Koalitionsverhandlungen Westerwelle bockt, die CDU höhntSeite 2/2
Die Partner tun sich schwer, gemeinsame Projekte anzustoßen. Noch nicht einmal eine griffige Überschrift für das von der Anhängerschaft lang ersehnte Regierungsbündnis haben Union und FDP bisher gefunden. Der Konflikt zwischen Wulff und Westerwelle ist charakteristisch für die Atmosphäre zwischen den beiden Parteien.
Besonders die FDP spürt, dass sich mit der künftigen Regierungsverantwortung die Aufmerksamkeit kolossal verändert hat: Plötzlich können einzelne Aussagen von irgendwelchen Parteivertretern mittelschwere Erdbeben auslösen. Wie die von Hermann Otto Solms, der vergangenen Woche angedeutet hatte, dass die Steuersenkungen womöglich angesichts des verschuldeten Haushalts doch nicht so hoch ausfallen werden.
Solms provozierte damit einen Aufschrei an der Basis. FDP-Politiker berichten von etlichen zornigen Mail und Briefen: Schließlich hatte die Partei nichts so häufig versprochen, wie dass jeder Bürger nach der Wahl "mehr netto vom Brutto" haben solle. Öfter als weiland Andrea Ypsilanti eine Regierung mit der Linkspartei ausgeschlossen hatte, hat die FDP in ihrem Wahlkampf eine deutlich spürbare Steuererleichterung in Aussicht gestellt. Genau die steht nun in den Verhandlungsrunden zur Disposition. Die FDP fürchtet das Image der Umfaller-Partei.
Deswegen betonen die FDP-Spitzen derzeit bei jedem Mini-Beschluss, zentrale Wahlkampfversprechen umgesetzt zu haben. Generalsekretär Dirk Niebel bezeichnete am Mittwoch die Erhöhung des Schonvermögens für Hartz-IV-Empfänger als FDP-Essential. Außer Niebel war das bisher allerdings wenigen aufgefallen. Die FDP inszenierte sich im Wahlkampf als Steuersenkungspartei. Nun will die Basis – und vor allem die jüngst gewonnenen Wechselwähler – Cash sehen.
Deswegen tritt die FDP momentan so kompromisslos und leicht beleidigt auf. Sie verhält sich jedenfalls ganz anders als die FDP, die die Union noch aus den 90er Jahren kannte. Damals wäre es unvorstellbar gewesen, dass ein junger FDP-Unterhändler einer angesehenen Unionsministerin öffentlich unterstellt, geschwindelt zu haben. So geschehen gestern zwischen den Niedersachsen Philipp Rösler (FDP) und Ursula von der Leyen (CDU), einem weiteren Streit, der nach wie vor die Gemüter bewegt.
Zankapfel war der zweite große Dissens zwischen Union und FDP: die Gesundheitspolitik. Von der Leyen, vermutlich die künftige Gesundheitsministerin, hatte Journalisten erzählt, der Gesundheitsfonds, den die FDP erbittert bekämpft, bleibe vorerst bestehen. Rösler sagte wenige Minuten später: "Darauf haben wir uns nicht verständigt." Ein Kompromiss liegt nach wie vor in Ferne.
Auf zentralen Feldern sind die Fronten zwischen den einstigen Wunsch-Koalitionären verhärtet. Kein Wunder, dass der ursprüngliche Zeitplan inzwischen längst nicht mehr eingehalten werden kann. Eigentlich sollten am heutigen Sonntag die inhaltlichen Verhandlungen abgeschlossen werden. Inzwischen heißt es, man werde noch die volle kommende Woche brauchen, um sich auf einen Koalitionsvertrag zu verständigen.
Aber, wer weiß, manche Beobachter mutmaßen, das sei alles Taktik, um die Erwartungshaltung zu dämpfen. Tatsächlich seien Kompromisse zum Greifen nahe. Am heutigen Sonntag tagen die Parteichefs bei Kaninchen mit Serviettenknödel. Womöglich wird doch bald ein wie auch immer gearteter "Durchbruch" verkündet. Wie den dann die Basis aufnimmt, ist eine andere Frage.
