Sicherheitsgesetze BKA hat Online-Durchsuchung noch nie genutzt

Online-Durchsuchung, Internetsperren, Vorratsdatenspeicherung: Hier streiten Union und FDP besonders heftig. Jetzt überrascht das BKA mit einem Bekenntnis.

Unmittelbar vor einer Sitzung der Arbeitsgruppe Sicherheit und Justiz in Berlin hat das Bundeskriminalamt (BKA) deutlich gemacht, dass seit Inkrafttreten des BKA-Gesetzes im Januar noch keine einzige Online-Durchsuchung durchgeführt wurde. Die Behörde habe auch keinen entsprechenden Antrag bei Gericht gestellt, sagte ein BKA-Sprecher der . Auch in Bayern gab es keine einzige derartige Maßnahme, wie die Tageszeitung (taz) unter Berufung auf Bayerns Innenministerium schrieb. Bayern ist den Angaben zufolge das einzige Land, das seiner Landespolizei die Durchsuchungen erlaubt.

Dabei war die neue im sogenannten BKA-Gesetz beschlossene Befugnis im Kampf gegen den Terrorismus als unverzichtbar bezeichnet worden. Die Polizei brauche dieses Instrument "dringend", war BKA-Chef Jörg Ziercke nicht müde geworden zu versichern. So wichtig aber scheint sie dann doch nicht zu sein. Trotzdem sagte ein BKA-Sprecher, man wolle diese Rechte auch künftig nicht missen und auf den Einsatz des "Bundestrojaners" nicht verzichten. "In Zeiten der terroristischen Bedrohung halten wir die Online-Durchsuchung für ein unverzichtbares polizeiliches Instrument", so der BKA-Sprecher.

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Trotzdem bestärken die Kriminalen mit ihrem Bekenntnis vor allem die Kritiker der ausgeweiteten BKA-Befugnisse. Die argumentieren, dass auch mit herkömmlicher Polizeiarbeit terroristische Straftaten verhindert und aufgeklärt werden können.

Die Äußerungen des BKA werden auch bei den Verhandlungen zwischen Schwarz-Gelb eine Rolle spielen. So wie ein Großteil der Online-Gemeinde fordert auch die FDP den Verzicht auf die heimliche Durchsuchung von Computerfestplatten. Bislang haben die möglichen Regierungspartner hier noch keine gemeinsame Linie gefunden. Themen wie das BKA-Gesetz, Online-Durchsuchungen, Internetsperren gegen Kinderpornografie und Vorratsdatenspeicherung wurden immer wieder vertagt.

Nun soll am Donnerstag den ganzen Tag lang darüber verhandelt werden. FDP-Innenexperte Max Stadler zeigte sich trotz der zähen Gespräche zuversichtlich, dass eine Einigung gelingt: "Die Chancen stehen 60 zu 40." Sollte dies nicht gelingen, würden die Streitpunkte notfalls zur Verhandlung in die große Runde der Parteivorsitzenden gegeben werden.

Stadler forderte die Union auf, der FDP bei den großen Sicherheitsthemen entgegenzukommen. "Es darf nicht sein, dass CSU und CDU an ihrer Ausgangsthese hingen, dass bereits beschlossene Sicherheitsgesetze hingenommen werden müssten". So könne man keine Kompromisse finden. "Wir sind ja gerade dafür gewählt worden, dass wir Änderungen und Verbesserungen anbringen."

Bei der Innenpolitik müssten die Grundrechte deutlich stärker beachtet werden, forderte Stadler. "Das setzt Kompromissbereitschaft auch bei der CDU/CSU voraus.“ Der FDP-Politiker räumte aber ein, dass dies für die Union nicht ganz leicht sei. "Deswegen sind das schwierige Verhandlungen", erklärte er.

Einigkeit herrsche dagegen in vielen kleineren rechtspolitischen Bereichen. So haben die Schwarz-Gelben Stadler zufolge die Einrichtung einer Visa-Warndatei beschlossen, um den Missbrauch bei der Erteilung von Visa stärker zu bekämpfen. Hier kam die FDP der Union entgegen. Laut Stadler sollen aber diejenigen, die rechtmäßig jemanden nach Deutschland einladen, nicht in einer solchen staatlichen Datei erfasst werden. Die Pläne zur Visa-Warndatei gehen auf einen Untersuchungsausschuss des Bundestages zurück, der 2005 wegen Visa-Missbräuchen ermittelt hatte. Kritiker fürchten, dass dann jeder zum Verdächtigen wird, der Freunde oder Verwandte aus dem Ausland einlädt.

 
Leser-Kommentare
  1. So etwas nennt man Politisches Handeln innerhalb einer Suböffentlichkeit oder eines Subsystems oder einer Hierarchie.

