Gesundheitspolitik Schwarz-gelbe Operation auf Kosten der Versicherten
Union und FDP verhandeln über die Gesundheitspolitik – die neue Hypothek von 7,5 Milliarden Euro im Rücken: Da die Koalitionäre zerstritten sind, wird der Bürger zahlen.
© AFP

Alle Versicherten müssen nun mit Zusatzbeiträgen rechnen
Es gibt schönere Abschiedsvorstellungen. Am Mittwoch hatte Noch-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt die undankbare Aufgabe, dem Kabinett die schlimmen Prognosen fürs kommende Jahr zu präsentieren. Die Kanzlerin allerdings habe, da in der Materie bewandert, gefasst reagiert, berichtete die SPD-Politikerin. Stolze 7,5 Milliarden Euro werden dem Gesundheitsfonds im Jahr 2010 fehlen, mutmaßt der Schätzerkreis für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV). Die Ausgaben summierten sich aller Voraussicht nach auf 174,2 Milliarden Euro, die Einnahmen beliefen sich gerade mal auf 166,7 Milliarden. Im Vergleich dazu ist die Lücke in diesem Jahr geradezu bescheiden. Sie beträgt aus Expertensicht nun doch nicht wie befürchtet 2,9 Milliarden, sondern nur 2,3 Milliarden Euro.
Wie kommt es zu dem Milliardenloch?
Schuld daran ist nicht etwa, wie im Zuge der Koalitionsverhandlungen nun gern behauptet wird, der Gesundheitsfonds. Die zu Unrecht als bürokratisches Monster geschmähte Geldsammelstelle beim Bundesversicherungsamt in Bonn beschäftigt grade mal 21 Menschen und kostet den Beitragszahler laut Gesundheitsministerium nicht einmal eine Million Euro. Der wirkliche Grund für das Milliardenloch ist vielmehr ein Missverhältnis: weiter steigende Ausgaben für die Medizin und geringere Kasseneinnahmen aufgrund der Wirtschaftskrise.
Bei einem prognostizierten Abbau von 600.000 Stellen sei im Extremfall mit einem Einnahmeverlust von 2,5 Milliarden Euro zu rechnen, sagte die Gesundheitsministerin. Dem steht eine geschätzte Ausgabensteigerung um 4,8 Prozent gegenüber, bei den großen Ausgabenblöcken Kliniken, Ärztehonorare und Arzneimittel sogar um bis zu 5,5 Prozent. Wenn die Liberalen nun dem Fonds die Schuld für das Defizit geben, sei dies völlig absurd, sagt die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Carola Reimann. "Das ist so, als wollte die FDP die Baufirma wegen des Erdbebens verklagen." Es gebe ein Finanzierungsproblem, das aber nichts mit dem Fonds zu tun habe, pflichtet Schmidts mögliche Amtsnachfolgerin Ursula von der Leyen (CDU) bei.
Werden nun die Beiträge erhöht?
Das hätten die Krankenkassen gerne. Laut Gesetz muss die Regierung den Satz aber erst anheben, wenn die erwarteten Kosten zwei Jahre in Folge nicht mehr zu 95 Prozent aus dem Gesundheitsfonds gedeckt werden können. Entsprechend wird sie sich hüten. Ein höherer Einheitssatz wäre gleichbedeutend mit höheren Lohnzusatzkosten – und die wären das Gegenteil all dessen, was Union und FDP zu ihrem Ziel erklärt haben. Momentan liegt der paritätisch bezahlte Beitragssatz bei 14,9 Prozent, für die Versicherten kommen noch 0,9 Prozent obendrauf. Ihn ausgerechnet in der Krise und gleich nach der Wahl zu erhöhen wäre "das Schlimmste, was man tun könnte", sagen die schwarz-gelben Experten unisono. Die Große Koalition hat im Übrigen bereits das Gegenteil getan und den Satz mithilfe des Konjunkturpaketes im Juli um 0,6 Punkte nach unten gedrückt. SPD-Ministerin Ulla Schmidt betonte am Mittwoch nochmals, dass eine Erhöhung kein Problem löse. "So viel Geld kann man gar nicht drucken, wie im Gesundheitswesen ausgegeben werden kann", sagte sie.
