Johannes Vogel hat ins "Vapiano" geladen, einen Edel-Fastfood-Laden, unweit vom Reichstag. Er hat Bewerbungsmappen unter den Arm geklemmt. Die will er anschließend noch durchgehen. Manche Bewerber für sein Abgeordnetenbüro sind fast doppelt so alt wie er. Der 27-jährige wurde am 27. September zum ersten Mal für die FDP in den Bundestag gewählt. Dennoch hat er ziemlich genaue Vorstellungen, wonach er sucht: Der Büroleiter soll ein "Generalist" sein, der sich im politischen Betrieb gut auskennt, die wissenschaftlichen Mitarbeiter müssen Experten in seinem angestrebten Fachgebiet, der Sozial- und Innenpolitik, sein.

Für Vogel ist das nichts Neues, Leute einzustellen, Chef zu sein. "Personalverantwortung hatte ich schon mit 22", sagte er selbstbewusst. Seit 2005 ist er Vorsitzender der Jungliberalen, der Nachwuchsorganisation der FDP. Sein Vorgänger musste damals zurücktreten, nachdem er von den deutschen Rentnern gefordert hatte, die "Löffel" abzugeben, da diese auf "Kosten der Jungen" lebten. Vogel, damals Pressesprecher, übernahm.

Seither kennt er Berlin. Einmal die Woche fuhr er in den vergangenen vier Jahren in die Hauptstadt, in die Bundesgeschäftsstelle, auf Parteitreffen, zu anderen Veranstaltungen. "Als Juli-Vorsitzender hat man eine 40-Stunden-Woche". Parallel dazu hat er in Bonn Politikwissenschaft studiert und im Mai seinen Magister gemacht. Die Frage nach der Bundestagskandidatur sei "ganz automatisch" auf ihn zugekommen, sagt er. Er habe lange darüber nachgedacht, schließlich hätte es noch "andere Jobangebote" gegeben.”

Vogel nimmt sich Zeit für das Gespräch, er ist schlagfertig, wirkt aber durchaus nachdenklich. Dennoch merkt man ihm schon eine Abgebrühtheit und Routine im Umgang mit der Presse an. Viele Antworten gibt er sicher nicht zum ersten Mal. Er hat früh gelernt, die Worte kalkulierend abzuwägen. Er weiß: Wenn er etwas Kritisches zu seiner Partei sagt, die nun in Berlin mit an den Hebeln der Macht sitzt, greifen es Agenturen und Medien sofort dankbar auf. Da gilt es vorsichtig zu sein.

Der Jungpolitiker kennt alle Klischees zur FDP und deren Jugendverband: reich, verzogen, egoistisch. Aber, sagt er, das seien eben Klischees. 1998, als er den Julis beitrat, habe er dort tatsächlich noch viele versnobte "Anzug-Yuppies" angetroffen. Aber inzwischen habe sich die FDP gewandelt und geöffnet, und auch die Nachwuchsorganisation.

Inzwischen spielt sein Verband selbstironisch mit dem Schnösel-Image, in einem Wahlkampf-Video hieß es: "Wir gehören zu denen, die schon auf der Schule einen Aktenkoffer hatten." Dennoch, das Bild der kühlen, nur auf eigene Karriereinteressen bedachten Liberalen klebt weiter an Leuten wie ihm. Dieses Image sei auch "eigenes Verschulden", räumt Vogel ein. Seine Partei habe "zu wenig Empathie vermittelt", sei oft "zu technisch rüber gekommen", sich zu viel um Wirtschaft und zu wenig um Sozialpolitik gekümmert.

Warum er bei der FDP ist? Immerhin hat er sich als Teenager zunächst ein paar Monate lang bei den Grünen engagiert? Die Antwort kommt schnell: Weil er an einen "ganzheitlichen Liberalismus" glaube.