Koalitionsverhandlungen CSU nervt FDP nervt CDU

In fünf Tagen soll der Koalitionsvertrag stehen. Noch sind viele Fragen offen. Dazu gibt's jede Menge Ärger: Die FDP erleidet Niederlagen, die CDU will keinen Neuanfang.

Da stehen sie wieder, die drei Generalsekretäre. In der Mitte Ronald Pofalla von der CDU, zur Rechten Dirk Niebel (FDP), schließlich für die CSU Alexander Doberindt. Vor der Wahl waren sie noch Politiker der zweiten Reihe. Inzwischen sind sie die Gesichter der neuen Regierung geworden.

Soeben ist das mit Spannung erwartete Treffen der großen Koalitionsrunde in der nordrhein-westfälischen Landesvertretung beendet. 27 Spitzen-Politiker, neun von jeder der drei Koalitionsparteien, haben vier Stunden lang über die Politik der kommenden vier Jahre beraten. Nachdem zuletzt immer wieder von Konflikten und Spannungen in den einzelnen Arbeitsgruppen zu hören war, hatten viele gehofft, dass das Treffen an diesem Mittwoch mit den Parteichefs Angela Merkel, Guido Westerwelle und Horst Seehofer Klarheit bringen würde.

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Um es gleich zu sagen: Viele Streitfragen sind weiterhin offen: Gesundheit, Steuern, Energiepolitik, Sicherheit. Weshalb die drei Generäle offenbar bewusst eine sozialpolitische Botschaft aussandten, um dem oppositionellen Vorwurf des sozialen Kahlschlags der vermeintlich neoliberalen Regierung zuvorzukommen.

 

Eine "wichtige Weichenstellung" habe man beschlossen, sagt Pofalla, mutmaßlich künftiger Sozialminister. Die "fundamentalen Ungerechtigkeiten im Hartz-IV-System" werde man abschaffen. Das Schonvermögen von Hartz-IV-Empfängern soll künftig fast verdreifacht, ihre Zuverdienstmöglichkeiten sollen verbessert werden. Niebel betont, dass damit wesentliche Forderungen aus dem FDP-Wahlaufruf umgesetzt seien. CSU-Chef Seehofer sagt, das mit dem Schonvermögen sei immer schon "eine unserer Forderungen gewesen".

Schön soweit. Nur interessiert doch mehr dies: Was eigentlich hält diese Regierung überhaupt zusammen? Immer noch sucht die neue Koalition nach einer Klammer, die die Prämissen des neuen Bündnisses prägnant umreißt. In den Parteien kursieren unterschiedliche, zum Teil konträre Vorstellungen über die Ausrichtung der Koalition. Die einen wollen sparen und konsolidieren, die anderen investieren und neu gestalten.

Soll die neue Regierung also alles anders machen als die Große Koalition? Oder – ganz nach Schröder – nur vieles besser?

Die Union sträube sich gegen einen Neuanfang, hört man aus der FDP. Die Kanzlerin habe ihren Biss und Reformwillen verloren. Inzwischen verteidige sie sogar, was sie früher an der SPD bekämpft habe: den Kündigungsschutz oder den branchenspezifischen Mindestlohn.

Leser-Kommentare
  1. "...und sind guter Dinge, bald schon viele harmonisierende Formulierungen vorlegen zu können"

    Ja, das wird sicher ein Feuerwerk an Phrasen und Schulterklopferei...

    • ngw16
    • 14.10.2009 um 18:44 Uhr

    Und Schwatz/Geld will Macht.
    Ob sie damit umgehen können, egal.

    • NoG
    • 14.10.2009 um 19:55 Uhr

    auch informieren:

    "Das Schonvermögen von Hartz-IV-Empfängern soll künftig fast verdreifacht,..werden"

    dazu passend:

    "Zwischen Januar und September 2009 wurden nur knapp 25.000 Hartz-IV-Anträge wegen zu hohen Vermögens abgelehnt. Im Verhältnis zu den 5,5 Millionen Anträgen, die insgesamt eingingen, entspricht dies einem Anteil von 0,5 Prozent."

    http://www.taz.de/1/archi...

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    • keox
    • 14.10.2009 um 22:21 Uhr

    sieht aber gut aus.

    Daß die Mehrzahl bundesdeutscher Haushalt verschuldet ist, im Falle von Hatz4 also von dieser Regelung nicht 'profitieren' wird, läuft unter Peanuts, wie die offizielle Sprachregelung der deutschen Politik, der Banken also, zu formulieren beliebt.

    Daß die Erhöhung der Mehrwertsteuer quasi durch die Hintertür zwei Drittel der Bevölkerung trotzdem dazu zwingt, die Schulden der Banken und Aktionäre zu bezahlen - ebenso wie die Erhöhung der Gesundheitskosten - fällt dann unter die Rubrik Sachzwang.

    Dieser Staat geriert sich als Schutzgeldtruppe des Kapitals.

