BundestagAlles auf Anfang

In Berlin tritt der Bundestag zu seiner ersten Sitzung zusammen. Wie ist das neue Parlament zusammengesetzt? Und was kommt auf die neuen Abgeordneten zu? von Sebastian Bickerich

Vier Wochen nach der Bundestagswahl wird im Regierungsviertel kräftig umgebaut und gewerkelt. Die Neuen kommen. Doch nicht nur diese 200 Abgeordneten beziehen Büros und stellen Mitarbeiter ein. Auch für viele der 422 altgedienten Parlamentarier beginnt die 17. Legislaturperiode mit einem Umzug. Sämtliche Ausschüsse inklusive ihrer Vorsitze werden in den kommenden Tagen ebenfalls neu besetzt.

Was steht nun an?

Gesetze beschließen, die vornehmste Pflicht des Parlamentes, jedenfalls noch lange nicht. Ohnehin besteht der Koalitionsvertrag aus unzähligen Prüfaufträgen und Kann-Bestimmungen. Bis die in Gesetzestexte gegossen werden, wird noch viel Zeit ins Land gehen. Erst einmal konstituiert sich das Parlament. Der älteste anwesende Abgeordnete, der Alterspräsident, wird die Sitzung mit einer Ansprache eröffnen, dann erklärt sich das Parlament für beschlussfähig – und schreitet zur Wahl. Zunächst wählt es den Präsidenten und seine fünf Stellvertreter. Nominiert sind Amtsinhaber Norbert Lammert (CDU), der trotz einiger Mäkeleien an seiner Amtsführung von Seiten der SPD mit einem guten Ergebnis rechnen kann. Erwartet wird, dass auch die amtierenden Stellvertreter Wolfgang Thierse (SPD), Gerda Hasselfeldt (CSU), Hermann Otto Solms (FDP), Petra Pau (Die Linke) und Katrin Göring- Eckardt (Grüne) bestätigt werden. Nur die fränkische SPD-Politikerin Susanne Kastner hat es nicht geschafft – das Parlamentspräsidium wird um einen Sitz verkleinert, nicht zuletzt wegen des schlechten Wahlergebnisses der SPD.

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Dann werden eine Reihe von Geschäftsordnungen beschlossen, darunter die des Bundestages und die für den Vermittlungsausschuss. Am Mittwoch wählen die Abgeordneten schließlich die Bundeskanzlerin und hören ihre erste Regierungserklärung.

Wie sind die Berufe verteilt?

Die größte Gruppe stellen wieder einmal die Juristen. 143 oder gut 22 Prozent der Abgeordneten stammen nach Angaben des Bundeswahlleiters aus diesem Metier. Besonders hoch ist der Anteil mit rund 30 Prozent bei Union und FDP. Die nächst größere Gruppe bilden die Lehrer – mehr als 50 sind es, die meisten bei der SPD. 14 Abgeordnete sind Gewerkschaftssekretäre, 13 Unternehmer. Acht kommen aus landwirtschaftlichen Berufen, einer ist Bergmann. Zwei haben Künstler als Beruf angegeben, neun sind Ärzte, sechs studieren noch, darunter der jüngste Abgeordnete Florian Bernschneider. Auch ungewöhnliche Berufe gibt es: Agnes Krumwiede (Grüne) ist Konzertpianistin, Erik Schweickert (FDP) Professor für Weinwirtschaft, Katharina Landgraf (CDU) war Meliorationsingenieurin. Zwar hat sich die Fraktion der SPD arg verkleinert; verdoppeln konnten die Sozialdemokraten aber die Zahl der Arbeiter: Neben dem wiedergewählten Maurer Anton Schaaf hat jetzt auch der Elektrohauer Michael Gerdes ein Mandat.

Wie viele Migranten gibt es?

Insgesamt sind im neuen Bundestag 16 Abgeordnete mit Migrationshintergrund vertreten – das bedeutet nach der Definition des Statistischen Bundesamts, dass mindestens ein Elternteil keinen deutschen Pass hat. Fünf Abgeordnete haben türkische Wurzeln. Die anderen Parlamentarier mit Migrationshintergrund oder ihre Eltern kommen aus dem Iran, Indien, Polen, Kroatien und Spanien.

Leserkommentare
  1. Die größte Gruppe stellen wieder einmal die Juristen. 143 oder gut 22 Prozent der Abgeordneten stammen nach Angaben des Bundeswahlleiters aus diesem Metier.

    Da stellt sich meines Erachtens die Frage, ob diese Jura studiert haben um BERUFSPOLITIKER zu werden, oder ob diese tatsächlich überhaupt jemals als Rechtsanwalt tätig waren und Verfahren vor den Gerichten geführt haben.

    Na ja, so eine "Visitenkarte" macht schon was her !

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
  • Schlagworte SPD | CDU | CSU | FDP | Grüne | Norbert Lammert
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