Vor den Koalitionsverhandlungen
Schwarz-Gelb muss 40 Milliarden Euro bis 2013 sparen
Vor der ersten Verhandlungsrunde über eine Koalition ringen Union und FDP um Inhalte und Posten. Das Haushaltsdefizit erschwert das Erfüllen von Wahlversprechen.
© Wolfgang Rattay/AFP/Getty Images

Noch lächeln sie: Am Montag führen Angela Merkel und Guido Westerwelle ihre Parteien in die Koalitionsverhandlungen.
Ungünstige Rahmenbedingungen für die am Montag beginnenden Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU und FDP: 40 Milliarden Euro müssen von 2011 bis 2013 bei den Ausgaben im Bundeshaushalt gespart oder durch höhere Steuereinnahmen gedeckt werden, heißt es in einem sechsseitigen Bericht des Kanzleramtes über die "Finanzpolitische Lage des Bundes". Demnach gebe es für 2011 einen Konsolidierungsbedarf von 7,2 Milliarden Euro, berichteten die Nachrichtenmagazine Spiegel und Focus. Im Jahr darauf müssten 12,8 Milliarden Euro gespart werden und 2013 schließlich 20,6 Milliarden Euro.
FDP-Generalsekretär Dirk Niebel machte deutlich, dass seine Partei sich von solchem Zahlenwerk nicht beeindrucken lassen will. "Nach den Steuerschätzungen gibt es in den kommenden Jahren immer noch Jahr für Jahr 41 Milliarden Euro mehr Steuereinnahmen als in den letzten vier Jahren", er der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS). Die FDP hatte im Wahlkampf damit geworben, Steuersenkungen von bis zu 35 Milliarden Euro durchzusetzen. Dieses Geld ist in dem Papier aus dem Kanzleramt, das Angela Merkel (CDU) als Vorlage für die Koalitionsverhandlungen dient, aber noch nicht eingerechnet.
Auch die Union will die Bürger mit Steuersenkungen mit einem Gesamtvolumen von 15 Milliarden Euro entlasten. CDU/CSU gehen dabei ohne eine Vorfestlegung auf einen konkreten Zeitplan in die Gespräche mit der FDP. Über die Zeitpunkte dafür solle erst in den Verhandlungen entschieden werden, verlautete am Freitag aus Unionskreisen. Die CSU hat bislang auf Steuerentlastungen in den Jahren 2011 und 2012 gepocht, die CDU hat den Zeitpunkt für die zwei bis 2013 geplanten Schritte offen gelassen.
In einem vierseitigen Papier fordere der Vorstand der CDU-Mittelstandsvereinigung ein straffes Reformprogramm von Merkel, berichtete der Spiegel. Dazu zählten einkommensunabhängige Prämien im Gesundheitswesen, die Abschaffung des Solidaritätszuschlags und der Umbau der gesetzlichen Pflegeversicherung zu einem Modell privater Vorsorge. Wenn sich Merkel nicht zu beherzten Reformschritten bekenne, werde die Union weiter Wähler an die FDP verlieren, warnte die Vereinigung demnach.
FDP-Chef Guido Westerwelle kündigte harte Gespräche mit der Union an. Er wolle in den Koalitionsverhandlungen ein "Maximum an liberaler Politik" durchsetzen. Zugleich stellte Westerwelle den Zeitplan zur Regierungsbildung von Kanzlerin Merkel infrage. Er freue sich "über den Ehrgeiz der Unions-Parteien", bis zum 20. Jahrestag des Mauerfalls am 9. November mit einer schwarz-gelben Regierung im Amt zu sein. Aber Gründlichkeit sei viel wichtiger "als die Frage, ob wir uns ein paar Tage länger auf den Hosenboden setzen und verhandeln", sagte er der Bild am Sonntag.
- Datum 4.10.2009 - 17:27 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
- Empfehlen E-Mail verschicken | Facebook, Twitter, Buzz …
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren