Angela Merkel Kanzlerin mit begrenzter Macht
Angela Merkel ist zum zweiten Mal zur Kanzlerin gewählt worden. Das Regieren dürfte für sie unter schwarz-gelben Bedingungen nicht einfacher werden.
Nur noch wenige Stunden trennen Angela Merkel von ihrer zweiten Amtszeit. Am Mittwochmittag wird sie im großen Plenarsaal des Reichstags abermals ihren Amtseid schwören, und man darf sicher sein, die Pfarrerstochter und Vorsitzende der zumindest dem Namen nach christlichen Partei CDU wird den Zusatz "so wahr mir Gott helfe" wählen.
Angela Merkel befindet sich auf dem Höhepunkt ihrer Macht. Als erster Kanzlerin überhaupt ist es ihr gelungen, ihre Partei von einer Koalition in eine andere zu führen. Und nicht nur im Bundestag, auch im Bundesrat hat ihre künftige Regierung eine wenn auch knappe Mehrheit.
In ihrem Kabinett hat Merkel mit Norbert Röttgen als Umwelt- und Ronald Pofalla als Kanzleramtsminister zwei weitere enge Vertraute installiert. Familienministerin Ursula von der Leyen, Bildungsministerin Annette Schavan und der künftige Innenminister Thomas de Maizière gehören ebenfalls zu ihrer Gefolgschaft. Das gilt zwar nicht für den künftigen Arbeitsminister Franz-Josef Jung, doch der ist wegen seiner Schwäche auf Merkels Wohlwollen angewiesen. Von den CDU-Ministern könnte also höchstens Wolfgang Schäuble Merkel durch Eigenständigkeit das Leben schwer machen.
Auch innerparteilich ist Merkel als CDU-Vorsitzende nach ihrer Wiederwahl zumindest für diese Legislaturperiode unangreifbar geworden. Zudem drängen sich keine ernstzunehmenden Alternativen auf. "Kein Kronprinz in Sicht", titelte unlängst die Frankfurter Allgemeine Zeitung.
Dennoch ist das Gefüge der Macht, an dessen Spitze die CDU-Chefin steht, ein fragiles. Auf der einen Seite wird sie bedrängt von einem Koalitionspartner, der nach elf Jahren Opposition erst wieder lernen muss, dass Politik die Kunst des Möglichen, nicht des Wünschbaren ist. Auf der anderen Seite muss sie mit einem CSU-Vorsitzenden fertig werden, der für sich die Rolle des sozialen Gewissens der schwarz-gelben Koalition reklamiert – und dessen einziges politische Ziel darin besteht, noch möglichst lange bayerischer Ministerpräsident zu bleiben.
Betrachtet man den Koalitionsvertrag, dann hat man den Eindruck, dass es Merkel bisher nicht gelungen ist, ihren Führungsanspruch gegenüber diesen beiden kleineren Partnern durchzusetzen. Horst Seehofer durfte vielmehr mit dem Betreuungsgeld oder der halbierten Mehrwertsteuer für die Gastronomie Dinge umsetzen, die den Familien- und Finanzpolitikern der CDU zuwider sind. Der FDP ist zu danken, dass in dem Vertrag umfangreiche Steuersenkungen und eine Radikalreform des Gesundheitswesens versprochen werden. Der Erfolg der CDU besteht dagegen fast ausschließlich darin, noch weitergehende Forderungen der kleineren Parteien abgewehrt zu haben – Einschränkungen beim Arbeitsrecht etwa.
