CSU-Parteitag "Wir sind die Seele der Koalition"
Nach der Wahl galt CSU-Chef Seehofer als angeschlagen. Doch weil der Koalitionsvertrag deutlich seine Handschrift trägt, ist nun auch seine Partei wieder mit ihm zufrieden.
Gilbert Bayer ist Unternehmer aus Michelau in Oberfranken und einer von 193 Delegierten des kleinen CSU-Parteitages, der am Montagnachmittag in München über den Koalitionsvertrag zur Bildung einer neuen, schwarz-gelben Regierung befinden soll. Der Mann spricht wie der fränkische Kabarettist Frank-Markus Barwasser alias Erwin Pelzig und sieht auch ein wenig so aus.
Bayer produziert Spielwaren, unter anderem für Quelle. Und die Abwicklung des traditionsreichen Versandhauses hat den Mittelständler schwer getroffen. Das sei alles schon "sehr bedauerlich", sagt Bayer, "gelinde gesagt".
Als CSU-Parteichef Horst Seehofer den Saal in der futuristischen BMW-Welt im Münchner Norden betritt, den Journalistenpulk wie immer um einen Kopf überragend, gelingt es Bayer sogar, den Polit-Promi zu ein paar ermunternden Worten zu bewegen. Seehofer habe sich in Sachen Quelle sehr engagiert, sagt Bayer, als sich Seehofer wieder einem Journalisten zugewandt hat. "Aber leider hat es am Ende nicht gereicht."
An diesem Tag will sich der CSU-Delegierte die Laune jedoch nicht verderben lassen. Schließlich wehe nach dem schwarz-gelben Wahlsieg nun endlich "ein frischer Wind durchs Land". "Es war ja jedem klar, dass die Große Koalition nur eine Notlösung war."
Bayer holt sich im Foyer erst einmal ein paar ganz unfränkische Münchner Weißwürste und eine Brezel, als Seehofer ans Rednerpult tritt, um in einer Rede für die Zustimmung seiner Partei zum schwarz-gelben Koalitionsvertrag zu werben. Der hünenhafte Politiker gibt sich aufgeräumt, sieht gut, fast erholt aus, trotz der "dreiwöchigen Quarantäne in Berlin". "Ich fühle mich hoch motiviert", sagt er gegen Ende seiner Rede und widerspricht Meldungen, wonach er müde sei, gar ernsthaft erkrankt.
Dass solche Gerüchte überhaupt aufkommen, könnte ein Indiz dafür sein, wie sehr die Stellung des einstigen Hoffnungsträgers innerhalb der Partei unter dem ziemlich desaströsen Bundestagswahlergebnis gelitten hatte. Schon hieß es, Karl-Theodor zu Guttenberg, der junge Shootingstar der Partei, könnte Seehofer im Amt des Bayerischen Ministerpräsidenten beerben.
- Datum 27.10.2009 - 00:04 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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