Politik Lafontaine verzichtet auf Fraktionsvorsitz

Linken-Chef Lafontaine will nicht für den Fraktionsvorsitz kandidieren und stattdessen im Saarland Politik machen. Offen ist, ob er Bundestagsabgeordneter bleibt.

Will zurück ins Saarland: Oskar Lafontaine

Will zurück ins Saarland: Oskar Lafontaine

Der 66-jährige Linksparteichef erklärte seinen Verzicht auf eine erneute Kandidatur für das Amt des Fraktionsvorsitzenden im Bundestag am Freitag offiziell und bestätigte damit Medienberichte. Lafontaine wolle sich nun ganz um die Landespartei im Saarland kümmern, hieß es zunächst. Dort hatte seine Partei bei der Landtagswahl mit ihm als Spitzenkandidaten 21,3 Prozent erreicht und könnte sogar mitregieren.

Seine Entscheidung habe habe etwas mit der Notwendigkeit zu tun, die Partei langfristig aufstellen zu müssen, sagte Lafontaine selbst. "Jahrelang hat man thematisiert, was für ein Machtbesessener Mensch ich bin." Künftig solle sowohl die Frauenquote als auch der Ost-West-Proporz berücksichtigt werden. Er wies zurück, dass dies ein Rückzug aus der Politik in Raten sei und er den Fraktionsvorsitz aufgebe, um sich auf die Landespartei im Saarland zu konzentrieren. Dort ist er ebenfalls Fraktionschef und setzt auf eine rot-rot-grüne Regierung.

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Lafontaine könne als Parteichef weiter "zünftige Reden" im Bundestag halten, sagte Gysi. Er würdigte Lafontaines Leistungen für die Partei, die erst vor zwei Jahren aus der westdeutschen Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG) und der ostdeutschen Linkspartei gegründet worden war. "Ohne ihn wäre vieles nicht geworden, was die Partei heute ist", sagte der bisherige Co-Fraktionschef Gregor Gysi.

Auf der konstituierenden Sitzung der Linksfraktion im brandenburgischen Rheinsberg wählten 94,7 Prozent der 75 anwesenden Mitglieder Gysi zunächst zum alleinigen Vorsitzenden. Bei der Wahl vor drei Jahren hatte er 91,4 Prozent erhalten. Später soll eine eine Nachwahl stattfinden, um die Doppelspitze mit Gysi und einer Abgeordneten aus dem Westen fortzuführen. Die Partei muss dafür ihre Satzung ändern, weil es ein Führungsduo nur bis 2010 geben sollte. Er galt auch noch nicht als absehbar, welche Frau aus dem Westen an Gysis Seite rücken könnte. Viele profilierte West-Politikerinnen hat die Partei nicht.

In Berichten hieß es zunächst, Lafontaine werde später auch sein Bundestagsmandat niederlegen. Das dementierte Lafontaine vorerst. Er werde sein Mandat behalten.

Linken-Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch hatte zuvor erkennen lassen, dass er sich Gysi als alleinigen Fraktionschef vorstellen könnte. "Ich werde mich mit meiner bescheidenen Stimme dafür einsetzen, dass wir einen Fraktionsvorsitzenden wählen". Zum bevorstehenden Rücktritt Lafontaines ergänzte er: "Es ist so, dass Oskar Lafontaine uns gesagt hat, dass er eine besondere Verantwortung für die Regierungsbildung an der Saar habe."

Zuvor hatten bereits die Frankfurter Rundschau und Spiegel Online über Rückzugspläne Lafontaines berichtet. Der Sprecher der Linksfraktion, Hendrik Thalheim, wies die Berichte allerdings zunächst als "reine Spekulation" zurück. Schon kurz nach der Bundestagswahl hatte es Informationen über eine Rückkehr Lafontaines an die Saar aus dem saarländischen Landesverband der Linken gegeben. Auch sie waren in der Bundespartei als "Quatsch" bezeichnet worden.

Erhärtet wurden damit auch Mutmaßungen in Linken-Kreisen in Berlin, möglicherweise wolle Lafontaine den Grünen im Saarland beweisen, wie sehr ihm an der Bildung eines rot-rot-grünen Bündnisses und dessen Erfolg gelegen sei. Es wäre die erste Koalition dieser Art bundesweit und könnte für die Bundestagswahl 2013 ein Gradmesser sein.