Kann der Staat nicht einspringen?
Möglicherweise tut er dies wieder – allerdings nur in Form eines zinslosen Darlehens wie bereits in diesem Jahr. Da weder die Kassen noch die Beitragszahler das Milliardenloch verursacht hätten, sei ein Kredit auch für 2010 "selbstverständlich zu überlegen", sagt Noch-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt. Das Problem jedes Darlehens ist aber, dass es zurückgezahlt werden muss. Und die Kassen haben schon mit der Überbrückungshilfe für 2009 ihre liebe Not. Sie fordern nun, das bis Ende 2011 zu tilgende Darlehen in einen Zuschuss zu verwandeln. Dass die neue Regierung den Steuerzuschuss fürs Gesundheitssystem weiter erhöht, ist jedoch unwahrscheinlich. Schließlich liegt die letzte – drastische – Erhöhung noch kein halbes Jahr zurück. Um den Beitragssatz von 15,5 auf die erwünschten 14,9 Prozent zu drücken, haben Union und SPD erst im Juli für 2009 und 2010 zusätzliche neun Milliarden Euro in den Fonds gepumpt. Insgesamt sind den Krankenkassen für das kommende Jahr bereits 11,8 Milliarden aus dem Steuertopf zugesagt.
- Datum 07.10.2009 - 17:39 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Die Überschrift in Kombination mit dem Bild ist eine mittlere Katastrophe für die Zeit. Ist das jetzt das neue Niveau der Berichterstattung? Hätten Sie bei rot-schwarzer Koalition einen amerikanischen Ureinwohner der Hopi mit schwarzen Haaren gewählt?
Völlig fassungslos.
Ihr
Gero Steiner
Sehr geehrter Herr Rainer Woratschka,
ich hoffe, Sie haben eine Spur von Verständnis für Systemtheorie und Ökononie. Ihr Artikel lässt daran zumindest zweifeln.
Nehmen wir mal ein ganz einfaches Beispiel aus Ihrem Text:
"Die zu Unrecht als bürokratisches Monster geschmähte Geldsammelstelle beim Bundesversicherungsamt in Bonn beschäftigt grade mal 21 Menschen und kostet den Beitragszahler laut Gesundheitsministerium nicht einmal eine Million Euro."
Der Gesundheitsfonds ist keine bürokratisches Monster, weil er so viele Angestellte hätte. Er ist ein "bürokratisches Monster" - wenn man es denn so nennen will -, weil er die Krankenkassen in das Korsett eines einheitlichen Beitragssatzes mit absurd komplizierten Ausgleichsbedingungen zwängt. Die Kassen werden unselbständige Transfer-Empfänger. Das System ist unflexibel und monolithisch. Genau deshalb ist das Ergebnis des Fonds ein Steuerungsversagen. Er hat die Beitragsfestsetzung verstaatlicht und übernimmt zugleich eine Staatsgarantie für die Fehlbeiträge für die Kassen. Die große Koalition hat die Kostenexplosion im Gesundheitsfonds im diesem Jahr durch eine Spitze aus dem "Konjunkturpaket" abgefangen.
Das Kernproblem ist, dass der Gesundheitsfonds keine Antwort auf die Ausgabensteigerungen hat - und die Politik den Leuten nicht sagen mag, dass es mehr Zuzahlungen und Anreize für Gesunde geben muss.
Dieses Jahr hat die Kostenexplosion der Steuerzahler - nicht der Beitragszahler getragen. Das ist dann also fair?
RML
Auch ich finde das gezeigte Bild mehr als schlecht gewählt! Täglich versuchen wir in den Praxen den Patienten ihre Zahnarztangst zu nehmen und Sie bedienen mit solch einem Bild Klischees aus längst vergangenen Zeiten. Dies läuft unseren Bemühungen diametral entgegen.
