Koalitionsverhandlung Schwarz-Gelb fehlen 40 Milliarden Euro

Vor den Koalitionsverhandlungen bringen sich die künftigen Partner in Stellung. Doch der finanzielle Spielraum ist begrenzt, wie ein Papier aus dem Kanzleramt zeigt.

Das Papier, das Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach Informationen des Nachrichtenmagazins Spiegel den Verhandlungspartner von CDU und CSU bei ihrem Vorgespräch zu den Koalitionsverhandlungen am Freitag präsentierte, hatte es in sich.  40 Milliarden Euro fehlten der künftigen Regierung allein zwischen 2011 und 2013, heißt es in den Berechnungen des Bundeskanzleramtes. Diese Lücke müsse entweder durch Steuererhöhungen oder Ausgabensenkungen gestopft werden. Noch nicht inbegriffen sind in diesen Zahlen die Steuersenkungen, die CDU und CSU für eben diesen Zeitraum angekündigt haben.

In Kreisen der künftigen Koalition hieß es am Samstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa, es handele sich um eine Art "Eröffnungsbilanz" für die Koalitionsgespräche. Bei dem Treffen am Freitag hatte die Union sich aber nichts desto trotz darauf festgelegt, dass es ungeachtet eines drohenden Defizit-Strafverfahrens der EU gegen Deutschland auf jeden Fall Steuerermäßigungen geben soll. Ein konkreter Zeitpunkt war aber nicht vereinbart worden.

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Mehrere Ministerpräsidenten erneuerten am Wochenende gleichwohl ihre Bedenken gegen umfangreiche Entlastungen. "Man muss realistisch sehen, dass Steuersenkungen in einem höheren zweistelligen Milliardenbereich, also wie sie sich die FDP vorstellt, nicht finanzierbar sind", sagte der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger am Wochenende dem Handelsblatt. Der CDU-Politiker plädierte für einen Kassensturz, den Kanzlerin Merkel allerdings als unnötig abgelehnt hat.

 

Auch der hessische Ministerpräsident Roland Koch hält massive Steuererleichterungen in den kommenden vier Jahren nicht für möglich. "Die Spielräume für Steuersenkungen sind angesichts der Wirtschaftskrise sehr begrenzt", sagte Koch, der auch stellvertretender CDU-Vorsitzender ist, dem Hamburger Abendblatt. "Wir werden im Verlauf dieser Legislaturperiode höchstens 15 Milliarden Euro zu verteilen haben." Damit werde die neue Bundesregierung "schwerpunktmäßig die Frage der Progression bei der Einkommensteuer angehen", sagte Koch. "Darüber hinaus sehe ich kaum Spielraum für Entlastungen."

Unterstützung bekamen sie von Bundesbankpräsident Axel Weber. Dieser verlangte am Samstag am Rande der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF), die neue Regierung müsse zunächst einen Kassensturz machen und eine Prioritätenliste aufstellen. Alle Ausgabenposten müssten auf den Prüfstand. "Es gibt sehr wenig Spielraum die Gesamtbelastung der Bürger zu reduzieren wenn man nicht die Ausgaben senkt", sagte er.

Mehrere FDP-Politiker plädierten am Samstag gleichwohl für einen generellen Kurswechsel. "Wir können nicht einfach so weitermachen wie bisher", forderte etwa Nordrhein-Westfalens FDP-Chef Andreas Pinkwart. Anders als die abgewählte große Koalition dürfe sich die neue Regierung nicht mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner zufriedengeben, sondern müsse die großen Themen anpacken. "Wir dürfen uns nicht im Klein-Klein verlieren", mahnte er.

Wir können nicht einfach so weitermachen wie bisher.

Nordrhein-Westfalens FDP-Chef Andreas Pinkwart

Der NRW-Wissenschaftsminister und Vize-Regierungschef ist Mitglied der 27-köpfigen Kommission, die am Montag in der NRW-Landesvertretung die Koalitionsverhandlungen aufnimmt.

FDP-Chef Guido Westerwelle kündigte an, in den Verhandlungen mit der Union ein Maximum an liberaler Politik durchsetzen zu wollen. Zu Äußerungen führender Politiker von CDU und CSU, die wichtige Politikthemen wie Gesundheitsfonds und Anti-Terror-Gesetze für nicht verhandelbar erklärt hatten, sagte er
der Bild am Sonntag: "Fakten werden am Koalitionstisch geschaffen und nicht in Interviews." Ein gutes Verhandlungsergebnis dürfe nicht dadurch erschwert werden, "dass man den Partner über Medien unter Druck setzt", forderte der FDP-Chef.

Beim Thema Kündigungsschutz ging die FDP dagegen auf die Union zu. "Der Kündigungsschutz ist nicht unser vordringlichstes Thema. Wichtig ist alles, was Wachstum und Arbeit schafft", sagte die stellvertretende FDP-Vorsitzende Cornelia Pieper dem Magazin Focus. "Priorität hat mehr Netto für die Bürger."

Leser-Kommentare
  1. Nicht dass wir das gewöhnt sind und es vor der Wahl besser gewusst haben,aber wie oft wollen die uns noch für blöd halten? Sehenden Auges werden dieselben Rituale wiederholt wie wir sie seit zig Jahren kennen.Diejenigen die wirklich daran geglaubt haben dass die FDP die Steuern senken werden angesichts grosse Löcher im Haushalt (diese sollte im übrigen jedem Wähler schon vor der Wahl bekannt gewesen sein) ,jedenfalls würde ich diejenigen die die FDP vor allem deshalb gewählt haben als Meister der Selbstsuggestion betrachten.

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    es haben sehr viele Wähler den Parteien geglaubt. Die werden sich, falls doch die Steuern erhöht werden, verhonepipelt fühlen. Obwohl ja die Steuersenker und Subventionsabbauer auch neue Steuern und Subventionen versprochen haben. Nämlich die Atomstrafsteuer mit der die weitere Erforschung der Erneuerbaren Energien subventioniert werden sollen. Alles etwas komisch. Wer wundert sich da ernsthaft über niedrige Wahlbeteiligung?

    es haben sehr viele Wähler den Parteien geglaubt. Die werden sich, falls doch die Steuern erhöht werden, verhonepipelt fühlen. Obwohl ja die Steuersenker und Subventionsabbauer auch neue Steuern und Subventionen versprochen haben. Nämlich die Atomstrafsteuer mit der die weitere Erforschung der Erneuerbaren Energien subventioniert werden sollen. Alles etwas komisch. Wer wundert sich da ernsthaft über niedrige Wahlbeteiligung?

  2. Dieser Piepton gefällt mir: "Priorität hat mehr Netto für die Bürger."
    und daher "ist der Kündigungsschutz nicht so wichtig".
    Das muß ja jeden überzeugen

  3. 3. Nunja,

    es haben sehr viele Wähler den Parteien geglaubt. Die werden sich, falls doch die Steuern erhöht werden, verhonepipelt fühlen. Obwohl ja die Steuersenker und Subventionsabbauer auch neue Steuern und Subventionen versprochen haben. Nämlich die Atomstrafsteuer mit der die weitere Erforschung der Erneuerbaren Energien subventioniert werden sollen. Alles etwas komisch. Wer wundert sich da ernsthaft über niedrige Wahlbeteiligung?

  4. 4. Toll!

    Da wird einfach wieder von unten noch oben geschaufelt. Fertig.
    40 Mille sind doch Peanuts wenn man den Bürger (die restlichen 2/3 dieser Gesellschaft) noch ein bischen ausquetschen kann. Oder man belastet einfach die "überüberüberübernächste... Steuerzahlergeneration". Den Bock zum Gärtner zu machen war doch das Ziel dieser Wahl, oder hab ich da was falsch verstanden?

    Mit ironischen Grüßen
    H.Bremer

  5. Den Leuten kann geholfen werden: Eine 5%-ige Vermögenssteuer auf Vermögen ab 1 Mio. € bringt jährlich 100 Mrd.

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    Der 1. Punkt, wieso schwarz-gelb keine Vermögenssteuer einführen wird, ist, dass dies von unserem Bundesverfassungsgericht für Verfassungswidrig erklärt und verboten wurde.
    Zum 2.: Meinen Sie ernsthaft, die FDP würde ihren meist eher gut betuchten Wählern Steuern aufbrummen?
    Für meine Begriffe ist der Ansatz der SPD ziemlich gut. Die wollten eine Finanzmarktsteuer einführen. EU-weit.

    Der 1. Punkt, wieso schwarz-gelb keine Vermögenssteuer einführen wird, ist, dass dies von unserem Bundesverfassungsgericht für Verfassungswidrig erklärt und verboten wurde.
    Zum 2.: Meinen Sie ernsthaft, die FDP würde ihren meist eher gut betuchten Wählern Steuern aufbrummen?
    Für meine Begriffe ist der Ansatz der SPD ziemlich gut. Die wollten eine Finanzmarktsteuer einführen. EU-weit.

  6. Alleine bei der Besteuerung der Unternehemsverkäufe wurden seit Schröder auf jährlich 60 Milliarden Steuergelder an die Heuschrecken und die Wirtschaft verzichtet. Dazu kommen weitere "Geschenke" von fast 100 Milliarden an die Wirtschaft durch anderen Steuerverzicht.

    Vielleicht sollte auch darüber mal nachgedacht werden, ob das so sinnvoll war und ist, statt sich über weitere Steuergeschenke an die Wirtschaft überhaupt einen Kopf zu machen. Dann klappts auch mit den Steiuersenkengen in den unteren Regionen der Einkommensteuer.

    P.s. FDP-Fricke saß im Haushaltsausschuß und wusste ganz genau was da läuft ebenso wie die oberen von CDU/CSU. Das ist alles nichts neues.
    Selbstsuggestion bei FDP-Wählern ist wohl gut gewählt, "laudatio".

  7. Man kann den Wählern, die sich von den Jüngern dieses untergehenden Systems Rettungskompetenzen erhoffen, keinen Vorwurf machen. Schon deswegen nicht, weil auch nahmhafte Pressorgane sich bis auf wenige Ausnahmen immer noch lieber im Getümmel der Fan-kurven wohler fühlen als bei einem immer dringlicheren Wächteramt, das sich bisher auf mehr oder weniger kluges Kommentieren beschränkt hat. Wie sollen mutige Perspektiven für unsere Zukunft "unter das Volk" kommen, wenn sich die sicher amüsanten Personalscharaden weiter die Schlagzeilen beherrschen.
    Die entscheidenden Impulse für eine tragfähige Substanz werden wohl wieder außerhalb dieser politischen Zirkusarena entwickelt und gestaltet werden müssen.
    Diejenigen, die über das Potential verfügen, drohen unter den ungerechten Belastungen zu ersticken, bevor sie anfangen können.

  8. Der 1. Punkt, wieso schwarz-gelb keine Vermögenssteuer einführen wird, ist, dass dies von unserem Bundesverfassungsgericht für Verfassungswidrig erklärt und verboten wurde.
    Zum 2.: Meinen Sie ernsthaft, die FDP würde ihren meist eher gut betuchten Wählern Steuern aufbrummen?
    Für meine Begriffe ist der Ansatz der SPD ziemlich gut. Die wollten eine Finanzmarktsteuer einführen. EU-weit.

    Antwort auf "Vermögensteuer"

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