Integration Sarrazin muss sich entschuldigenSeite 2/2

Die Bundesbank hatte sich in ungewöhnlich scharfer Form gegen die Äußerungen ihres Vorstandsmitglieds Thilo Sarrazin gewandt. "Die Deutsche Bundesbank distanziert sich entschieden in Inhalt und Form von den diskriminierenden Äußerungen von Dr. Thilo Sarrazin in dessen Interview mit Lettre International", teilte die Bank am Mittwoch mit. Sarrazin gebe nicht die Ansichten der Bundesbank wieder, und das Interview stehe in keinerlei Zusammenhang mit seinen Aufgaben bei der Zentralbank. Die Bundesbank ist mit öffentlichen Stellungnahmen meist sehr zurückhaltend. Ihre Vorstände äußern sich generell nur zu Themen, die ihr Ressort betreffen.

Es ist mein Wesen, dass ich sage, was ich denke.

Bundesbank-Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin

"Die Reaktionen auf meine Äußerungen haben mir bewusst gemacht, dass Aussagen eines Vorstands der Deutschen Bundesbank wegen der besonderen Stellung der Person und der Institution von der Öffentlichkeit mit großer Aufmerksamkeit und Sensibilität wahrgenommen werden", schrieb Sarrazin und versprach: "Ich werde deshalb in Zukunft bei öffentlichen Äußerungen mehr Vorsicht und Zurückhaltung walten lassen."

Vor seiner Entschuldigung hatte Sarrazin seine umstrittenen Äußerungen zur Hauptstadt und zu Integrationsproblemen von Migranten als "Liebeserklärung" an die Stadt bezeichnet. Der Berliner Zeitung B.Z. sagte er: "Denn was man liebt, betrachtet man auch besonders sorgsam und mit scharfem Auge."

Man solle seine Äußerungen im Gesamtzusammenhang sehen und nicht nur einzelne Teile betrachten, hatte er erklärt. Er beziehe sich auf Fakten: Im Problembezirk Neukölln lebe zum Beispiel gut die Hälfte der Menschen von Hartz IV, im Berliner Durchschnitt seien es hingegen 20 Prozent. "Das alles sind Dinge, die mich, als jemand der Berlin liebt und hier lebt, bekümmern." Integrationsprobleme seien durch den Erfolg von Einwanderer-Kindern im gesellschaftlichen System Deutschlands zu lösen. "Sie müssen zur Schule gehen, sie müssen Deutsch sprechen können und den normalen Aufstieg durch Bildung nehmen." Jeder Mensch habe Potenziale. "Er muss sie allerdings auch nutzen."

Bereits kurz nach seiner Berufung nach Frankfurt hatte Sarrazin Mitte Mai mit einem Stern-Interview für Aufsehen gesorgt. Dort hatte er für eine Art Eltern-TÜV plädiert und wegen der Finanzkrise gewarnt, sich bei einer Geldanlage von Versprechen blenden zu lassen. "Man muss den Leuten sagen, glaube keinem Bankberater", sagte Sarrazin damals. Die Bundesbank hatte auch damals erklärt, die Äußerungen Sarrazins gäben nicht die Position der Bundesbank wieder. 

Auch in den vergangenen Jahren hatte Sarrazin mehrfach Eklats verursacht. Er ließ ausrechnen, dass man sich von dem Hartz-IV-Essenssatz von vier Euro gut ernähren könne. Angesichts teurer Heizungskosten forderte er den Griff zum dicken Pullover. Grund für das ständige Anecken sei seine Offenheit, meinte der langjährige Finanzpolitiker einmal: "Es ist mein Wesen, dass ich sage, was ich denke".

 
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