Besorgte Grüße,
Dr. M. Parschau.
Solange der Patient nur Objekt ist und er nicht direkt an der Gegen-leistung für die Behandlung beteiligt ist, wird sich an der Misere nichts ändern. KVs, KKs, Ärzte und Pharamindustrie nehmen die Patienten als Geiseln und erpressen damit Staat und Beitragszahler.
Das Geld muss zumindest teilweise durch die Hände der Versicherten fließen, um durch mehr Markt eine Verbesserung zu erreichen.
Die FDP die Partei der Besserverdienenden. Mit ihren 14% Wahlergebnissen
will sie den einfachen Mann auf der Straße in die Suppe spucken.
Der Bürger soll mal wieder zahlen und die Wohlhabenden leben auf deren Kosten. So nicht lieber Herr Westerwelle!
Der erste Schritt nach dem Stimmenfang heißt also mehr zahlen und gerechtfertigt mit alten Sprüchen. Kosten senken kommt nicht in betracht. D.h. die Pharma in die Verantwortung zu nehmen, oder mal die Porsche fahrenden Dr. in Klausur zu nehmen fällt Ihmen nicht ein.
Deutschland wird sich bewegen, aber nicht in Ihre Richtung.
Wir sind das Volk!
Eine demokratisch soziale Gemeinschaft wie sie mit unserer Verfassung garantiert wird - ART.20 Grund Gesetz "Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstat"
Nach ART:1 Grund Gesetz ist "Die Würde des Menschen ist unantastbar.Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt" Was hier geplant wird....
das ist mit Kürzungen und Leistungsverschlechterungen nicht vereinbar.
Erst einmal muss wieder die solidarische Leistungsgesellschaft hergestellt werden. Der Bürger und Arbeitnehmer zahlt weit mehr als der Arbeitgeber und der Bund. Die Wirtschaft darf nicht Profit in den Vordergrund stellen sondern das gemeinsame Wohl aller. Die Beiträge müssen für den Zweck Gesundheit eingesetzt werden und nicht um einen aufgeblähten Verwaltungsrat Kassenärztliche V....an deren Spitze meist aus der Politk ausgeschiedene Politiker stehen.
Von Alkohol und Tabeksteuer gehört ein gewisser Anteil an die Gesundheitskassen.
Die sich anbahnende Koalition ist vom ganzen Volk gewählt und nicht von einer sich anmassenden Gesellschaftsschicht die Macht- insbesondere durch Mexienbesitz - in Händen hält.
Ich fordere eine offene ehrliche nachprüfbare Politik nicht durch eingeschleuste Mitarbeiter der Wirtschaft bestimmte sondern durch Wählerwillen.
Ich werde in den nächsten Tagen eine Petition vorlegen die mehr Offenheit der Politiker festlegen soll.
Der Politiker ist dem Volk verantwortlich nicht den Parteien.
Walter Wasilewski
werden Sie dies in dieser Gesellschaftsform nicht erreichen. Dies setzt einn Systemwechsel voraus. Daran wird auch Ihre Petition nichts aendern.
werden Sie dies in dieser Gesellschaftsform nicht erreichen. Dies setzt einn Systemwechsel voraus. Daran wird auch Ihre Petition nichts aendern.
Sollte die CDU/CSU ihr C vor ihrem Parteinamen nicht gerecht werden, dann brauchen wir Bürgerinitiativen die endlich in der Lage sind zusammen mit dem FDGB einen Staat zu schaffen, in dem jeder leben kann (ich meine Leben). Übrigens, wieso die Grünen, Bündnis 90, die Grünen.
Sollte den ein Bündnis 2010 nicht möglich sein, um dieser Politik des Geldes nicht in ihre Schranken zu weisen. Herr Westerwelle sollte schnell die Kohle von den Banken holen, dann haben wir kein Problem in der Gesundheitskasse.
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