    "Dabei war die neue im sogenannten BKA-Gesetz beschlossene Befugnis im Kampf gegen den Terrorismus als unverzichtbar bezeichnet worden. Die Polizei brauche dieses Instrument "dringend", war BKA-Chef Jörg Ziercke nicht müde geworden zu versichern."

    Herr Ziercke wollte seine Position mit einem Vorschlag festigen. Jeder Mensch in einer verantwortungsvollen Position wird das kennen, auch an sich selbst. Leider folgen auf Beschlüsse von Agenturen oder Ministerien wie diesen gesellschaftliche Wandel, daher gehören Beamte oder Personen, die sich solche Fehltritte erlauben - immerhin wurde hierzu das Gesetz verändert - abgestraft. Usw.

  2. Wenn es Massnahmen gegeben hätte - wir, die Bürger/innen, die Öffentlichkeit würden es wohl nicht gerade jetzt erfahren.

  3. Mich würde interessieren, wer es derzeit darf...

  4. ...na da sind wir aber beruhigt! Vielleicht liegt es einfach daran, dass der "Bundestrojaner" noch gar nicht funktioniert? Ist technisch ja sicher nicht gerade einfach, weiß jemand was über die Hintergründe? Sicherlich ist das alles wieder genauso geheim und unkontrollierbar wie die BKA Sperrliste.

    Aber macht euch nichts vor, sobald die Werkzeuge bereit liegen und die ersten Ermittler geschult sind, wird man das Ding einsetzen auf Teufel komm raus. Macht man mit der Telefonüberwachung schliesslich auch, zum Großteil rechtswidrig:
    http://www.spiegel.de/pol...
    da schaut die Politik natürlich dann nicht so genau hin.

  5. Meinetwegen können die SPANNER vom BKA ruhig in meiner Wohnung Kameras aufbauen, mich abhören und meine hochinteressanten Gespräche auf Band aufnehmen und sich die Web-Sites im Internet ansehen, welche ich mir anschaue...

    ...wer weiß, vielleicht bildet dies ja das BKA.

    Allerdings hätte ich dann auch gerne ein Honorar für meine Schulungsmaßnahmen.

    Aus dem Unsinn der DDR sollte man eigentlich gelernt haben, aber es gibt vermutlich immer wieder irgendwelche SPANNER, die gerne müßten was und mit wem es sein Nachbar treibt.

    • luccas
    • 15.10.2009 um 16:50 Uhr

    ...weiß inzwischen, dass man mit Mails nur Blabla verschickt, keine Anhänge von Sonja öffent, nicht mit Skype telefoniert, die `Eigenen Dateien` nicht mit Schmuddelbildchen zumüllt, sich Sex mit Kötern nur vom Netshop aus anguckt, beim Chatten nicht über Kamasutra säuselt, Geldgeschäfte wie anno Tobak abwickelt, Handys nur zum Labern nutzt, privates Zeug nur noch auf MicroSD speichert undsoweiter. Und wenn man dann noch ein wenig auf Zack ist und den heimischen Rechner auf Vordermann bringt, wird jeder Schnüffler vor Frust in die Maus beißen.

  6. der so genannten Terror- und KiPo-Bekämpfertruppe von Bosbach über v. Leyen, Schäuble, Uhl, Zierke & Co. absolut nichts mehr.

    Rechtsstaatlichkeit sieht in meinen Augen sehr viel anders aus.

    Ansonsten schöne Grüße aus Bologna und vom Celler Loch

    • jps-mm
    • 15.10.2009 um 18:25 Uhr

    "Unter Online-Durchsuchung wird Verschiedenes verstanden, das ist klar. Da wird ... da wird sowohl verstanden ... der Telekommunikation ... der ... der Verkehr, als auch die Durchsuchung in den Systemen selbst, weil die Durchsuchung in den Systemen selbst, weil die technische Entwicklung eben so ist, aber da müssen wir jetzt schon fast die ... die ... die Internetexperten genauer befragen. Sich so entwickelt, dass eben unsere, oder meine laienhafte Vorstellung, dass Internet so etwas Ähnliches sei wie ne moderne Telefonanlage, das stimmt eben schon lange nicht mehr, und deswegen braucht man da ... Wenn Sie wollen, kann das der Herr Fromm genauer erläutern, der versteht's ein wenig, richtig verstehen tut er's wahrscheinlich auch nicht ..."

    Diese [...] Person ist dafür verantwortlich, dass die Bürgerrechte schon vollständig ausgehöhlt und die letzten Restbestände der Verfassung faktisch außer Kraft gesetzt. In Deutschland herrschen schon längst Verhältnisse wie in einem Unrechtsstaat.

    Der Schäuble muss weg. Und die Merkel auch.

    [Gekuerzt, bitte verzichten Sie auf persoenliche Angriffe und Herabwuerdigungen und bemuehen Sie sich um eine sachliche Debatte. Danke. /Die Redaktion pt.]

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