- Datum 18.10.2009 - 19:10 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 28
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... dass die FDP nun kalte Füße kriegt und laut gedroht wird, die Koalitionsverhandlungen scheitern zu lassen. Wer soll dass bezahlen, wer hat soviel Geld, ...
Aber vielleicht hat Frau Merkel ein Einsehen und Einkommen ab 1 Mio. € im Jahr werden steuerfrei gestellt, damit die "richtigen" Bürger endlich legal mehr Netto von Brutto haben. Das lässt sich mit geringfügigen Korrekturen an anderen Steuersätzen und Ausgaben aufkommensneutral umsetzen.
Grinsend
Kai Hamann
..heissen diese "richtigen" Bürger glaube ich im neuen "FDP-Sprech".
...weil 30 Prozent nicht gewählt haben und sich von Merkel, Westerwelle und Co. haben verschaukeln und vergraulen lassen. Und weil den SPD-Technokraten immer noch in der Lobby etwas von der tollen neuen Mitte vergegaukelt wird...und die es sich vorgaukeln lassen.
Dieser Kommentar ist leider repaesentativ fuer dieses Forum. Ein paar Beobachtungen zu den scheinbaren Grundregeln der Diskussion hier:
(1) Andere Meinungen als meine eigene, andere Parteien als die von mir favorisierten, sind einfach nur laecherlich.
(2) Werden meine Argumente widerlegt, suche ich mir neue. In keinem Fall aendere ich meine Meinung.
(3) Es ist klar, dass alle meiner Meinung waeren, wenn sie nicht von der "Gegenseite" falsch informiert wuerden.
(4) Auf alle grossen Problem unserer Zeit gibt es einfache und glasklare Antworten, die bei Umsetzung zu paradiesaehnlichen Zustaenden fuehren wuerden. "Boese Maechte" verhindern deren Umsetzung.
(5) Je deftiger meine Wortwahl desto ueberzeugender mein Beitrag.
(6) Meine Meinung ist unabhaengig von Fakten. Wenn mir nichts mehr einfaellt, denke ich mir Plaene der "Gegenseite" aus, die das eigene Weltbild bekraeftigen. (In den USA hat sich diese Methode offenbar durchgesetzt; siehe Fox News, Sarah Palin und ihre "death panels" etc.)
..heissen diese "richtigen" Bürger glaube ich im neuen "FDP-Sprech".
...weil 30 Prozent nicht gewählt haben und sich von Merkel, Westerwelle und Co. haben verschaukeln und vergraulen lassen. Und weil den SPD-Technokraten immer noch in der Lobby etwas von der tollen neuen Mitte vergegaukelt wird...und die es sich vorgaukeln lassen.
Dieser Kommentar ist leider repaesentativ fuer dieses Forum. Ein paar Beobachtungen zu den scheinbaren Grundregeln der Diskussion hier:
(1) Andere Meinungen als meine eigene, andere Parteien als die von mir favorisierten, sind einfach nur laecherlich.
(2) Werden meine Argumente widerlegt, suche ich mir neue. In keinem Fall aendere ich meine Meinung.
(3) Es ist klar, dass alle meiner Meinung waeren, wenn sie nicht von der "Gegenseite" falsch informiert wuerden.
(4) Auf alle grossen Problem unserer Zeit gibt es einfache und glasklare Antworten, die bei Umsetzung zu paradiesaehnlichen Zustaenden fuehren wuerden. "Boese Maechte" verhindern deren Umsetzung.
(5) Je deftiger meine Wortwahl desto ueberzeugender mein Beitrag.
(6) Meine Meinung ist unabhaengig von Fakten. Wenn mir nichts mehr einfaellt, denke ich mir Plaene der "Gegenseite" aus, die das eigene Weltbild bekraeftigen. (In den USA hat sich diese Methode offenbar durchgesetzt; siehe Fox News, Sarah Palin und ihre "death panels" etc.)
Was für Monster. Ausgerechnet Kaninchen müssen sie verputzen. Eine Tierart, für die es in der industriellen Massentierhaltung nichtmal richtlinien gibt. Sie werden in Gitterkäfigen, meist ohne Blickschutz eingefercht, und das obwohl es höhlentiere sind. Sie leben auf Gitter wodruch sie sehr viele Schmerzen haben. Ihre Krnakheiten bleiben unbehandelt weil sich eine Behandlung bei so kleinen Tieren nicht rentiert. Und die Herren und Damen der rechten Koalition müssen natürlich Kaninchen fressen. Gott, wie soll ich nur 4 Jahre Tierquälerei überstehen?
