erste Führungspflicht.
Und es gibt ja auch so vieles, das in den vergangenen, den Regierungsjahren nie so gesagt werden durfte. Die ganze Politik war ein Kraftakt, nach innen wie nach außen, und sie bedurfte der ganzen sozialdemokratischen Solidarität. Immerhin ging der Kurs in seiner Zielrichtung sehr vielen contre coeur. Das muss jetzt alles mal raus, weil die nicht gesagten Worte sonst den Neuanfang vergiften. Eine Phase der Selbstreinigung, gewissermaßen.
Und die Chance von Führung bedeutet dann hier, darauf hinzuweisen, dass jede Zeit ihre eigenen Antworten verlangt; dass die Zeit zum Beispiel über die "Agenda 2010" auch schon wieder hinweggegangen ist. Oder, wie weiland als Erster Gerhard Schröder meinte: In Stein gemeißelt ist es nicht, was entschieden wurde, ist nicht wie die Gesetzestafeln, die Moses von Gott erhielt.
In der Arbeit vorher liegt die Möglichkeit, dass der Parteitag der SPD nicht eruptiv endet. Dass sich vor seinem Stattfinden nicht doch noch eine Fronde bildet oder eine Intrige gesponnen wird. Die Rechten haben keinen Anlass, die Linken aber könnten auf allen Ebenen unzufrieden sein, bis hin zu den düpierenden Wahlergebnissen im Präsidium für Andrea Nahles und Klaus Wowereit.
- Datum 07.10.2009 - 13:50 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Sicher braucht die SPD eine Phase der Selbstfindung zur Etablierung einer neuen und nachhaltigen inneren Balance. Dies sollte aber nicht einfach nur zum Selbstzweck und zur Befriedigung der verschiedenen inneren Interessengruppen dienen, sondern sollte von Anfang an an einem gemeinsamen Konzept, einer Leitidee, ausgerichtet sein. Dafür hat der Deutschland Plan 2020 allemal das Potenzial..! Er wurde leider nur zu spät und nicht von den optimalen Repräsentanten vorgetragen.
Einem Herrn Gabriel wird man das viel eher abnehmen, eine Gesellschaft auf der dominierenden Basis der erneuerbaren Energien zu etablieren. Er wäre sicher auch der geeignete Mann, um die Schnittmengen-Dynamik mit den Grünen zu optimieren.
Frau Nahles traut man zu, daß sie eine korrespondierende Schnittmengen-Dynamik mit den Linken herstellen und optimieren kann.
Beides geht nicht ohne ein griffiges und überschaubares Konzept - von Anfang an.
Frau Merkel praktiziert das sehr erfolgreich. Hoffen wir, das diese kluge Frau, die als Physikerin klar über den Dingen steht, uns solange erhalten bleibt, um größeres schwarz-gelbes Unheil von unserem Lande abzuhalten, bis der Deutschland Plan der anderen klugen Köpfe unseres Landes reif für den Durchbruch ist...! ;-)
Ich weiß ja nicht, ob sie es schon wußten...
Herr Gabriel hatte verkündet zusammen mit Frau Nahles vor dem Parteitag sämtliche Bezirks- und Regionalverbände aufzusuchen und dort für sich zu werben. Eine Arbeit die seines Gleichen sucht und aller Ehren wert, wie ich finde.
seltsam, die Ergebnisse der Regionalkonferenzen, die Andrea Ypsilanti in Hessen durchführte, waren der rechten Presse keine Zeile wert!!
Weder die hastig auf`s Tablett gehobenen Regionalkonferenzen, noch irgendein ein diffuser Deutschlandplan, noch sonst eine hastig zusammengepfriemelte Idee werden die SPD aus ihrem Desaster bringen. Im Gegenteil: Sie wird so weiter wurschteln, wie bisher auch. Die designierte Führung wird dem Delegiertenvolk ihre Hinterzimmerentscheidungen vor die Birnen knallen und den abgelutschten Gemeinschaftsgeist beschwören, damit auch der letzte Ortsvereinsfritze das Ganze abnickt. Sie wird null Interesse an breiten Diskussionen haben und null Bock auf rückhaltlose Aufarbeitung. Und sie wird einzig bestrebt sein, den Parteitag einigermaßen krawallfrei über die Runden zu bringen, um sich danach in elementaren Sachen genauso verlogen zu präsentieren, wie die Jahre zuvor.
werden doch nur sorgfältig ausgesuchte, stramme Parteisoldaten als dekorative Klatscher und Jubler geschickt, die dort, weil sie wissen, wo ihr Fressnapf steht, keinen Ärger machen.
Schröder hat (ausnahmsweise) Recht. Ich habe nie verstanden, warum sich eine (angeblich) sozialdemokratische Parteiführung gegen jegliche Reform von Hartz IV gestemmt hat. Wenn man merkt, dass ein produkt die Kundenwünsche nicht befriedigt, muss man stöndig über Alternativen nachdenken.
Es ist doch bezeichnend, dass ausgerechnet eine "neo-liberale" Koalition zu höheren Freibeträgen etc. bei der Alterssicherung und besseren Zuverdienstmöglichkeiten bereit ist, aber die SPD dieses nicht hinbekommen konnte. Manchmal glaubt man, in dieser Republik sind alle Parteien sozialdemokratisch - nur die SPD nicht!
Schröder hat (ausnahmsweise) Recht. Ich habe nie verstanden, warum sich eine (angeblich) sozialdemokratische Parteiführung gegen jegliche Reform von Hartz IV gestemmt hat. Wenn man merkt, dass ein produkt die Kundenwünsche nicht befriedigt, muss man stöndig über Alternativen nachdenken.
Es ist doch bezeichnend, dass ausgerechnet eine "neo-liberale" Koalition zu höheren Freibeträgen etc. bei der Alterssicherung und besseren Zuverdienstmöglichkeiten bereit ist, aber die SPD dieses nicht hinbekommen konnte. Manchmal glaubt man, in dieser Republik sind alle Parteien sozialdemokratisch - nur die SPD nicht!
Schröder hat (ausnahmsweise) Recht. Ich habe nie verstanden, warum sich eine (angeblich) sozialdemokratische Parteiführung gegen jegliche Reform von Hartz IV gestemmt hat. Wenn man merkt, dass ein produkt die Kundenwünsche nicht befriedigt, muss man stöndig über Alternativen nachdenken.
Es ist doch bezeichnend, dass ausgerechnet eine "neo-liberale" Koalition zu höheren Freibeträgen etc. bei der Alterssicherung und besseren Zuverdienstmöglichkeiten bereit ist, aber die SPD dieses nicht hinbekommen konnte. Manchmal glaubt man, in dieser Republik sind alle Parteien sozialdemokratisch - nur die SPD nicht!
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