Die Rückkehr Lafontaines ins Saarland wäre "eher als Drohung denn als Hilfe"

Ein Grünen-Spitzenvertreter im Saarland

Die Saar-Grünen haben sich allerdings noch nicht entschieden, ob sie mit SPD und Linken tatsächlich regieren oder stattdessen mit der CDU und FDP eine Jamaika-Koalition eingehen werden. Auf die Gerüchte aus Berlin hatten sie zurückhaltend reagiert. Ein Vertreter der Grünen-Spitze wird in den Berichten zitiert, er sehe die endgültige Rückkehr Lafontaines ins Saarland "eher als Drohung denn als Hilfe". Erst kurz vor dem Delegierten-Treffen am Sonntag wollen sich die Grünen festlegen.

Der saarländische Grünen-Landesparteichef Hubert Ulrich, dem ein extrem schlechtes Verhältnis zu Lafontaine nachgesagt wird, glaubt nicht daran, dass Lafontaines politische Rückkehr an die Saar großen Einfluss auf die Entscheidung der Grünen hat. Eine dauerhafte Übernahme des Fraktionsvorsitzes durch Lafontaine sei für eine mögliche "rot-rot-grüne Koalition nicht gerade förderlich", weil vor allem die SPD und ihr Landeschef Heiko Maas damit Schwierigkeiten haben könnten.

Die Situation der Linken im Saarland ist schwierig. Sie verfügt weder über Erfahrung im Parlament noch in der Regierung. Lafontaine war als SPD-Politiker jahrelang Ministerpräsident im Saarland. Landeschef Maas war unter ihm Staatssekretär. Bei einer rot-rot-grünen Landesregierung würde Maas Ministerpräsident.

 
Leser-Kommentare
  1. ich hatte mich auch schon gefragt, wie die linken wohl in den wahlkampf 2013 gehen werden. ich meine mit 2 spitzenleuten die dann schon fast 70 sind, wird es schwer, wirklich zu überzeugen. der rückzuck scheint aus der sicht der linken sicherlich sinnvoll zu sein, um in den nächsten 4 jahren neue persönlichkeiten zu etablieren, die auch in der wahl erflogreich sein können...ob das letztendlich so wünschenswert ist, mag ich persönlich zu bezweifeln. aber bis jetzt ist die linke ja mehr oder weniger nur durch 2 personen repräsentiert.

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    ... die nur durch eine Person repräsentiert ist.

    ... die nur durch eine Person repräsentiert ist.

  2. Die Linke : 4 Jahre Opposition im Bund als Chance.
    Die Linke hat Nachwuchs auf allen Ebenen und kann eine Verjüngung der Partei offensiv vorantreiben. Parallel dazu kann die Öffentlichkeit auch im Westen an Die Linke als Regierungspartei gewöhnt werden.

    Die SPD: 4 Jahre Opposition als verlorene Zeit
    Die SPD ist personell ausgeblutet und kann die verpasst Verjüngung mangels geeigneter Personen kaum nachholen. Parallel dazu wird sie zunehmend als faktischer Juniorpartner in Rot-Rot(-Grünen) Bündnissen wahrgenommen werden.

    Die Linke wird wohl in wenigen Jahren die SPD beerben - und vieleicht wird so nach 100 Jahren die USPD ihre Mutter assimilieren.

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    "Die Linke wird wohl in wenigen Jahren die SPD beerben - und vieleicht wird so nach 100 Jahren die USPD ihre Mutter assimilieren."

    Na auf die Geschichtsstunde bin ich gespannt!!! Sei doch mal einer so nett und zeichne in nachvollziehbaren Schritten mal noch, wie aus der ollen USPD die heutige Linke geworden sein soll?

    Bloß weil da mal der Spartakusbund lose mitgekungelt hat ... der es dann aber vorzog, lieber die KPD, mithin im Osten die Mutter der SED zu gründen?

    Dann formuliere deine Wünsche so, dass sie jeder versteht: das endlich die Erben von KPD-SED-PDS wieder weiter wüten sollen. Wir anderen können dann rechtzeitig auswandern ...

    • Schnel
    • 09.10.2009 um 10:20 Uhr

    Wer ist denn dieser hoffnungsvolle Nachwuchs bei den Linken?

    Allgemein zu Oskar:

    Vier Jahre schaffe am Stück ist erstmal genug. Im Saarland Schoppe drinke und den Rest der Republik mit kessen Sprüchen nerven. Optimaler Ruhestand für Herrn L.

    "Die Linke wird wohl in wenigen Jahren die SPD beerben - und vieleicht wird so nach 100 Jahren die USPD ihre Mutter assimilieren."

    Na auf die Geschichtsstunde bin ich gespannt!!! Sei doch mal einer so nett und zeichne in nachvollziehbaren Schritten mal noch, wie aus der ollen USPD die heutige Linke geworden sein soll?

    Bloß weil da mal der Spartakusbund lose mitgekungelt hat ... der es dann aber vorzog, lieber die KPD, mithin im Osten die Mutter der SED zu gründen?