Wie begrenzt ihre Macht ist, lassen zudem die Ministerpräsidenten der CDU die Kanzlerin in diesen Tagen spüren. Einen der schärfsten Kritiker einer unsoliden Haushaltspolitik hat Merkel zwar – rechtzeitig zum Beginn ihrer schwarz-gelben Kraft-durch-Schulden-Politik – gen Brüssel weggelobt. Doch mit dem designierten Nachfolger von Günther Oettinger, dem baden-württembergischen CDU-Fraktionschef Stephan Mappus, wird es die Kanzlerin kaum einfacher haben. Der nämlich wird in seiner Partei auch daran gemessen werden, dass die starke Südwest-CDU in der Bundespartei mindestens denselben Einfluss hat wie die Landesverbände von Niedersachsen, Hessen oder Nordrhein-Westfalen. Roland Koch, Christian Wulff und Jürgen Rüttgers dürften sich zwar als Kronprinzen erledigt haben, nicht jedoch als starke Ministerpräsidenten.
Wie schwierig gerade die Länderschefs der Kanzlerin das Regieren machen werden, zeigt sich auf drei Feldern, die im Mittelpunkt der künftigen Politik stehen werden:
Da sind zum einen die Steuersenkungspläne, die auch die Länderhaushalte massiv belasten werden. Nicht nur Wulff, Koch und Oettinger, auch die ostdeutschen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich und Wolfgang Böhmer haben ihren Widerstand angekündigt. "Das werden spannende Verhandlungen", verspricht Koch.
Die eher sozial gesinnten Ministerpräsidenten der Union, wie der Nordrhein-Westfale Jürgen Rüttgers und der Saarländer Peter Müller, wollen sich dagegen nicht damit abfinden, dass die Idee der Kopfpauschale samt eingefrorener Arbeitgeberbeiträge via FDP ins Regierungsprogramm eingedrungen ist. Seehofer haben sie da ganz auf ihrer Seite.
Selbst das Prestigethema Bildungsrepublik dürfte zu harten Auseinandersetzungen mit den Länderchefs führen. Haben deren Finanzminister unabhängig vom Parteibuch doch schon einmal angekündigt, sie hielten das Ziel, zehn Prozent des Bruttoinlandprodukts für Bildung und Forschung auszugeben, längst für erreicht. Schwarz-Gelb verspricht dagegen 12 Milliarden zusätzlich, auch dies würde neue Löcher in die Länderhaushalte reißen.
Schätzt man die Kanzlerin allerdings richtig ein, dann wird ihr dieser Widerstand aus den Ländern manchmal ganz recht sein. Auf das laute Machtwort, das offene Sich-Durchsetzen hat Merkel schließlich auch in der Vergangenheit verzichtet. Stattdessen könnte sie den Widerstand der Länder zu einem Hebel machen, um gegen den vorlauten Koalitionspartner FDP eigene Positionen durchzusetzen. Statt FDP-Chef Guido Westerwelle einfach ein Nein entgegenzuschmettern, könnte sie auf die notwendige Zustimmung des Bundesrats verweisen. Befürchten müsste sie dann allerdings, dass die FDP im Gegenzug ihre Durchsetzungfähigkeit in der eigenen Partei infrage stellt.
So oder so bleibt für Merkel das Dilemma bestehen: Aus der Bundestagswahl ist sie gestärkt hervorgegangen. Die Frau, die seit Jahren zu den mächtigsten der Welt gezählt wird, ist noch ein bisschen mächtiger geworden. Das Regieren ist für sie deswegen aber nicht einfacher geworden.
- Datum 28.10.2009 - 13:35 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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Anstatt dem Bürger und auch Wähler die Wahrheit des machbaren mitzuteilen kommt ein Münchhausen in Gestalt von Westerwelle mit einem Lächeln und erzählt Grimm`s Märchen
Ala ‚ Tischlein, deck dich.
Es ist ergo kein Wunder , dass ARD und ZDF diese Veranstaltung mit einem Schauterrmann Westerwelle,
einem grinsenden Seehofer und meiner Meinung sehr nachdenklichen Kanzlerin Merkel Life nicht gesendet hat.
Aber dieser Trümmerhaufen ( bildlich gesprochen ) als Regierung ist doch nichtmals für eine Eigene Meinung ( Partei-bezogen ) fähig.