Herr Westerwelle sollte schleunigst realisieren, dass Regierungsverantwortung etwas anderes ist, als einfach nur Forderungen aufzustellenn. Von nix kommt nix. Und dass bei leeren Kassen der Regierungsspielraum nicht sehr groß ist, egal welche Couleur sie hat, ist doch keine Überraschung. Es war an der Zeit, dass ihm das endlich mal jemand deutlich sagt. Ich hatte Wulff bislang gar nicht so viel Rückgrat zugetraut!
Ist es nicht bemerkenswert, dass man heute über die Koalitionsverhandlungen berichten kann, ohne auch nur einmal die Bundeskanzlerin zu erwähnen?
Wir steuern in eine weitere führungslose Wahlperiode. Frau Merkel hätte viele Chancen gehabt in der großen Koalition. Eine Kanzlerin mit Macht und Meinung hätte den deutschen Föderalismus entflechten und eine Gesundheitsreform durchsetzen können, die ihren Namen verdient.
Stattdessen darf jetzt eine Partei den Kurs bestimmen, die glaubt Steuergeld wachse auf Bäumen oder dass wir im nächsten Jahr Chinas Wirtschaftswachstum von vor der Krise übertrumpfen. Nebenbei wird ein bisschen 50er Jahre Politik für die Atomkraft gemacht und ca. jeder fünfhundertste Hartz IV Empfänger wird beim Schönvermögen entlastet (vermutlich verarmte Banker). Die gute Nachricht: Man kann weiter für 3,50 EUR arbeiten gehen.
das, was zur Zeit austarocked wird, kann man psychologisch auch anders interpretieren, denn: wenn die Nerven tatsächlich blank liegen würden, suchte man eine schnelle Entscheidung. Genau danach sieht es aber nicht notwendig aus.
Darüber hinaus kann ich kann mir gut vorstellen, dass Frau Merkel nach 4 Jahren Kanzlerschaft allererste Tendenzen abnehmender Bodenhaftung zeigt. In diesen Fall ist das Verhalten der FDP sehr sinnvoll.
Ich habe auch ein viel besseres Gefühl, was die Ergebnisse der Verhandlungen anbetrifft, gerade wenn zu Anfang "die Fetzen liegen" sollten. Die Alternative sind "faule" Kompromisse, mit dem Risiko eines späteren laufenden Nachtarockens.
Herzlichst Crest
.... die Sehkraft hat gelitten.
Zu sehr hat man Ausschau gehalten, auf das, was ankommen soll, statt die Kriterien zu erledigen, auf die es ankommt.
Die FDP tritt seit 40 Jahren bei jeder Wahl als Steuersenkungspartei auf, obwohl sie in in allen Regierungen, an denen sie beteiligt war und dabei oft den Wirtschaftsminister stellte, die Steuern immer nur erhöht hat. Dieses Szenario wiederholte sich erst vor kurzem bei der Opel-Misere: Herr D. Pfeil, FDP-Schatzmeister in Hessen, hat durch seine Stimmenthaltung im Treuhandbeirat, die Zustimmung zur "vermeintlichen Opel-Rettung" durch das Magna-Konzept ermöglicht. Kaum waren die Sitzungstüren geschlossen, hat er lautstark verkündet: ich war dagegen. Das ist die FDP-Realität, die Ähnlichkeit zur Horst-Schlämmer-Partei ist frappierend.
..heissen diese "richtigen" Bürger glaube ich im neuen "FDP-Sprech".
Hatte die FDP nicht auch während ihrer Zeit in der Opposition immer getönt die Bundeswehr müsse sofort aus Afghanistan abziehen? Davon hört man jetzt gar nichts mehr komischerweise. Ich bin gespannt was wir so zu erwarten haben. Außer Forderungen zu stellen und sich wichtig zu machen ist Guido ja nichts anderes gewöhnt. Jetzt will ich sehen wie er all seine Ankündigungen in die Tat umsetzt.
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