    Viele Leute mit größeren Altersrückstellungen stellen überhaupt keinen Antrag. Deshalb können diese Anträge nicht abgelehnt werden. Aus der Höhe der abgelehnten Anträge den Nutzen abzuleiten, ist nicht zulässig.
    Wahrscheinlich werden auch zukünftig 0,5% der Anträge wegen zu hohem Eigentum abgelehnt werden. Das sind die Leute, bei denen es nicht sicher ist, ob sie zu viel haben und die vorsichtshalber einen Antrag stellen.

    • keox
    • 14.10.2009 um 22:21 Uhr

    sieht aber gut aus.

    Daß die Mehrzahl bundesdeutscher Haushalt verschuldet ist, im Falle von Hatz4 also von dieser Regelung nicht 'profitieren' wird, läuft unter Peanuts, wie die offizielle Sprachregelung der deutschen Politik, der Banken also, zu formulieren beliebt.

    Daß die Erhöhung der Mehrwertsteuer quasi durch die Hintertür zwei Drittel der Bevölkerung trotzdem dazu zwingt, die Schulden der Banken und Aktionäre zu bezahlen - ebenso wie die Erhöhung der Gesundheitskosten - fällt dann unter die Rubrik Sachzwang.

    Dieser Staat geriert sich als Schutzgeldtruppe des Kapitals.

    Viele Leute mit größeren Altersrückstellungen stellen überhaupt keinen Antrag. Deshalb können diese Anträge nicht abgelehnt werden. Aus der Höhe der abgelehnten Anträge den Nutzen abzuleiten, ist nicht zulässig.
    Wahrscheinlich werden auch zukünftig 0,5% der Anträge wegen zu hohem Eigentum abgelehnt werden. Das sind die Leute, bei denen es nicht sicher ist, ob sie zu viel haben und die vorsichtshalber einen Antrag stellen.

    • clubby
    • 14.10.2009 um 20:06 Uhr

    ...die wie immer einzige Lösung aller Probleme wird am Ende sein, dass unsere (Mittelschicht 40k-80k / Jahr) Abgaben steigen werden, das ganze aber mit voollen Fokus in den Medien auf ein paar kleinere Vergünstigungen verkauft wird. Unterm Strich werden wir aber mehr zahlen....wie immer...denn das war bisher die EINZIGE Lösung die schwarz/gelbe Regierungen erarbeiten konnten.

    Ergo gehts bei den Verhandlungen doch auch gar nicht darum, ne andere Lösung zu finden, sondern Strategien zu entwickeln das ganze durch Nebelkerzen zu verschleiern....und gut zu verkaufen.

  2. Wer behauptet, dass die Klammer fehlt. Die Klammer ist da und es ist die gleiche, die die beiden Parteien seit 1998 im Geiste verband (trotz des Ausrutschers während der grossen Koalition):

    Wir sind nicht links.

    Passt doch. Die beste Selbstdefinition ist immer noch die Negation.

    • keox
    • 14.10.2009 um 22:21 Uhr

    sieht aber gut aus.

    Daß die Mehrzahl bundesdeutscher Haushalt verschuldet ist, im Falle von Hatz4 also von dieser Regelung nicht 'profitieren' wird, läuft unter Peanuts, wie die offizielle Sprachregelung der deutschen Politik, der Banken also, zu formulieren beliebt.

    Daß die Erhöhung der Mehrwertsteuer quasi durch die Hintertür zwei Drittel der Bevölkerung trotzdem dazu zwingt, die Schulden der Banken und Aktionäre zu bezahlen - ebenso wie die Erhöhung der Gesundheitskosten - fällt dann unter die Rubrik Sachzwang.

    Dieser Staat geriert sich als Schutzgeldtruppe des Kapitals.

    Antwort auf "hier darf die zeit"
  3. Viele Leute mit größeren Altersrückstellungen stellen überhaupt keinen Antrag. Deshalb können diese Anträge nicht abgelehnt werden. Aus der Höhe der abgelehnten Anträge den Nutzen abzuleiten, ist nicht zulässig.
    Wahrscheinlich werden auch zukünftig 0,5% der Anträge wegen zu hohem Eigentum abgelehnt werden. Das sind die Leute, bei denen es nicht sicher ist, ob sie zu viel haben und die vorsichtshalber einen Antrag stellen.

    Antwort auf "hier darf die zeit"
  4. Macht und Geld jedoch schon.

    Also prostituieren sich Politiker liber, allen voran vielleicht die der FDP, anstatt sich treu zu bleiben und zu sagen: "Gut. Dann eben ohne uns."

    Mensch, was wäre das toll! Politiker, die als Vorbilder Denken, Meinen und Handeln.

    Hm, habe ich nicht kürzlich erst gelesen, dass Herr Westerwelle ein Mensch sei, dem es weniger um Macht, als viel mehr um die Durchsetzung der Ideale der FDP gehe?

    Nun, scheint mir, können auch so manche sich selbst täuschende WählerInnen erkennen, für wen die FDP, die Parteien überhaupt, im Wesentlichen stehen. Für sich selbst.

    Liebe Grüße
    Axel

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    Nutten verkaufen ihren Körper,
    Politiker verkaufen ihr Gewissen !

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