Irgentwie besteht unser Regierungs-Apperat nur noch aus Lobbyisten, welche auf dem besten Wege sind
den Einstieg aus dem Ausstieg unserer Solidarischen Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit zu fördern.
Ich bin mal gespannt auf die Wahl in Nordhein-Westfalen ob der Wähler
dort lernfähig ist.
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PS. Wer sich nicht einmal am Tag irrt, ist entweder dumm und phantasielos oder hat vom Tag nicht gehabt.
Es war noch nie einfach, in Zeiten leerer Kassen zu regieren. Jetzt ist die Sache noch komplizierter: zum einen befinden wir uns in einer bisher noch nie dagewesenen Krise, zum anderen weiß niemand, ob weitere verschlechternde Fakten dazu kommen - z.B. eine Kreditkartenkrise - oder ob es so langsam aufwärts geht.
Daher ist der Koalitionsvertrag auch sehr vage abgefasst. Wenn alles gut geht - jede Regierung gibt lieber als dass sie nimmt - ist alles eitel Sonnenschein. Wenn die Krise jedoch länger dauern sollte, gibt es nichts zu verteilen.
Dann ist die Bremse der Länder mehr als angebracht, sollten CSU und FDP nicht von sich aus einlenken.
Daher ist es gut, dass Frau Merkel einerseits ersten Maßnahmen zum Wachstum zugestimmt hat, aber andererseits die Arbeitnehmer schützt - auch gegen die FDP. Wenn es dann aufwärts geht, kann Frau Merkel Zugeständnisse machen, wenn nicht, wird sie schon zeigen, wer Kellner und wer Koch ist.
Eine weltweit übliche Vermögenssteuer, und die ist von possierlicher Größe, würde nicht nur die Probleme 'Deutschlands' einiges lindern, sondern käme zumindest in die Nähe des Verursacherprinzips.
Man kann es so formulieren:
Nicht 'Deutschland' hat diese Probleme, es sind die deutschen €liten, die aufgrund ihrer CasinoVerluste Probleme haben, und sie mit Hilfe einer äußerst willigen Politik der deutschen Bevölkerung aufknechten.
Mit und ohne Merkel.
Eine weltweit übliche Vermögenssteuer, und die ist von possierlicher Größe, würde nicht nur die Probleme 'Deutschlands' einiges lindern, sondern käme zumindest in die Nähe des Verursacherprinzips.
Man kann es so formulieren:
Nicht 'Deutschland' hat diese Probleme, es sind die deutschen €liten, die aufgrund ihrer CasinoVerluste Probleme haben, und sie mit Hilfe einer äußerst willigen Politik der deutschen Bevölkerung aufknechten.
Mit und ohne Merkel.
nach diesen koalitionsverhandlungen hätte ich lieber rot wählen sollen als schwarz oder gelb wie in den perioden davor. hätte niiee gedacht, dass ich mich mal innerlich so über den herrn westerwelle aufregen würde. schwarz-gelb war meine wunschkoaliton und ich wäre beinahe mit einem freund nach berlin zur wahlparty gefahren, so war es nur essen. jetzt kommt der westerwelle und gebärdet sich wie ein politischer anfänger. jemand, dem die macht zu kopf gestiegen ist, änlich, wie wenn jemand chef geworden ist. wie kann es ein markenzeichen der fdp sein, wenn man steuersenkungen über schuldenaufnahmen finanziert? glaubt ihr denn, euro wähler sind die klassischen schuldenmacher? eure wähler agieren verantwortungsbewußter als ihr selber.
die kopfpauschale wird das harz IV der fdp, die wähler werden sich halbieren
Wie kann es sein, dass man sich lieber einen sachlichen, verantwortungsvollen herrn steinmeier von der spd!! wünscht als den unverantwortlichen, starallürenpolitiker von der fdp.
nach einer halben generation warten auf schwarz-gelb ist man über das gelb sehr,sehr negativ überrascht.
diese koaltionsverhandlungen werden noch lange im kopf bleiben. das gelb ist kein schönes gelb mehr
... ziemlich pleite - Bund, Länder, Gemeinden, produzierendes Gewerbe und die vielen Arbeitslosen und Kurzarbeiter.