    Dann formuliere deine Wünsche so, dass sie jeder versteht: das endlich die Erben von KPD-SED-PDS wieder weiter wüten sollen. Wir anderen können dann rechtzeitig auswandern ...

    • Schnel
    • 09.10.2009 um 10:20 Uhr

    Wer ist denn dieser hoffnungsvolle Nachwuchs bei den Linken?

    Allgemein zu Oskar:

    Vier Jahre schaffe am Stück ist erstmal genug. Im Saarland Schoppe drinke und den Rest der Republik mit kessen Sprüchen nerven. Optimaler Ruhestand für Herrn L.

    • j-ap
    • 09.10.2009 um 10:07 Uhr

    So kennt man ihn, den alten Nestflüchter.

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    Lafontaine kann machen was er will - falsch ist es immer. Bleibt er auf seinem Posten in Berlin, ist er machtbesessen. Geht er ins Saarland, drückt er sich vor der Verantwortung.
    Lafontaine war immerhin 4 Jahre SPD-Vorsitzender. Das müssen ihm Müntefering, Schröder, Platzek, Beck, Scharping und andere erst einmal nachmachen!

    Lafontaine kann machen was er will - falsch ist es immer. Bleibt er auf seinem Posten in Berlin, ist er machtbesessen. Geht er ins Saarland, drückt er sich vor der Verantwortung.
    Lafontaine war immerhin 4 Jahre SPD-Vorsitzender. Das müssen ihm Müntefering, Schröder, Platzek, Beck, Scharping und andere erst einmal nachmachen!

  3. 4. USPD ?

    "Die Linke wird wohl in wenigen Jahren die SPD beerben - und vieleicht wird so nach 100 Jahren die USPD ihre Mutter assimilieren."

    Na auf die Geschichtsstunde bin ich gespannt!!! Sei doch mal einer so nett und zeichne in nachvollziehbaren Schritten mal noch, wie aus der ollen USPD die heutige Linke geworden sein soll?

    Bloß weil da mal der Spartakusbund lose mitgekungelt hat ... der es dann aber vorzog, lieber die KPD, mithin im Osten die Mutter der SED zu gründen?

    Dann formuliere deine Wünsche so, dass sie jeder versteht: das endlich die Erben von KPD-SED-PDS wieder weiter wüten sollen. Wir anderen können dann rechtzeitig auswandern ...

    • Schnel
    • 09.10.2009 um 10:20 Uhr

    Wer ist denn dieser hoffnungsvolle Nachwuchs bei den Linken?

    Allgemein zu Oskar:

    Vier Jahre schaffe am Stück ist erstmal genug. Im Saarland Schoppe drinke und den Rest der Republik mit kessen Sprüchen nerven. Optimaler Ruhestand für Herrn L.

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    > Wer ist denn dieser hoffnungsvolle Nachwuchs bei den Linken?

    Stefan Liebich, Katja Kipping, Michael Leutert, Caren Lay, Halina Wawzyniak und viele mehr.

    > Wer ist denn dieser hoffnungsvolle Nachwuchs bei den Linken?

    Stefan Liebich, Katja Kipping, Michael Leutert, Caren Lay, Halina Wawzyniak und viele mehr.

  4. Das von ihnen ausgewählte Foto soll wohl suggerieren, [b]HUSCH, WISCH, nun ist er schon wieder auf der "Flucht"![/b]?

    Na, wenn dem wirklich so ist, dann dürfen sie und gaaaaaaanz Deutschland, außer das Saarland, gewiß aufatmen. Wenn das nichts ist!

  5. ... die nur durch eine Person repräsentiert ist.

    Antwort auf "Wahlen 2013"
    • outis
    • 09.10.2009 um 11:31 Uhr

    macht er die Fliege! Schlechte Angewohnheiten wird man wohl nicht mehr los in Laffis Alter.

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    Wo flieht er denn aus der Verantwortung? Vielmehr begibt er sich in Verantwortung (Opposition im Bund -> Regierung im Land).

    Wie ideologisch verbohrt muss man für solch stupide Behauptungen eigentlich sein? [ Anmerkung: Bitte äußern Sie Ihre Kritik sachlich. Danke. Die Redaktion/m.e. ]

    Wo flieht er denn aus der Verantwortung? Vielmehr begibt er sich in Verantwortung (Opposition im Bund -> Regierung im Land).

    Wie ideologisch verbohrt muss man für solch stupide Behauptungen eigentlich sein? [ Anmerkung: Bitte äußern Sie Ihre Kritik sachlich. Danke. Die Redaktion/m.e. ]

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