Nach der Wahl ist auch nicht mehr zu verteilen als vorher.
Das setzt der Genialität des Regierungshandelns natürliche Grenzen.
Frau Merkel wird es in der Tat nicht leicht haben, denn es müssen weiterhin Schulden gemacht werden, damit Deutschland sein Niveau halten kann, ähnlich einem Arbeitslosen, der trotz sinkender Einkünfte laufend Kredite aufnimmt, um seinen Lebensstandard zu halten. Eine signifikante Besserung der internationalen Wirtschaftslage, von der Deutschland abhängt, wird so schnell nicht kommen und Vollbeschäftigung schon gar nicht, die gehört jetzt ins Reich der Fabeln. Aber Merkel wird das (konfortabel) überleben. Nur Schäuble tut mir im voraus leid. Er wird gegen einen immer stärkeren Strom (die Finanzlage) schwimmen müssen. Der Mann ist zwar hart im nehmen, aber diesmal....(?)
"Der FDP ist zu danken, dass in dem Vertrag umfangreiche Steuersenkungen und eine Radikalreform des Gesundheitswesens versprochen werden."
Das soll man der FDP danken? Ausgeplünderte Komunal- und Landerhaushalte, marode Kindertagestätten, Schlaglöchergehsteige, einstürzende Hörsäle? Und dass sie mit der Kopfpauschale noch weniger Netto vom wenigem Netto verspricht. Dafür soll man der FDP danken?
Nein danke!
Diese Regierung ist eine Frechheit, Steuersenkungen auf Pump, ein Außenminister der kein Englisch kann und seine Partei, die den sozialen Kahlschlag vorbereitet.
Das ist also das was sich die CDU seit Jahren wünscht, ein Bündnis mit einer Partei, die es seit 1998 geschafft hat wieder populistisch zu werden, und nicht mehr Regierungsfähig.
Da hätte man ja auch die Linken mit in die Regierung nehmen können, die hätten ungefähr die selben Schulden gemacht, dafür würde es aber danach auch vielen Leuten besser gehen.
Allerdings erlaube ich mir, der Einschätzung von Frau Schuler zu widersprechen, Frau Merkel wäre durch die Installation der ihr treu ergebenen in das Kabinett unangreifbar geworden.
Selbst wenn die Annahme zuträfe, die Herren Koch, Rüttgers, Wulff hätten sich "als Kronprinzen erledigt", so werden sämtliche auch nur halbwegs verantwortungsvolle Ministerpräsidenten künftig und endlich mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln dafür Sorge tragen müssen, dass jedwede zusätzlich Schwächung der Länderhaushalte nicht zum Tragen kommt.
Auch Frau Schulers Einschätzung, Frau Merkel könne den "Widerstand der Länder zu einem Hebel machen, um gegen den vorlauten Koalitionspartner FDP eigene Positionen durchzusetzen" kann schwerlich geteilt werden. Es ist eher anzunehmen, dass sich Frau Merkel während der neuen Legislaturperiode öfter vor einem Bummerang gewordenen "Hebel" wird ducken müssen, als ihr wirklich lieb sein kann.
Die (momentan) sehr überschaubare Leistungsfähigkeit der Regierung Merkel 2.0 wird zur mehrfachen Nagelprobe; und zwar sowohl hinsichtlich der mittel- bis langfristigen politischen Zukunft von Frau Merkel als auch - was viel schwerer wiegt - bezüglich des Auslotens wie viel Klientelschlagseite das EU-Dickschiff Deutschland auch binnenpolitischverträgt, bis es kentert.
Gruß
Braingain
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